Sonntag, 22. Oktober 2017

Spannung um „JFK files“ – Akten über Attentat sollen publik werden

Jahrzehntelang waren sie unter Verschluss – was Verschwörungstheoretiker nur noch mehr befeuerte. Jetzt sollen Zehntausende Seiten geheimer Dokumente zur Ermordung von Präsident John F. Kennedy veröffentlicht werden.

Am Donnerstag läuft die Sperrfrist für bisher geheim gehaltene Dokumente zur Ermordung des ehemaligen US-Präsidenten John F. Kennedy ab.
Am Donnerstag läuft die Sperrfrist für bisher geheim gehaltene Dokumente zur Ermordung des ehemaligen US-Präsidenten John F. Kennedy ab. - Foto: © APA/EPA

Nicht nur Verschwörungstheoretiker sind gespannt. Nach jahrzehntelanger Geheimhaltung sollen auch die letzten „JFK files“ veröffentlicht werden – Zehntausende Seiten geheimer Dokumente, die sich um die Ermordung von US-Präsident John F. Kennedy am 22. November 1963 drehen. Eine dafür vom Kongress gesetzte 25-jährige Frist läuft am Donnerstag aus.

Trump: „Das Richtige im Sinne voller Transparenz“

Nach Medienberichten über Bemühungen vor allem des Geheimdienstes CIA, einen Teil der Papiere weiter zurückzuhalten, ließ Präsident Donald Trump am Samstag wissen, dass er die Veröffentlichung der „JFK files“ wohl nicht stoppen werde. Er glaube, dass dies im Sinne „voller Transparenz“ das Richtige sei – es sei denn, Behörden machten überzeugend nationale Sicherheitsbelange geltend, sagte ein Regierungsbeamter. Trump wäre der einzige, der die Veröffentlichung noch blockieren könnte.

Zahlreiche Theorien halten sich nach wie vor

Untersuchungen der sogenannten Warren-Kommission nach dem Verbrechen hatten seinerzeit zum offiziellen Ergebnis geführt, dass der – später selber ermordete – Kennedy-Attentäter Lee Harvey Oswald alleine handelte. Dennoch haben sich all die Jahre über alle möglichen Verschwörungstheorien gehalten: Dass vielleicht die Mafia die Strippen zog, Kuba, die Sowjets, der militärisch-industrielle Komplex, vielleicht auch der Kennedy-Nachfolger Lyndon B. Johnson in Verbindung mit der CIA, dem organisierten Verbrechen und Ölinteressensgruppen.

Noch vor 2013 – 50 Jahre nach Kennedys Tod – gaben in einer Umfrage nur 30 Prozent der Befragten an, dass sie Oswald für den alleinigen Verantwortlichen hielten. Die meisten anderen witterten irgendeine Art von Verschwörung. Hinzu kommt eine ganze Flut von mehr oder minder seriösen Büchern, deren Autoren zu der einen oder anderen Schlussfolgerung gekommen sind.

Viel Lärm um Nichts?

Experten gehen allerdings davon aus, dass die Akten keine explosiven Informationen oder konkrete weitere Aufschlüsse darüber geben, was damals genau geschehen ist. „Ich glaube nicht, dass es große Enthüllungen gibt“, sagt etwa John Tunheim, Leiter eines 1992 vom Kongress eingesetzten Gremiums, das mit der Prüfung und Veröffentlichung der Unterlagen beauftragt war.

„Ich glaube, wenn es jemals enthüllende Dokumente gegeben hätte, wären sie schon längst vernichtet worden“, zitiert die Zeitung „Dallas Morning News“ auch Buchautor Larry Sabato vom Center for Politics der Universität von Virginia.

Insgesamt geht es um 3100 Akten, die noch nie veröffentlicht wurden und weitere Hunderttausende Seiten an Dokumenten, aus denen bereits in den 1990er Jahren Auszüge publik geworden waren. Dabei soll es sich zumeist um CIA- und FBI-Unterlagen handeln.

dpa/stol

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