Mit der Aussage des geschädigten Carabiniere hat gestern am Bozner Landesgericht das Strafverfahren gegen einen mutmaßlichen Staatsverweigerer begonnen. Dem Mann wird vorgeworfen, den Beamten verletzt zu haben, weiters muss er sich – wie seine Partnerin auch – wegen Widerstand verantworten. <BR /><BR /><BR />Vor Einzelrichter Federico Secchi bestätigte der Carabiniere gestern seine Schilderung der Ereignisse vom Oktober 2022. Angehört wurde auch ein Kollege des Beamten, der damals zugegen war. Ein Video, das die Tochter der beiden Angeklagten mit dem Handy aufgenommen hatte, wurde als Beweismittel zu den Akten genommen. <BR /><BR />Was war passiert? Die Carabinieri sollten in Schluderns das Fahrzeug der Angeklagten beschlagnahmen, das gerichtlich gepfändet worden war. Als die Beamten das Paar darüber in Kenntnis setzten, soll der Mann einen von einer Staatsverweigerer-Gruppe ausgestellten Ausweis vorgezeigt und behauptet haben, nicht derjenige zu sein, den die Pfändung betraf. Die Beamten hielten Rückfrage bei der Staatsanwaltschaft, man habe ihnen beschieden, mit der Amtshandlung auch gegen den Willen des Fahrzeugeigentümers fortzufahren. <BR /><BR />Daraufhin soll der Mann auf einen der Carabinieri losgegangen sein. Als ein anderer Beamter dem Kollegen zu Hilfe eilte, soll der mutmaßliche Staatsverweigerer so heftigen Widerstand geleistet haben, dass er selbst und ein Carabiniere zu Boden stürzten. Dabei verletzte sich der Beamte an der Schulter, die Heilungsdauer seiner Verletzung betrug mehr als 20 Tage. <BR /><BR />In der Folge wurde das Paar wegen Widerstand angezeigt, der mutmaßliche Staatsverweigerer auch wegen Körperverletzung. Ermittelt wurde von Amts wegen, da sich der angelastete Übergriff gegen einen Ordnungshüter gerichtet hatte – was ein Erschwernisgrund ist. <BR /><BR />Beide Angeklagten waren beim gestrigen Verhandlungsauftakt anwesend. Sie sollen nach den noch verbleibenden zwei Zeugen der Anklage, die am 26. Februar angehört werden, ebenfalls aussagen. Die Verteidigung hat fünf Zeugen benannt, die die Beschuldigten entlasten sollen, zusammen mit dem von deren Tochter gedrehten Video. Bekannt geworden war der Fall übrigens italienweit nach einem Beitrag der TV-Sendung „Le Iene“ über Staatsverweigerer – Personen, die den Staat nicht anerkennen, das Entrichten von Steuern verweigern und mitunter auch selbst ihre „Personalausweise“ anfertigen.