Freitag, 20. Mai 2016

Spielsucht: Jedes Jahr brauchen mehr als 300 Südtiroler eine Hilfe

Immer mehr Südtiroler verfallen der Spielsucht und benötigen professionelle Hilfe, um aus dem Teufelskreis herauszukommen. Allerdings wird diese Hilfe aus Schamgefühl oft sehr bzw. zu spät in Anspruch genommen.

"Einarmige Banditen" wurden Spielautomaten früher genannt, als sie mit einem seitlichen Hebel betätigt wurden. Die Mechanik wurde zwar moderner, aber ihre Gefahr gewiss nicht geringer.
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"Einarmige Banditen" wurden Spielautomaten früher genannt, als sie mit einem seitlichen Hebel betätigt wurden. Die Mechanik wurde zwar moderner, aber ihre Gefahr gewiss nicht geringer. - Foto: © APA/DPA

Über 300 Südtiroler werden jährlich wegen Spielsucht ambulant in Südtirol betreut. Allein in den ersten 5 Monaten des heurigen Jahres mussten 15 Spieler stationär für eine Therapie in Bad Bachgart aufgenommen.  

Viele Spielsüchtige reagieren spät und lassen sich erst nach Jahren therapieren. Manche beklagen da schon riesige Geldverluste – bis zu 500.000 Euro, weiß der Direktor des Therapiezentrums Bad Bachgart, Helmut Zingerle.

Wieviele Südtiroler spielsüchtig sind, darüber gibt es zurzeit nur Schätzungen: Um die 5000 bis 6000 könnten es sein. Immerhin 312 Bürger waren 2015 aufgrund eines Problems mit dem Glücksspiel in Kontakt mit den Diensten des Südtiroler Suchthilfesystems, berichtet die stellvertretende Direktorin des SERT in Bozen, Bettina Meraner. 2014 waren es unwesentlich weniger (358).

Wie sehr die Südtiroler vom Glücksspiel angezogen werden, zeigt ein Blick auf die Ausgaben: 590 Millionen Euro wurden 2015 hingeblättert, das ist über ein Zehntel des gesamten Landeshaushaltes.

Viele kleine Gewinne werden in neues Spiel investiert, sagt Christa Ladurner (Forum Prävention). „Dies treibt das Spielvolumen enorm in die Höhe.“

Am beliebtesten sind Automaten wie Slot machines: Dafür wurden sage und schreibe 449 Millionen Euro ausgegeben.

D/hof

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Mehr Hintergründe über das Thema Spielsucht sowie Erfahrungsberichte und Tipps von Bad-Bachgart-Direktor Helmut Zingerle lesen Sie im Tagblatt der "Dolomiten" am Freitag.

stol