Freitag, 13. Dezember 2019

Sonderführerschein für Menschen mit Behinderung: „So geht's nicht weiter“

Für Zivilinvaliden und Menschen mit Behinderung ist es schon seit Jahren ein schwieriges Unterfangen, den Sonderführerschein zu beantragen oder zu verlängern. Nun aber stoßen Betroffene in Südtirol auf unzumutbare Zustände. Die Vereinigung der Zivilinvaliden (ANMIC Südtirol) berichtet, welchen Problemen Menschen mit Behinderung in Südtirol gegenüberstehen.

Anders als der herkömmliche Führerschein, welcher einfach durch den Hausarzt erneuert wird, muss die Person mit Behinderung vor die Führerscheinkommission nach Bozen.
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Anders als der herkömmliche Führerschein, welcher einfach durch den Hausarzt erneuert wird, muss die Person mit Behinderung vor die Führerscheinkommission nach Bozen. - Foto: © ANMIC
Besonders für Zivilinvaliden und Menschen mit Behinderung ist das selbstständige Vorankommen mit dem eigenen Auto enorm wichtig. Doch aktuell müssen viele Südtiroler Zivilinvaliden und Menschen mit Behinderung um ihren Führerschein bangen, wie Thomas Aichner, Präsident der ANMIC Südtirol, erklärt: „Die Betroffenen wissen nicht mehr weiter, weil das zuständige Amt für die Ausstellung und die Verlängerung von Sonderführerscheinen weder per Telefon noch per E-Mail erreichbar ist. Besonders diese Menschen sind auf ihre autonome Mobilität angewiesen.“

Sowohl für die Ausstellung als auch für die Verlängerung des Sonderführerscheines müssen Betroffene wie Michael Kirchler aus St. Georgen einen Termin mit der überörtlichen Ärztekommission für Führerscheine in Bozen vereinbaren. „Ich habe mittlerweile über 50 Mal bei der angegebenen Nummer angerufen, doch die Leitung ist ständig besetzt. Mein Sonderführerschein verfällt Ende Dezember und wenn ich bis dahin keinen Termin bekomme, weiß ich nicht mehr, wie ich zur Arbeit kommen soll. Ich werde wohl um eine provisorische Fahrerlaubnis ansuchen müssen, das heißt, ich muss ein weiteres Mal über 200 km zurücklegen.“

So wie Michael Kirchler ergeht es derzeit unzähligen Menschen in Südtirol. Sie alle müssen einen Termin in Bozen vereinbaren, doch selbst das Führerscheinamt ist ratlos: „Man soll sich an die Sanität wenden“, heißt es auf Nachfrage der ANMIC Südtirol. Auf diesen Ratschlag hin wurde die einheitliche Landesvormerkungsstelle für die Vorsorge (ELVS-Vorsorge) kontaktiert, wodurch die Verwirrung um das besagte Amt noch weiter zunahm: Die Beamtin der ELVS-Vorsorge nannte die korrekte E-Mail Adresse für die Terminvereinbarung mit der Führerscheinkommission, welche im Internet jedoch nirgends aufzufinden ist.

Auch für Hartmann Niederwieser aus Bruneck, ebenfalls Zivilinvalide, ist die Verlängerung seines Führerscheines eine immer größer werdende Last. „Aus Angst, keinen rechtzeitigen Termin für die Erneuerung meines Führerscheines zu bekommen, habe ich bereits ein halbes Jahr vor Ablaufdatum um einen Termin angesucht. Andere kümmern sich mittlerweile schon ein 1 Jahr im Voraus darum.“

Anders als der herkömmliche Führerschein, welcher einfach durch den Hausarzt erneuert wird, muss die Person mit Behinderung vor die Führerscheinkommission nach Bozen. „Die Ärztekommission entscheidet je nach Pathologie des Betroffenen, nach wie langer Zeit der Sonderführerschein verlängert werden muss. Dies kann von einigen Monaten bis zu einem Maximum von 5 Jahren der Fall sein. Die unzähligen Reklamationen seitens der Betroffenen unterstreichen, wie aufreibend dies unter den jetzigen Bedingungen ist. Eine solche Gesamtsituation ist inakzeptabel. Als Vereinigung der Zivilinvaliden fordern wir eine sofortige Lösung des Problems. Es ist dringend nötig, dass die Abläufe innerhalb des Amtes klar geregelt und eindeutig kommuniziert werden. Es kann nicht sein, dass gerade Menschen mit Einschränkung dieser unnötigen, zusätzlichen Belastung ausgesetzt werden“, so Thomas Aichner.

stol