Angekündigt von den vollen Rhythmen des hervorragenden Schulorchesters unter der Leitung von Martin Graber bewegen sich schaurige Gestalten über die Bühne des Stadttheaters Meran. Der Zug der schwarz-rot gekleideten Vampire taucht langsam aus dem Bühnennebel heraus und zeigt dem Publikum eine andere Welt. Jenseits unseres Alltags, jenseits des Tageslichtes bevölkern furchteinflößende Wesen unsere Erde und trachten im Verborgenen nach der Macht.Der Weg zu diesem Ziel führt dann freilich über jene Themen, die auch das Leben von uns Menschen aus Fleisch und Blut beherrschen: Freundschaft, Liebe, Gier, Verrat und die besondere Fähigkeit sein eigenes Schicksal zu erkennen. Geschützt unter schaurigen Kostümen und dunklen Masken präsentieren die jungen Leute, was ihr Leben ausmacht.Großartig ist Nico Platter, wenn er als mächtiger Graf Occultus das erste Mal aus dem Dunkel auf die Bühne tritt und die Scharen seiner Vampire mit sicherer Autorität in Schranken weist. Diensteifrig gibt Michael Haller als Jakobus den treuen Diener seines Herrn und findet im leichtherzigen Freigeist Amatorius (Philipp Genetti) seinen kongenialen Gegenspieler. Eine falsch verstandene Prophezeiung, eine alte Liebe, die Sehnsucht nach Macht und Ansehen sind die ewig gültigen Motive, aus denen der Stoff dieses Märchens der Anderswelt gewebt ist. Ob der menschliche Auserwählte (Julian Fischer) der magnetischen Kraft des Bösen wohl standhält oder seinem Reiz erliegt?Maria Killingseder, Martin Graber und Johannes Kofler waren gemeinsam für die Gesamtleitung dieser Produktion verantwortlich. Den drei Professoren ist das Kunststück gelungen, den Enthusiasmus und die Leidenschaft der SchülerInnen für die künstlerische Arbeit an dem gemeinsamen Bühnenstück zu wecken. Text, Musik, Kostüme, Choreographie (Siglinde Holzner) und Bühnenbild (Anuschka Prossliner) sind zur Gänze in Eigenproduktion entstanden. Es ist jedes Mal von neuem erstaunlich, was junge Menschen imstande sind zu leisten, wie viel Begeisterung und Kraft sie entwickeln können, wenn sie Raum und den geeigneten Rahmen für ihre Kreativität finden.Bei der Premiere hat das Publikum mit Begeisterung auf die mitreißende Bühnenshow und die starken Einzelleistungen des Schülerensembles reagiert. Nach der dramatischen Schlussszene, in der die Vampire endgültig ihre Macht an die Menschen verlieren, bedachten die Zuschauer die Darsteller mit tosendem Applaus und bedankten sich so für die unzähligen Stunden Arbeit, die Schüler und Professoren in das Musical investiert haben.