Social-Media-Anbieter wie TikTok und Instagram verwenden gezielt Algorithmen und sogenannte Addictive Designs, um Nutzerinnen und Nutzer möglichst lange zu binden. Experten fordern seit langem mehr Schutz für Kinder und Jugendliche. Auch in Bozner Mittelschulen wird ein Social-Media-Verbot bis zum 16. Lebensjahr diskutiert und begrüßt.<BR /><BR />„Unsere Erfahrung ist, dass die Kinder viel unruhiger und nervöser als früher sind. Die Konzentrationsspannen sind viel geringer als früher. Die Konzentrationsfähigkeit nimmt zusehends ab“, betont Susanna Huez , Direktorin des Schulsprengels Bozen Stadtzentrum, im Gespräch. Der Schulsprengel umfasst u.a. die Mittelschulen Josef von Aufschnaiter im Zentrum und Egger-Lienz in Haslach. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1273776_image" /></div> <BR /><BR />Dieses Problem sei laut Huez aber nicht nur auf Social Media zurückzuführen, sondern auch auf Computerspiele und viel Medienkonsum der Kinder.<BR /><BR /><BR />Die Nutzung von Social Media in der Freizeit – in Schulen gilt ja ein allgemeines Smartphone-Verbot – führe immer wieder zu Fällen, „in denen sich die Schüler gegenseitig beleidigen, etwa über Postings oder über bearbeitete Fotos auf Social-Media-Kanälen. Die Kinder sind nicht in einem Alter, in dem sie das richtig einschätzen können“, betont Huez, die sich für ein Social-Media-Verbot bis zum 16. Lebensjahr ausspricht. „Grundsätzlich wäre das ein wichtiger Schritt“, betont sie. „Wie die Umsetzung aussieht, ist die nächste Frage, weil das sehr schwer zu kontrollieren und umzusetzen ist. Denn die Verantwortung liegt letztlich bei den Eltern“, so die Direktorin, die betont, dass „von Social Media in einem gewissen Maße auch Gefahr ausgeht – die Gefahr, sich gegenseitig zu verletzen. Denn Mobbing in diesen Netzwerken ist ja ein heißes Thema.“ <BR /><BR /><BR />Ebenfalls für ein Verbot für Jugendliche bis zu 15 Jahren ist die Direktorin des Schulsprengels Bozen/Gries, Liselotte Niederkofler , die auch für die Mittelschule „Adalbert Stifter“ in der Diaz-Straße zuständig ist. <BR /><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1273779_image" /></div> <BR /><BR /><BR />„Social Media ist eine Ablenkung für die Kinder, wirkt sich auf ihre Aufmerksamkeit aus und übt auch Druck auf Schülerinnen und Schüler aus, sich zu zeigen, sich zu präsentieren, vor allem unter den Mädchen“, so die Direktorin gegenüber den „Dolomiten“. „Wenn sich die Kinder dauernd vergleichen müssen, dann hat das natürlich Auswirkungen. Es tauchen Unsicherheiten im Selbstbild auf.“<BR /><BR /><BR /> Auch habe es Fälle von Cybermobbing gegeben. „Das alles führt dazu, dass wir Projekte durchführen, etwa zum Thema Magersucht“, erklärte Niederkofler. Ob das direkt mit Social Media zu tun habe, wisse sie nicht, „aber die Vermutung ist da.“<BR /><BR /><BR /> Sehr positive Erfahrungen habe man mit dem Handyverbot gemacht. „Es ist weniger Druck in der Schule da, sich untereinander zu vergleichen und ein Bild von sich selbst aufzubauen, das nicht der Realität entspricht.“ Handys würden den Kindern in der Schule nicht abgenommen, „wir bauen darauf, dass die meisten das Smartphone zu Hause lassen, was recht gut funktioniert. Wir hatten heuer keine größeren Probleme. Die Kinder halten sich an die Regeln, denn man kann sie schlüssig erklären.“ <BR /><BR /><BR />Mit Schülern könne man viele Themen gut ausmachen, die Beweggründe für ein Handyverbot an der Schule könne man nachvollziehbar machen, unterstreicht die Direktorin, die sich für ein Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 16 ausspricht. „Eigentlich tue ich mich mit Verboten schwer, weil sie einen besonderen Anreiz auslösen. Aber auf der anderen Seite glaube ich, dass es notwendig ist, da wir als Gesellschaft alle wegschauen. Wenn die Schule mehr Präventionsarbeit machen würde, aber auch die Eltern und die Politik, dann bräuchte es kein Verbot. Aber jeder erwartet sich, dass sich die anderen darum kümmern werden.“ <BR /><h3> „Ein Social-Media-Verbot ist zweischneidig.“</h3><BR />Ivan Lezuo, Schulstellenleiter in der Aufschnaiter-Mittelschule, betont, dass es durch Social Media „immer wieder zu schwierigen Situationen kommt, wenn die Kinder zum Beispiel auf solchen Plattformen Fotos von Schülern, von Lehrern, von Klassen veröffentlichen.“ Es bildeten sich Gruppen und es komme zu Mobbing. „Auch wir hatten an der Schule hin und wieder einige Fälle“, wobei es sehr schwierig sei herauszufinden, „von wem das ausgeht, wer der Urheber ist. Wir schalten dann die Postpolizei ein“, so Lezuo. <BR /><BR /><BR />Die Postpolizei helfe aber auch bei Projekten in der Schule, bei denen die Beamten „unsere Schüler sensibilisieren und ihnen erklären, welche Gefahren es gibt und wie sie sich verhalten sollen, wenn sie in den sozialen Medien verbal angegriffen oder bloßgestellt werden, wenn man ihre Privatsphäre verletzt.“<BR /><BR /><BR />Die Frage nach einem Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 16 sei zweischneidig, so Lezuo. „Ich bin nicht prinzipiell gegen ein Verbot und ich bin auch nicht prinzipiell für ein Verbot. Man müsste das genauer untersuchen.“ Natürlich könne ein Verbot hilfreich sein, wenn es Fehlentwicklungen vorbeuge und den Schülerinnen und Schülern mehr Raum für Interaktion, Kommunikation und zwischenmenschliche Beziehungen gebe.<BR /><BR /><BR />„In dem Fall bin ich dafür, dass man ein Verbot einführt, weil Schüler mehr miteinander kommunizieren, wenn sie nicht am Handy sind.“ Das merke man auch bei Ausflügen, bei denen in der Aufschnaiter-Mittelschule ebenfalls ein Handyverbot gelte. „Die Schüler sprechen dann miteinander und spielen miteinander.“ <BR /><BR /><BR />Andererseits könne ein Verbot auch ein Schuss nach hinten sein, „weil Verbote Gegenwehr erzeugen und natürlich gibt es auch jene die sagen, 'Wenn es verboten ist, tue ich es erst recht', und dann passiert es im Verborgenen“, gibt der Schulstellenleiter zu bedenken.