Alexander ist einer der über 400 Menschen mit Behinderung, die gestern in Eppan zeigten, dass Grenzen nicht selten nur in unseren Köpfen existieren und Sport verbindet, wo Unterschiede sonst trennen.<BR /><BR />Nach einem kräftigen Wurf steigt ein Vortex hoch in die Luft, fliegt knapp an den Zuschauern vorbei und gleitet einige Meter weiter wieder zu Boden. Währenddessen nehmen am Rande der Laufbahn bereits die Nächsten ihre Position für den 50-Meter-Lauf ein und warten auf das Startzeichen. Schon nach kurzer Zeit wird klar, dass es in der Sportzone Rungg in Eppan um weit mehr als nur um sportliche Leistungen geht. Menschen mit teils mehreren Medaillen um den Hals stapfen glücklich vom Rasen, aus den Lautsprechern schallt Musik, dazwischen werden Namen und Startnummern aufgerufen. „Ich bin ein Champion“, sagt einer der Teilnehmer zu sich selbst und streckt seine Medaille voller Stolz in die Höhe.<h3>Start frei: Auf die Plätze, fertig, los!</h3>Bereits zum 40. Mal veranstaltete die Landesfachschule für Sozialberufe „Hannah Arendt“ auch heuer wieder gemeinsam mit der Lebenshilfe das Spiel- und Sportfest für Menschen mit Beeinträchtigung. Über 600 Teilnehmerinnen und Teilnehmer kamen in diesem Jahr zusammen, darunter 423 Menschen mit Behinderung und 236 Begleitpersonen. Egal, ob aus dem Pustertal, dem oberen Vinschgau oder doch aus der näheren Umgebung: Aus ganz Südtirol waren sie nach Eppan gekommen, für einen Tag, an dem der Alltag weit weg scheint und der Spaß im Mittelpunkt steht. Neben zahlreichen Grund-, Mittel- und Oberschulen, die Schüler mit einer Beeinträchtigung zum Fest brachten, beteiligten sich auch 56 soziale Einrichtungen, darunter die Werkstatt für Menschen mit Behinderung Prad, das KIMM Kardaun oder die Tagesstätte Jesuheim in Eppan am diesjährigen Sport- und Spielefest.<BR /><BR />Angekommen bei den Sportplätzen reiht sich zwischen den Startlinien und Markierungen Wettkampfstationen: 50-Meter-Lauf, Staffelbewerbe, Vortex-Wurf. „Auf die Plätze, fertig, los!“, hallt es immer wieder übers Gelände. Jeder Versuch ist ein Erfolg, denn Verlierer gibt es an diesem Tag keine und eine Medaille als Anerkennung gibt es für alle.<BR /><BR />Einer der stolzen Preisträger ist Daniel. Er wartet kurz, lächelt und sagt dann: „Es ist schön hier. Man kann viel machen und alle sind freundlich. Ich habe viel Spaß, wirklich.“ Dem schließen sich auch Alexander und Sonja an, beide noch etwas außer Atem vom soeben absolvierten Vortex-Wurf. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1315362_image" /></div> Doch nicht nur auf den Sportplätzen herrscht Bewegung. Auch abseits der Bewerbe gibt es viel zu entdecken. Es wird getanzt, gespielt und vor allem viel gelacht. Manche schlüpfen für eine Modenschau in verschiedene Kleider, andere versuchen sich an Geschicklichkeitsspielen oder sitzen über Mal- und Bastelarbeiten gebeugt.<BR /><BR />Welcher organisatorische Aufwand sich hinter der Veranstaltung verbergen mag, lässt sich nur erahnen. „Zum 40. Jubiläum durfte die ganze Schule bei der Organisation mithelfen“, erzählen die beiden Schülerinnen Greta Savalli und Katja Malojer. Fast jede Klasse der Landesfachschule „Hannah Arendt“ hat heuer eine eigene Station gestaltet. Greta und Katja betreuen einen sogenannten Fröbelturm. Mit Seilen müssen Holzklötze gemeinsam aufeinander gestapelt werden, Teamarbeit ist hier das A und O. Aktuell absolvieren die beiden Schülerinnen eine Ausbildung zur Pflegehelferin, wollen aber auch künftig im sozialen Bereich bleiben. Solche Tage, sagen sie, hätten ihnen gezeigt, wie wichtig die Arbeit der vielen Betreuer und Betreuerinnen im Hintergrund ist, damit die Veranstaltung reibungslos abläuft.<h3>Ein Pokal und Medaillen für alle</h3>„Für die Teilnehmer ist es ein Highlight des Jahres, viele freuen sich schon Wochen und Monate vorher darauf“, berichtet Heike Bonell, die im Dienst VIVO der Lebenshilfe Freizeitbegleitung für Menschen mit Behinderung anbietet. Bei der Preisverleihung erreicht die Stimmung noch einmal ihren Höhepunkt: Alle Gruppen gehen mit einem Pokal nach Hause. Je größer die Gruppe, desto größer auch der Pokal.<BR /><BR />Unter die Besucher hat sich sehr zur Freude einiger Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch FC Südtirol-Kicker Raphael Kofler gemischt, um die Veranstaltung zu begutachten. Ebenso vor Ort auch Soziallandesrätin Rosmarie Pamer. „Es ist mir eine große Freude, auch in diesem Jahr wieder hier zu sein. Das Spiel- und Sportfest ist immer wieder eine gelungene Veranstaltung mit viel Einsatz im Hintergrund“, sagt Pamer und lässt es sich nicht nehmen, sich selbst an den Stationen in einigen Geschicklichkeitsspielen auszuprobieren.<BR /><BR />Und genau darin liegt wohl die spezielle Bedeutung dieses Tages: Für ein paar Stunden scheint Inklusion hier selbstverständlich zu sein. Menschen begegnen einander ganz ohne Berührungsängste, lachen gemeinsam und feuern sich gegenseitig an. Doch irgendwann werden die Stationen abgebaut, die Musik leiser, die Stimmen weniger. Zurück bleibt ein leerer Sportplatz, aber sicherlich auch bei den Teilnehmern jede Menge an Erinnerungen an einen wunderschönen Tag.