Sie verweist auf den außergewöhnlichen Reichtum an Mosaiken und Fresken. "Zahlreiche Räume waren mit Fußbodenheizung ausgestattet, die Wannen der Bäder mit Marmorplatten verkleidet", so Marzoli."Bisher wurden der Repräsentationstrakt und das Balneum, die Badeanlage, freigelegt. Unter den zahlreichen freigelegten Räumen sticht einer ganz besonders hervor: Dieser ist mit einem heute noch nahezu vollständig erhaltenen, bunten Fußbodenmosaik geschmückt. Im danebengelegenen Raum wurden ein schwarz-weißes und in einer Nische ein buntes Mosaik freigelegt. In den Freskofragmenten sind floreale Muster vorrangig. "Die Villa wurde im 4. Jahrhundert nach Christi erbaut, in einer Zeit, in der die schwierige Lage des römischen Imperiums einen allgemeinen Verfall der Hausbauweise bedingte", erklärt Marzoli. Sie verweist darauf, dass zur gleichen Zeit im gesamten römischen Imperium architektonisch anspruchsvolle Villen errichtet wurden. Der halbrunde Raumabschluss ist kennzeichnend für diese Bauten, die mit Thermenanlagen und zahlreichen Mosaiken und Fresken ausgestattet waren."Man kann von einer Monumentalisierung der Villen sprechen", so Marzoli, "vor einem besonderen historischen Kontext mit großen politischen und wirtschaftlichen Veränderungen."Der Landbesitz konzentrierte sich in Händen weniger, der steigende steuerlich-wirtschaftliche Druck zwang weite Teile der Bevölkerung, sich unter den Schutz eines örtlichen Herrn zu stellen, was in der Architektur Ausdruck fand. "Die gesteigerte Macht der 'possessores', der Grundeigentümer, bringt auf baulicher Ebene das Bedürfnis nach besonders qualitätvollen Empfangs- und Repräsentationsräumen mit sich, wie sie eben in St. Pauls freigelegt werden konnten", sagt die Chefarchäologin. Angesichts der außergewöhnlichen Bedeutung der Fundstelle hat die Landesregierung das Grundstück erworben, um die Villa zu musealisieren. "Es ist uns ein großes Anliegen, dieses besonders wertvolle Geschichtszeugnis zu erhalten und für seine Sichtbarkeit zu sorgen", betont Denkmalpflege-Landesrätin Sabina Kasslatter Mur.Die Entscheidungen wurden in Absprache mit der Gemeinde Eppan getroffen, die in Zukunft einen öffentlichen Zugang zur Fundstelle erlauben wird. Im Bild: Ein Ausschnitt aus einem freigelegten Mosaik in der Villa in St. Pauls. Foto: Seehauser