<b>Stellen auch Sie fest, dass Spielsucht immer mehr ältere Menschen betrifft?</b><BR />Dr. Martin Fronthaler: Ich würde es anders formulieren. Es ist vielmehr so, dass Betroffene heute stärker gesehen werden und dadurch mehr Menschen in Behandlung kommen. Zudem spielt die demografische Entwicklung eine Rolle.<BR /><BR /><b>Welche Faktoren begünstigen Spielsucht im Alter?</b><BR />Dr. Fronthaler: Mit dem Eintritt in die Pension entsteht bei vielen Menschen eine Leere im Alltag, oft verbunden mit sozialem Rückzug. Gleichzeitig muss man betonen, dass nicht jeder, der spielt, automatisch süchtig ist.<BR /><BR /><b>Welche Formen kann Spielsucht annehmen?</b><BR />Dr. Fronthaler: Besonders verbreitet sind Rubbellose, Lotterie sowie Spielautomaten. Zudem sind viele ältere Menschen im digitalen Bereich fit und versuchen ihr Glück auch in Online-Casinos oder Sportwetten. Große Gewinne sind dabei aber höchst selten.<BR /><BR /><b>Was können Angehörige beim Verdacht auf Spielsucht tun?</b><BR />Dr. Fronthaler: Offen darüber sprechen. Man soll Betroffene auf sanfte Art und Weise ansprechen, jedoch ohne Vorwürfe und Schuldzuweisung. Gleichzeitig sollten Angehörige die Gefahr einer Co-Abhängigkeit im Blick behalten. Das heißt: kein Geld leihen und problematisches Verhalten nicht unterstützen. <BR /><BR /><b>Wie wird Menschen mit Spielsucht geholfen?</b><BR />Dr. Fronthaler: Bei Beratungsstellen für Spielsucht sind oft zunächst die Angehörigen der erste Kontakt, nicht die Betroffenen selbst. Der Weg erfordert also viel Geduld. Die Wunschvorstellung ist natürlich Prävention durch Aufklärung. Umso wichtiger sind etwa Schulungen für Bankangestellte, medizinisches Personal und Sozialdienste, um ihr Auge für problematisches Verhalten zu schärfen. Die beste Medizin bleibt aber die Beziehungsebene, also ein unterstützender Zugang, der nicht auf Vorwürfen baut.