Nur etwas mehr als eine Woche saß der junge Marokkaner hinter Gittern – jetzt ist er auf der Flucht. Wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtet, war der 17-Jährige am 17. Juli in Mailand festgenommen worden, nachdem er gemeinsam mit einem Komplizen einen Mann überfallen und ihm eine Halskette entrissen hatte. Einen Passanten, der dem Opfer helfen wollte, setzten die Täter mit Pfefferspray außer Gefecht.<h3> „Ihr könnt mir nichts tun, ich bin minderjährig“</h3>Dank eines Videos, das Passant von den auf einem E-Scooter flüchtenden Tätern gemacht hatte, konnte die Polizei die Jugendlichen schnell fassen. Bei der Festnahme soll einer der beiden gerufen haben: „Ihr könnt mir nichts tun, ich bin minderjährig.“<BR /><BR />Nun ist der 17-Jährige aus dem Jugendgefängnis Beccaria entkommen. Laut Ansa geschah die Flucht am späten Montagnachmittag: Der Jugendliche soll in rasanter Geschwindigkeit über den Zaun des Fußballfeldes geklettert, auf das Dach der Turnhalle gesprungen und anschließend die Umzäunung überwunden haben. Seitdem fehlt von ihm jede Spur.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1194996_image" /></div> <BR /><BR />Die Polizei prüft Aufnahmen von Überwachungskameras in der nahegelegenen Metro-Station Famagosta. Eine Großfahndung wurde eingeleitet, bislang jedoch ohne Erfolg.<h3> Brennpunkt Beccaria-Gefängnis</h3>Das Beccaria-Gefängnis gilt seit Jahren als Brennpunkt: Immer wieder kommt es dort zu Ausbrüchen, Protesten und sogar Revolten, bei denen Zellen angezündet und Teile der Einrichtung beschädigt werden. Der spektakulärste Fall ereignete sich zu Weihnachten 2022, als sieben Insassen flüchteten – einige kehrten später freiwillig zurück, da sie keine Unterstützung außerhalb des Gefängnisses hatten.<BR /><BR />Leo Beneduci, Generalsekretär der Polizei-Gewerkschaft Osapp, sieht in der neuerlichen Flucht ein systemisches Problem: „Der jüngste Ausbruch bestätigt die gravierenden Mängel in der Organisation der Jugendstrafvollzugsbehörde, die politisch vom Lega-Staatssekretär Andrea Ostellari geführt wird.“<BR /><BR />„Die Ausbrüche werden immer häufiger – und am Ende leidet darunter nicht nur das Personal der Justizwache, sondern auch die Bürger, weil hunderte Polizisten von ihren Aufgaben im Territorium abgezogen werden, um nach Flüchtigen zu suchen“, so Beneduci.