Sonntag, 21. Juni 2015

Sonnenwende: So feiert Europa

Die Bräuche und Feste rund um die Sommersonnenwende gehören mit zu den ältesten auf der Welt. Besonders in den nordischen Ländern wie Schweden, Norwegen und den baltischen Staaten nehmen die Feierlichkeiten rund um den längsten Tag des Jahres einen großen Stellenwert ein. STOL hat eine Liste mit Ländern und deren Art zu feiern zusammengestellt.

Stonehenge feiert: Am heutigen Sonntag, den 21. Juni, ist der längste Tag des Jahres und der Sommer beginnt.
Stonehenge feiert: Am heutigen Sonntag, den 21. Juni, ist der längste Tag des Jahres und der Sommer beginnt. - Foto: © APA/DPA

Der Tag der Sommersonnenwende ist der astronomische und kalendarische Sommeranfang. Auf der Nordhalbkugel, also auch bei uns in Südtirol, beginnt die wärmste Jahreszeit in diesem Jahr am 21. Juni genau um 18.37 Uhr.

Die Sonne erreicht ihren nördlichsten Punkt über der Erde und am Mittag ihren höchsten Stand des Jahres. Es ist der längste Tag und die kürzeste Nacht auf der Nordhalbkugel.

Allerdings gibt es deutlichtliche Unterschiede von Nord nach Süd. Die Spanne zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang reicht zum Beispiel in Deutschland von etwa 16 Stunden im bayerischen Berchtesgaden bis zu 17 Stunden 20 Minuten in Flensburg an der dänischen Grenze. Der Sommer endet 2015 am 23. September um 10.20 Uhr MESZ.

Mit die ältesten Bräuche der Welt

Feiern zur Sonnenwende zählen zu den ältesten Bräuchen der Welt. Besonders in den nordischen Ländern sind Traditionen zur Mittsommernacht lebendig geblieben.

Schweden: Midsommar

Zu den weltweit bekanntesten Mittsommerfeierlichkeiten – geschuldet unter anderem einer Werbekampagne eines großen schwedischen Möbelhauses – gehört „Midsommar“. Laut schwedischem Gesetzt wird „Midsommar“ immer an dem Samstag gefeiert, der zwischen 20. und 26. Juni liegt.

Das Fest ist, nach Weihnachten, das zweitwichtigste des Landes und wird traditionell mit Freunden, Verwandten und Nachbarn und bestenfalls in der Natur gefeiert. Im Gegensatz zu den anderen Ländern der Region, wo die Feste rund um den längsten Tag des Jahres zu Ehren Johannes des Täufers stattfinden, hat „Midsommar“ keine christliche Umwidmung erfahren.

Neben den üppigen Festmahlen – bei denen unter anderem Kartoffeln, Heringe und Sauerrahm gereicht wird – und dem übermäßigen Alkoholkonsum gehört vor allem die „Midsommarstang“ (Mittsommerstange) oder „Majstang“ (Maistange) zu den wichtigsten Utensilien einer gelungenen Feier. Diese werden mit Blumen und Blättern geschmückt und erinnern stark an die bayrische Tradition des Maibaums.

Ein weiterer Brauch sieht vor, dass unverheiratete Frauen sieben wilde Blumen von sieben verschiedenen Wiesen pflücken und diese in der Nacht unter ihr Kopfkissen legen. Der Legende nach träumen sie dann von dem Mann, den sie heiraten werden.

Baltische Staaten: Jaanipäev, Jani, Jonines

Auch in den baltischen Staaten Estland (Jaanipäev), Lettland (Jani) und Litauen (Joninés) gehören die Feiern um die Sommersonnenwende zu den wichtigsten im Jahreskreis.

Die Menschen halten sich traditionell viel in der Natur auf, sammeln Kräuter, binden glückbringende Sträuße, singen überlieferte Volkslieder  und zünden mancherorts auch Feuer an.

Alpenraum, Südtirol: Johannesfeuer – Herz Jesu Sonntag

Auch im Alpenraum wird die Sommersonnenwende mit, vermutlich aus keltischer Zeit stammenden, Bräuchen begangen. Meist werden Feuer, sogenannte Johannesfeuer, angezündet.

Besonders beachtenswert sind hierbei die alljährlichen Feuer rund um das Zugspitzenmassiv im Tiroler Außerfern, die tausende von Schaulustige anlocken. Das Spektakel hätte dieses Wochenende stattfinden sollen, wurde aber aufgrund des schlechten Wetters auf das kommende verschoben.

 

Die Sonnwendfeuer am Zugspitzenmassiv im Tiroler Ehrwald. Foto. alpenverein.de

 

Die Herz-Jesu-Feuer, die in Südtirol und weiten Teilen Nord- und Osttirols angezündet werden, haben ihren Ursprung in dieser Tradition. Die bestehenden heidnischen Bräuche wurden dann im Laufe der Zeit von der Kirche umgewidmet und mit einer christlichen Bedeutung belegt.

So stammen etwa auch viele Gepflogenheiten rund um Weihnachten und Ostern aus vorchristlicher Zeit.

England – Stonehenge: Moderne Druiden

Vor uralter Kulisse aber deutlich jüngeren Ursprungs sind die Zeremonien in Stonehenge im Süden Englands, mit dem weltbekannten Steinkreise. Dort versammeln sich seit einigen Jahren moderne Druiden, Hippies und Esoteriker aus aller Welt um gemeinsam den längsten Tag des Jahres zu feiern.

Rund 23 000 Menschen haben, wie die Deutsche Presseagentur dpa berichtet, in diesem Jahr in der Nacht auf Sonntag die Sommersonnenwende begangen.

 

 

Stonehenge feiert: Der 21. Juni ist der längste Tag des Jahres und der Sommer beginnt. 

 

Finnland: Juhannus

Wie die Schweden feiern auch die Finnen ihr Mittsommerfest „Juhannus“ am Samstag zwischen dem 20. Und 26. Juni. Obwohl das Fest einen christlich anmutenden Namen hat, stammen die Bräuche rund um den längsten Tag des Jahres aus vorchristlicher Zeit.

Das Fest wird mit Tanzveranstaltungen und Konzerten gefeiert und von viel Alkohol und lautem Grölen begleitet. Früher glaubte man, dass der Lärm böse Geister verjage.

Zu „Juhannus“ entzünden die Finnen große Feuer (die so genannten „Juhannuskokko“) an gut sichtbaren Orten wie Lichtungen und Stränden. Auf einigen Inseln werden auf offener See ausrangierte Boote in Brand gesteckt.

Restliches Europa

Auch in vielen anderen Teilen Europas machen die Menschen die kürzeste Nacht des Jahres zur längsten.

In Polen, der Slowakei und Schlesien wird das Fest „Sobotka“ genannt. In Russland, der Ukraine, Weißrussland und Teilen Ostpolens „Iwan-Kuppala-Tag“.

Die Norweger und Dänen begehen das „Sankt-Hans“-Fest und in Spanien trifft man sich zur „Noche de San Juan“ (Nacht des Heiligen Johannes), zündet am Strand Feuer an und springt zu einer Art „rituellen Reinigung“ gemeinsam in die Flüsse und das Meer.

stol/bfk/dpa 

dpa

stol