Freitag, 26. November 2021

Soll ich mein Kind gegen Corona impfen lassen?

Am 25. November hat die europäische Zulassungsbehörde EMA grünes Licht für die Impfung von Kindern im Alter von 5 bis 11 Jahren mit dem Impfstoff von BioNTech/Pfizer gegeben. Spätestens Ende Dezember könnten Kinder-Impfungen auch in Südtirol bereits möglich sein. Nun stellt sich für viele Eltern die Frage: Soll ich mein Kind impfen lassen? Der Primar der Pädiatrie im Krankenhaus Brixen, Dr. Markus Markart, hat eine klare Antwort.

Dieser kleine Bub in Israel hat den Impf-Piks schon hinter sich gebracht: In Italien soll es Mitte oder Ende Dezember mit der Impfkampagne für die Kleinen losgehen. - Foto: © APA/afp / JACK GUEZ

Aus dem Rundschreiben des Istituto Superiore di Sanitá (Oberste Gesundheitsbehörde in Italien) geht hervor, dass seit Beginn der Epidemie bis zum 17. November von 3,2 Millionen Kindern im Alter von 6 bis 11 Jahren (Altersgruppe aus den ISS-Berichten) 241.739 infiziert wurden, 1407 ins Krankenhaus eingeliefert wurden und 36 auf der Intensivstation landeten. Von den 6- bis 11-Jährigen in Italien, die positiv auf das Coronavirus getestet wurden, kamen 6 von 1000 ins Krankenhaus, 1 von 10.000 auf die Intensivstation und 4 von 100.000 starben.

Die Impfung für Kinder ist sinnvoll: Wir wissen zu wenig über Langzeitfolgen von Covid-19.
Dr. Markus Markart, Primar der Pädiatrie am Krankenhaus in Brixen


„Prinzipiell muss man sagen, dass wir sehr viel Erfahrung mit Impfungen von Kindern haben“, erklärt Dr. Markus Markart. „Kinder reagieren grundsätzlich sehr gut auf Impfstoffe.“ Bisher habe es zur Wirkung der Corona-Impfung bei Kindern zu wenig Daten gegeben, um sagen zu können, ob man Kinder impfen lassen solle, erläutert der erfahrene Pädiater. „Inzwischen haben wir diese Daten: Die Impfung wirkt gut und ist sicher.“

Dr. Markart: „Wir wissen zu wenig über die Langzeitfolgen von Covid-19“

Pädiatrie-Primar Dr. Markus Markart betont, dass die Risiken einer Infektion ungleich größer seien als jene einer Impfung. Dr. Markus Markart sieht bei der Abwägung von Nutzen und Risiko die Impfung klar im Vorteil: „Die Impfung für Kinder ist sinnvoll: Wir wissen zu wenig über Langzeitfolgen von Covid-19. Einige Kinder haben schwere Verläufe.“ Der Kinderarzt nennt an dieser Stelle etwa das Kawasaki-Syndrom, eine Gefäßentzündung der kleinen und mittleren Arterien, die infolge einer Covid-Erkrankung beobachtet worden sei. Besonders bedeutsam sei die mögliche Beteiligung der Herzkranzgefäße.

Als Begleiterscheinung der Krankheit kann Wochen später das multisystemische Entzündungssyndrom auftreten, das durch hohes Fieber, gastrointestinale Symptome (Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen), Herzversagen und neurologische Veränderungen gekennzeichnet ist: 239 Fälle von sehr jungen Betroffenen wurden von der Rheumatology Study Group der Italienischen Gesellschaft für Pädiatrie gezählt. „Kinder zeigen bei der Impfung außerdem viel weniger Nebenwirkungen als Erwachsene“, erläutert Dr. Markart.

BioNTech/Pfizer: Kinder bekommen geringere Dosis

Der Impfstoff von BioNTech/Pfizer für die Altersgruppe der 5- bis 11-Jährigen wurde mit einer pädiatrischen Dosis, d. h. einem Drittel jener für über 12-Jährige, an 3116 Kindern und mit einem Placebo an 1500 Kindern getestet. Die Wirksamkeit gegen Infektionen betrug 90,7 Prozent. Der Schutz vor dem Risiko eines Krankenhausaufenthalts und der Einweisung in die Intensivstation ist wahrscheinlich höher, heißt es in den Daten des ISS. Das zeigen die Daten zum Impfstoff bei Erwachsenen.

Internationale Erfahrungen mit dem Impfstoff für Kinder

In den USA werden Kinder seit dem 8. November geimpft: Bisher haben 2,4 Millionen Kinder im Alter von 5 bis 11 Jahren ihre Dosis erhalten. In Israel gab die Gesundheitsbehörde am 15. November die Freigabe, die ersten Verabreichungen starteten am 23. November.

In Europa wird die Impfkampagne für die 5- bis 11-Jährigen voraussichtlich Mitte Dezember beginnen. Das Istituto Superiore di Sanità und die Fondazione Bruno Kessler betonen: „Eine vollständige Rückkehr zu einem Leben vor der Pandemie könnte nur dann sicher erreicht werden, wenn mehr als 90 Prozent der Bevölkerung, einschließlich der Kinder ab 5 Jahren, mit den im Jahr 2020 entwickelten mRNA-Impfstoffen geimpft werden“.

kn

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Andreas Brucculeri
2. Dezember 2021 22:25
aus der FAZ / Deutschland:

https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/stiko-chef-mertens-wuerde-eigene-kinder-nicht-gegen-corona-impfen-17662194.html?fbclid=IwAR2AYw4XX0NSoOLMmhPvlsFKmkw3gtXQMTsIvq5tjSQ5f5mQ179Oi0Hg61I
Andreas Brucculeri
2. Dezember 2021 22:27
FAZ aus DE

https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/stiko-chef-mertens-wuerde-eigene-kinder-nicht-gegen-corona-impfen-17662194.html?fbclid=IwAR2AYw4XX0NSoOLMmhPvlsFKmkw3gtXQMTsIvq5tjSQ5f5mQ179Oi0Hg61I