Nach zehn Jahren wurde am Freitag eine neue Ausgabe des Astat-Sprachbarometers veröffentlicht. Und in dem umfangreichen Bericht finden sich erstaunliche Antworten der befragten Südtiroler wieder. Darunter die zur individuellen Mehrsprachigkeit, der eine Mehrheit der Befragten Positives abgewinnt. Dabei rangiert der konkrete Vorteil mit 47 Prozent auf Platz eins, für ein Drittel der Befragten steht die persönliche Bereicherung ganz oben. Für 16 Prozent stellt die eigene Mehrsprachigkeit eine reine Notwendigkeit dar. <h3> Wie kommt man aber zu dieser Mehrsprachigkeit?</h3>Fast alle Personen (96 Prozent) haben – schon oder zumindest – beim Erwerb der Zweitsprache Probleme. Die Gründe dafür orten 46 Prozent der italienischen und 34 Prozent der deutschen Sprachgruppe in einem „Schulsystem, das den Anforderungen nicht gerecht wird“ sowie 27 bzw. 19 Prozent in einer zu stark getrennten Gesellschaft. <BR /><BR />Dem Gebrauch des Dialekts gibt fast jeder zweite Befragte der italienischen Sprachgruppe die Schuld (gegenüber 23 Prozent der deutschen Sprachgruppe). Für die Angehörigen der deutschen und ladinischen Sprachgruppe spielen auch politische Ansichten (21 Prozent), mangelnder Wille (44 Prozent) und mangelndes Interesse (51 Prozent) eine Rolle. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1241319_image" /></div> <BR />Ein Kapitel des Berichtes befasst sich mit den schulischen Erfahrungen, außerschulischen Aktivitäten und Einstellungen zum Zweitsprachenunterricht. Die Schlussfolgerung des Landesstatistikinstitutes aus den Antworten: Sie zeichneten „das Bild einer Bevölkerung, die dem Ausbau mehrsprachiger Bildungsangebote grundsätzlich positiv gegenübersteht“. <BR /><BR />Auch die sprachliche Identität wurde für das Barometer wieder abgefragt: Gegenüber 2014, so heißt es im Astat-Bericht, zeigten sich einige signifikante Trends: Die Identität „Südtiroler/in“ sei weiterhin stark verbreitet, während gleichzeitig das Zugehörigkeitsgefühl zu „Italiener/in“ und „Europäer/in“ steige.<BR /><BR /><embed id="dtext86-72383205_quote" /><BR /><BR />Zum Südtiroler Proporzsystem befragt, gaben 72 Prozent der deutschsprachigen, 73 Prozent der ladinischen und 53 Prozent der italienischsprachigen Bevölkerung an, dieser leiste einen wichtigen Beitrag zum friedlichen Miteinander. <BR /><BR />„Das ist eine gute Botschaft“, kommentierte dies gestern Landeshauptmann Arno Kompatscher. Das System bleibe ein unverzichtbarer Gerechtigkeitsmechanismus, „um Ausgleich und Stabilität zu sichern“. Zu denken gebe die Tatsache, dass sich die italienischsprachige Bevölkerung in zentralen Lebensbereichen wie Arbeit, Bildung und Kultur weiterhin benachteiligt fühle, auch das ein Ergebnis der Studie.