Samstag, 04. Juli 2015

St. Lorenzen: Das Verbot gegen Bettelei, das keines sein soll

Nach dem verschärften Verbot in Bozen macht eine weitere Südtiroler Ortschaft gegen Bettler mobil. Der Bürgermeister der wesentlich beschaulicheren Gemeinde St. Lorenzen hat ein Bettelverbot in die Wege geleitet. Als Zeichen gegen Bettelei will er das allerdings nicht verstanden wissen.

St. Lorenzen hat nun ein Bettelverbot. Bürgermeister Martin Ausserdorfer (kleines Bild) hat vor kurzem die entsprechende Verordnung auf den Weg gebracht.
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St. Lorenzen hat nun ein Bettelverbot. Bürgermeister Martin Ausserdorfer (kleines Bild) hat vor kurzem die entsprechende Verordnung auf den Weg gebracht. - Foto: © D

Das Bettelverbot in der knapp 4000-Bürger-Gemeinde wurde mit dieser Woche Realität: Martin Ausserdorfer hat eine entsprechende Verordnung unterzeichnet. Es seien die Ordnungskräfte selbst gewesen, die der Gemeinde zu diesem Schritt geraten haben. „Grundsätzlich kann jeder betteln, das ist auch kein Problem“, sagt Bürgermeister Ausserdorfer. „Nur werden manche Leute aufdringlich.“

Laut Bürgermeister Ausserdorfer hatte man bisher kein Instrument in der Hand, jene „aufdringlichen Bettler“ in die Schranken zu weisen. „Man konnte sie nicht anweisen, wegzugehen. Das war eine rechtliche Lücke. Mit dieser Verordnung ist das nun möglich.“

Dem Brunecker Verbot ähnlich

Die Lorenzner Verordnung sei jener sehr ähnlich, die 2008 für Bruneck erlassen worden war: Damit wurde das Betteln in einer Vielzahl von Straßen im Stadtzentrum, in der Schulzone, bei den Bahnhöfen usw. verboten. Ebenso verboten wurde das Betteln im Umkreis von 200 Metern von Kirchen und Friedhöfen, Krankenhaus, Banken, Haltestellen, Geschäften und Gaststätten sowie von Rettungs- und Sicherheitsdiensten. Bei Missachtung der Verordnung sollten Verwaltungsstrafen in Höhe von 25 bis 150 Euro verhängt werden. 

Für den „Schutz der Kultur“…

Ausserdorfer sieht die Maßnahme positiv. Zum einen spricht er von einem „Schutz für unsere Kultur“: „Wir haben Traditionen und Feierlichkeiten – viele Menschen besuchen den Gottesdienst. Wenn man vor und nach dem ‚Kirchen‘ angebettelt und teilweise auch belästigt wird, dann empfinde ich das als Beeinträchtigung“, sagt der Bürgermeister, der seit den Wahlen im Mai im Amt ist.

… gegen organisierte Banden

Zum anderen, habe man beobachtet, dass die Menschen, die in der Gemeinde bettelnd umherziehen, „gezielt hergebracht und wieder abgeholt werden“.

Was gegen Absprache und Koordination unter Bedürftigen spreche? Prinzipiell nichts, sagt Ausserdorfer, doch hier liege der Verdacht nahe, dass hinter den Menschen eine organisierte Bande stecke. „Ich habe selber mit den Menschen gesprochen: Die Betroffenen können das Geld nicht behalten. Es geht ihnen nicht gut. Sie sind nicht frei. Das Bettelverbot ist keine Willkür, es ist auch keine Aktion gegen Bettelei oder Armut. Es ist gegen organisierte Banden gerichtet. Mit dem Verbot ist den Betroffenen und uns geholfen.“

Vielmehr als den Bettler solle man karitativen Organisationen Geld zukommen lassen, meint Ausserdorfer.

stol

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