Freitag, 26. März 2021

Staatsanwaltschaft ermittelt wegen Impf-Vorreihungen

Die Staatsanwaltschaft in Aosta hat Ermittlungen um den regionalen Impfplan eingeleitet: Bestimmte Berufsgruppen sollen trotz Regeln des Impfplans bevorzugt worden sein.

In Italien werden derzeit Senioren über 70 Jahre, Gesundheits- und Lehrerpersonal sowie Sicherheitskräfte geimpft. Haben sich manche Berufsgruppen zu Unrecht vorgedrängt? Ermittlungen laufen.
In Italien werden derzeit Senioren über 70 Jahre, Gesundheits- und Lehrerpersonal sowie Sicherheitskräfte geimpft. Haben sich manche Berufsgruppen zu Unrecht vorgedrängt? Ermittlungen laufen. - Foto: © APA/getty / MARIO TAMA
Rechtsanwälte, Journalisten, Mitarbeiter von Politikern, ehrenamtliche Helfer des Zivilschutzes: Die Liste der Personen, die geimpft wurden, obwohl sie nicht zu den vom Impfplan bevorzugten Gruppen zählen, ist lang, beklagte die Tageszeitung „Corriere della Sera“. So laufen auch Justizermittlungen, um Verstöße gegen die Vorschriften des Impfplans festzustellen.

Für einen Eklat sorgte die Staatsanwaltschaft Aosta, die Ermittlungen um den Impfplan in der autonomen Region eingeleitet hat. Ankläger Francesco Pizzato will prüfen, ob der mit der Regierung vereinbarte Impfplan in der Region wirklich umgesetzt worden sei und ob Personen geimpft wurden, obwohl sie nicht zu den Gruppen gehören, die Vorrang haben.

„Impf-Drängler“ im Visier der Öffentlichkeit

Der Bürgermeister der als Mafia-Hochburg bekannten sizilianische Kleinstadt Corleone, Nicolo Nicolosi, musste vor einigen Tagen zurücktreten, nachdem die Carabinieri, die festgestellt hatten, dass er und einige seiner engsten Mitarbeiter Mitte Februar gegen das Coronavirus geimpft wurden, obwohl sie nicht das Recht dazu hatten.
Auch die Parlamentarier in Rom machen Druck, um geimpft zu werden. Maria Teresa Baldini, Deputierte der Forza Italia, fragte Parlamentspräsident Roberto Fico, warum Parlamentarier nicht geimpft würden. Mit der Immunisierung könnten Parlamentarier, die oft in der Öffentlichkeit auftreten, in Sicherheit arbeiten. Prompt kam die Reaktion von Fico, Spitzenpolitiker der Fünf-Sterne-Bewegung: „Die Impfungen erfolgen aufgrund eines Impfplans der Regierung, der Prioritäten setzt.“

In Italien werden derzeit Senioren über 70 Jahre, Gesundheits- und Lehrerpersonal sowie Sicherheitskräfte geimpft. Über 8,5 Millionen Menschen erhielten eine Impfdosis. Die Impfkampagne ist zuletzt wegen Engpässen bei der Lieferung der Vakzine verlangsamt vorangegangen. Premier Mario Draghi bemängelte, dass in einigen Regionen die Impfung von Senioren nur schleppend vorankommt.

Ins Visier Draghis ist unter anderem die Toskana geraten. Hier wurden bisher lediglich 23 Prozent der Senioren über 80 Jahre immunisiert. Lediglich 6,1 Prozent der Berechtigten haben bisher die zweite Dosis erhalten. Auch auf gesamtstaatlicher Ebene sind die Zahlen nicht ermutigend. Es wurden lediglich 38,9 Prozent der Menschen über 80 geimpft, europaweit sind es 54,4 Prozent.

apa/stol