Rudi Rienzner, Direktor des Südtiroler Energieverbandes, zieht eine kritische Zwischenbilanz. <BR /><BR />Natürlich ist jede neue Photovoltaikanlage gut, „aber eine richtige Solaroffensive sieht anders aus“, findet Rudi Rienzner. Er sieht gerade bei der Fotovoltaik (PV) noch viel Luft nach oben für Südtirol. Denn, so weiß er, „Dach- und Fassadenflächen reichen allein nicht aus, um unsere Klimaziele zu erreichen. Wir müssen PV-Systeme auch auf versiegelte Flächen installieren – und endlich die Agri-Fotovoltaik ermöglichen“. <BR /><BR />Obwohl auf der „Sonnenseite der Alpen“ spiele „Sonnenenergie“ in Südtirol nach wie vor nur eine Nebenrolle, kritisiert Rienzner. Dabei gäbe es jede Menge Möglichkeiten, neben den bisher genutzten Dächern: „Große Parkplätze etwa könnte man mit Fotovoltaik überdachen, in der Schweiz werden bereits Staumauern von Wasserspeichern und Bergseen als leistungsstarke Solarkraftwerke genutzt, und Agri-Photovoltaik würde sich in der Südtiroler Landwirtschaft regelrecht anbieten“, sagt er, denn sie liefere nicht nur den Strom für die Selbstversorgung der landwirtschaftlichen Betriebe, „sie senkt auch den Wasserverbrauch und steigert den Ertrag“. Er mahnt: „Wir sollten jetzt innovativ und technologieoffen denken.“<BR /><BR /><embed id="dtext86-62718577_quote" /><BR /><BR />Rienzner ist überzeugt, „dass wir in Sachen Energie immer mehr in Richtung Selbstversorgung gehen müssen. Und zwar sowohl in den privaten Haushalten als auch in der Landwirtschaft und bei den Betrieben. Das muss der Weg in die Zukunft sein“. Ein Selbstläufer ist das freilich nicht, sagt er. Damit die Energiewende richtig in Fahrt komme, brauche es weitere Förderungen. „Aber wie gefördert wird, das ist noch nicht recht ausgegoren“, kritisiert er. <BR /><BR />Ebenso würden die rechtlichen Möglichkeiten für die Energiegemeinschaften in Südtirol nicht ausgeschöpft. „In Österreich beispielsweise hat man das sehr vereinfacht – und es ist ein guter Weg zur Selbstversorgung der Bürger“, findet er. Natürlich brauche es Regeln, doch das Ziel müsse es sein, dass sich Bürger wie Betriebe so weit wie möglich selber organisieren können. Das käme der Haushaltskasse bzw. der Betriebsbilanz zugute und dem Klima. <BR /><BR />Das Energiemodell der Zukunft basiere auf „den 3 ,D„ – Dezentralisierung, Demokratisierung und Digitalisierung“, so Rienzner. Auch deshalb plädiert er erneut für eine unabhängige Südtiroler Regulierungsbehörde, „damit aus den echten Kosten für die Stromerzeugung in unserem Land auch echte Preise für Haushalte und Unternehmen werden“. <BR /><BR />Eine besondere Rolle, so findet man beim SEV, könne und müsste in diesem Zusammenhang auch den Gemeinden zukommen. „Auf Gemeindeebene kann man am besten die lokalen Optionen ausloten, gibt es etwa eine Fläche in Gemeindebesitz, die sich für eine Photovoltaikanlage eignen würde und an der man etwa über eine Energiegemeinschaft die Bürger beteiligen könnte?“ Jedenfalls sollten Gemeinde-Energiepläne wieder in Mode kommen. <BR /><BR />Und noch etwas ist aus Rienzners Sicht dringend: Investitionen in die Stromnetze.<BR />Das sei natürlich auf der einen Seite ein internationales, sprich europäisches Problem. Auf der anderen Seite würden aber kleine Verteilerkreisläufe die Netze entlasten. „Was dezentral produziert wird, wird auch dezentral verbraucht“, weiß Rienzner.<BR />