Die Finanzpolizei prüft derzeit Sprachzertifikate, die – im Unterschied zu jenen 40, die der Wachmann vermittelt haben soll – keine materiellen Fälschungen, sondern effektiv von verschiedenen Sprachschulen in Süditalien ausgestellt wurden. Trotzdem scheinen sie zumindest suspekt: Vorgesetzte mehrerer Personen, die ein Zertifikat aus einem dieser Institute besitzen, sollen sich bei den Ermittlern gemeldet haben. Sie hätten sich gewundert, dass ein Mitarbeiter kaum Deutsch spricht, dabei habe er doch den Zweisprachigkeitsnachweis. Deshalb nehmen die Fahnder jetzt sowohl die Zertifikate der betreffenden Personen als auch die Prüfungsmodalitäten der jeweiligen Sprachschulen unter die Lupe.<BR /><BR /> Geklärt werden soll, ob die Inhaber der Zertifikate dort effektiv eine Zweisprachigkeitsprüfung abgelegt bzw. sie auch bestanden haben, und falls ja, wie „leicht“ man es den Kandidaten möglicherweise gemacht haben könnte. Die Möglichkeit, über „Light-Tests“ mühelos zum Zertifikat und dann zum Zweisprachigkeitsnachweis zu kommen, könnte sich herumgesprochen haben und eifrig genutzt worden sein – wofür es scheinbar schon Verdachtsmomente gibt. Das würde erklären, weshalb man in Ermittlerkreisen von einem „bewährten System“ munkelt. <BR /><BR />Im Fall des Wachmanns, der nach wie vor unter Hausarrest steht, sickern indes Informationen über die Nutznießer durch. Neben 22 Mitarbeitern des Sanitätsbetriebes und zwei Bozner Ortspolizisten – einer wurde inzwischen entlassen – sollen u. a. Studierende, eine Lehrkraft, Mitarbeiter von Seniorenheimen und öffentliche Angestellte aus verschiedenen Bereichen sein. <BR /><BR />Strafrechtlich wurden indes die Verfahren gegen vier Ärztinnen bzw. Ärzte wegen Geringfügigkeit der Tat (Art. 131bis StGB) eingestellt. Die Entscheidung vor dem Rechnungshof gegen zwei von ihnen behängt hingegen noch. Wie berichtet, fordert die Staatsanwaltschaft am Rechnungshof von jenen beiden Ärztinnen, deren Fall schon vorigen Herbst bekannt wurde (wir berichteten), die Bruttogehälter von elf bzw. fünf Monaten zurück.