„Das Sterben wird heute viel zu sehr als Krankheit gesehen, denn als natürlicher Prozess. Dadurch werden Sterbende oft ausgegrenzt, an den Rand gedrängt. Auf diese Weise sterben sie den sozialen Tod viel früher als den körperlichen“, sagt Günther Rederlechner, der Leiter der Caritas Hospizbewegung. Er fordert einen besseren, ungezwungeneren Umgang mit dem Thema „Sterben“. „Wird ein Mann, eine Frau oder ein Kind mit der Diagnose ,unheilbar‘ konfrontiert, durchleben auch sie einen Kreuz- und Leidensweg, der gekennzeichnet ist von verschiedenen Stationen. Auf welche Weise die Betroffenen diese Zeit leben können, hängt im Wesentlichen davon ab, wie das Betreuungsteam und die Gesellschaft mit ihnen umgehen“, unterstreicht Rederlechner. Nur zu oft würden Sterbende aufgrund der medizinischen Möglichkeiten nicht als Sterbende behandelt. „Nicht der Mensch, sondern seine Krankheit steht im Mittelpunkt und es wird alles getan, um das körperliche Sterben so lange als möglich hinauszuzögern.“ Dass sie in der Zwischenzeit einen anderen Tod sterben könnten, nämlich den sozialen, werde dabei häufig übersehen. „Der soziale Tod tritt viel früher ein als der körperliche Tod. Der Sterbende zieht sich zurück, fühlt sich einsam, verlassen und wertlos, auch weil niemand gerne mit ihm übers Sterben spricht. Dabei sollte er gerade in dieser Zeit gut begleitet werden, damit er nicht nur in Frieden sterben, sondern vor allem auch bis zum Schluss in Frieden leben kann“, sagt Rederlechner. Eben darin sehe die Caritas Hospizbewegung ihren Auftrag. Sie will mit ihren 220 Freiwilligen eine menschliche Antwort auf das Sterben und den Tod geben. „Die Freiwilligen der Hospizbewegung kümmern sich täglich in ganz Südtirol um schwerkranke, sterbende und trauernde Menschen, und wir setzen uns für eine humane Sterbe- und Lebensbegleitung ein“, betont Rederlechner. Dies könne nur durch ein gutes Zusammenspiel von pflegerischer, medizinischer, seelsorgerischer und sozialer Betreuung geschehen.