Im Gespräch mit s+ erzählt er, wie er vom Mord erfahren hat und spricht über das Leben seiner Mutter und deren langjährigen Beziehung mit Karl Engelmayr.<BR /><BR />„Dass Charly unserer Mutter etwas antun könnte, hätten wir uns nie gedacht – das war jenseits unserer Vorstellung“, erzählt Karlheinz Erb, Sohn der getöteten Maria Waschgler. <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/mord-in-lana-frau-im-garten-des-seniorenwohnheims-erstochen" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">(STOL hat über die Bluttat berichtet)</a><BR /><BR />Denn Karl Engelmayr sei nie gewalttätig gegenüber seiner Partnerin Maria gewesen. „Das hätte sich unsere Mutter nie gefallen lassen – und sie hätte es uns auch sicherlich erzählt“, ist Erb überzeugt. „Sie war eine starke, selbstständige Frau.“ Gewalt in der Beziehung sei auch nie ein Thema bei Gesprächen mit seiner Mutter gewesen.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="663038_image" /></div> <BR />Noch am Sonntag zur Mittagszeit hat Karlheinz Erb, Universitätsprofessor am Institut für soziale Ökologie in Wien, mit seiner Mutter in Lana telefoniert – so wie jeden Tag, denn sie war in der Coronazeit etwas vereinsamt. Mittags rief Karlheinz immer an – und abends sein Bruder Helmut. Seine Mutter habe dann in diesem Telefonat am Sonntag berichtet, das Lorenzerhof sei zwar geöffnet, ihr Lebensgefährte Charly (Karl Engelmayr) müsse sich aber endlich gegen Corona impfen lassen, denn sonst würden diese Treffen zu gefährlich, die Infektionszahlen steigen ja wieder. <BR /><BR />Am Abend müsse sie dies dann Charly sagen – und sie äußerte Bedenken, wie er denn darauf reagieren würde. Karl Engelmayr trug zwar Maske, er wollte sich aber partout nicht gegen Corona impfen lassen – und das war in der Beziehung ein kleiner Zankapfel. Trotz solch unterschiedlicher Vorstellungen über manche Fragen hatten die beiden aber eine harmonische Beziehung geführt, „Sie brauchten einander“, erzählt Karlheinz Erb. Es habe – laut seinem Wissensstand – keine Beziehungskrise gegeben.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="663041_image" /></div> <BR />Als sein Bruder Helmut die Mutter am Sonntagabend telefonisch nicht erreichte, erfuhren die beiden Brüder dann von der Leitung des Lorenzerhofes die niederschmetternde Nachricht: Es war etwas Schreckliches passiert – und die Mutter tot. Vom Mord erfuhren sie dann aus den Medien – und dass ihr Lebensgefährte Charly der mutmaßliche Täter ist, war dann der zweite Schock für die beiden Söhne. Unerklärlich und unfassbar, dass Charly so etwas getan haben konnte.<BR /><BR />Maria Waschgler war es zuletzt gesundheitlich wieder besser gegangen – nach einer Operation im Frühjahr. „Werde ich schon alles derpacken?“, hatte sie am Sonntag Karlheinz noch gefragt. Dieser redete ihr gut zu und munterte sie auf. Waschgler war ansonsten in letzter Zeit stets frohen Mutes gewesen und hatte nach vorne geblickt – sie war ja weder bettlägerig, noch ein Pflegefall. <BR /><BR /><b>Gemeinsam Südtirol erwandert</b><BR /><BR />Waschgler und Engelmayr verband eine langjährige Beziehung: Seit Anfang der 1990er Jahre waren die beiden ein Paar. Engelmayr hatte im Lebensmittelgeschäft in Lana am Gries, das sie führte, öfters eingekauft und sie so kennengelernt. Etwa ein bis 2 Jahre nach der Trennung von Maria Waschgler und ihrem Ehemann wurden die beiden ein Paar – und sie blieben es bis zum Schluss. <BR /><BR />Zu ihrem liebsten gemeinsamen Hobby zählte das Wandern. Sie erklommen bis vor etwa 10 Jahren fast unzählige Gipfel in Südtirol, die man ohne Seil und Steigeisen erreichen konnte. Oft sah man die beiden im Dorf spazieren, sie wohnten in einer Wohnung oberhalb des Eurospar-Geschäfts in der Meranerstraße. Jeden Tag um 7.30 Uhr morgens starteten sie mit dem Bus oder den Zug, um irgendwo hin zu fahren und dann zu wandern. Man hätte fast die Uhr danach stellen können, erzählt Karlheinz Erb.<BR /><BR /><b>Er stammt aus dem Waldviertel, sie aus Rasen</b><BR /><BR />Karl Engelmayr stammt ursprünglich aus der Gegend bei Weitra (Waldviertel, Niederösterreich), aus bescheidenen Verhältnissen. Er absolvierte eine Bäckerlehre und war dann viele Jahre lang in der Schweiz und Vorarlberg berufstätig – zuletzt auch als Turnwart für eine Turnhalle. Als er vor über 30 Jahren nach Südtirol kam, war er bereits in Pension. Maria Waschgler wiederum wuchs im Pustertal auf, in Oberrasen. Sie war ihr ganzes Berufsleben lang Verkäuferin in Lebensmittelgeschäften – zunächst bei ihrer Tante in Toblach, später in Meran und dann jahrzehntelang in Lana, am Gries, gegenüber der Maria-Hilf-Apotheke.<BR /><BR /><b>Nach Krankheit Sachwalter für Waschgler eingesetzt</b><BR /><BR />Karl Engelmayr galt – auch wegen seines auffallenden farbigen sportlichen Outfits – als bunter Zeitgenosse. Während Engelmayr auch im hohen Alter noch erstaunlich rüstig und fit blieb, hatte Maria Waschgler mit schweren Krankheiten zu kämpfen. Vor 3 Jahren war die Gefahr war groß, dass sie zu einem Pflegefall wurde. In der Folge wurde ein Sachwalter für sie eingesetzt. Aber Waschgler erholte sich dann innerhalb von wenigen Monaten erstaunlich gut von diesem schweren gesundheitlichen Schlag, berichtet Karlheinz Erb. Waschgler wollte danach aber nicht mehr autonom wohnen, sondern betreut werden. Sie kam ins Haus Sebastian nach Tscherms, welches vom Altersheim Lorenzerhof aus Lana geführt wird – und seit dem Frühjahr lebte sie dann im Lorenzerhof in Lana. <BR /><BR /><b>Sie trafen sich bis Sonntag immer um 16.30 Uhr</b><BR /><BR />Engelmayr tat sich wohl mit dem gesundheitlichen Abbau seiner Lebensgefährtin schwer: Dass sie nicht mehr autonom mit ihm wohnen, sondern ins Haus Sebastian wollte, war für ihn nicht zu akzeptieren – ebenso, dass ein Sachwalter für sie eingesetzt wurde und jemand anders „die Kontrolle“ über seine Lebensgefährtin übernahm. Trotzdem soll sich Engelmayr dann aber damit abgefunden haben. Die beiden trafen sich, wann immer es möglich war – jeden Tag, gegen 16.30 Uhr – und danach ging sie zum Abendessen – bis zum Sonntag.<BR /><BR /> <a href="https://www.stol.it/artikel/chronik/mord-in-lana-mutmasslicher-taeter-in-der-psychiatrie" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Der 87-Jährige Karl Engelmayr wurde nach der Bluttat in die Psychiatrie am Krankenhaus Meran überstellt, wo man nun auf eine Besserung seines geistigen Zustands wartet.</a>