Der offene Brief, der von einer Gruppe von Krankenhausärzten verfasst wurde, zirkuliert derzeit in den Spitälern – und die Unterschriftenliste wird immer länger.<BR /><BR />Die Ärzte äußern darin „tiefe Besorgnis“: „Wenn ein System mehr Zeit, mehr Arbeitsschritte und mehr technische Unterstützung erfordert und dabei die klinische Effizienz verringert, ist das kein Fortschritt, sondern ein organisatorischer Rückschritt“, heißt es darin. NGH sei langsamer, komplexer und fragmentierter, und das gehe schlussendlich zu Lasten der Patienten. Die Ärzte zeigen an einem Beispiel das Problem auf: „In den bisherigen Arbeitsabläufen waren die Verordnung und die Planung eines Eingriffs ein einziger, in die Visite integrierter Vorgang.<BR /><BR /> Heute erfordert dieselbe Tätigkeit mit NGH drei verschiedene Programme: NGH für die ambulante Krankenakte, ePrescribe für die Ausstellung der Verschreibungen und Digistat für die Planung des Eingriffs. Das bedeutet drei getrennte Zugänge, drei unterschiedliche Oberflächen, die wiederholte Eingabe derselben Daten, mehr Zeitverlust am Patienten und mehr Fehlermöglichkeiten.“ Für Krankmeldungen, diagnostische Verschreibungen, physiotherapeutische Behandlungspfade oder die Einsicht in frühere klinische Dokumentation müssten weitere Programme verwendet werden. Und dieses Problem betreffe alle Abteilungen. <h3> Ärzte verlieren Zeit, Versorgung werde schlechter </h3>Die Ärzte kritisieren das System dabei nicht um ihrer selbst willen. Vielmehr gelte: „Jede Minute, die Ärztinnen, Ärzten und Mitarbeitenden genommen wird, bedeutet weniger Leistungen, längere Wartelisten, höheren Druck auf das Personal und eine schlechtere Versorgung.“ <BR /><BR />Die Ärzte stellen daher u. a. die Forderung an Landesrat Dr. Hubert Messner, Landeshauptmann Arno Kompatscher und Christian Kofler, Generaldirektor des Sanitätsbetriebes, die weitere Ausweitung der Anwendung von NGH auszusetzen, das Programm neu zu bewerten und technische Mängel offenzulegen – „mit klar zugewiesener Verantwortung und verbindlichen Fristen zur Behebung“. Man brauche keine Schlagworte, „sondern Werkzeuge, die funktionieren“.<BR /><BR />Zu den Abteilungen, die bereits unterschrieben haben, gehört auch der Psychiatrische Dienst am Krankenhaus Bruneck. Schon nach der Einschulung war dem Psychiater und Gewerkschaftsvertreter Dr. Ivano Simioni klar: „Mit diesem komplizierten, fragmentierten System brauch ich mehr Zeit am PC. Damit wird mir bei der straffen Taktung der Visiten Zeit für den Patienten genommen.“