Die Staatsanwaltschaft spricht von einem Vorgehen, das mit den Pflichten von Polizeibeamten unvereinbar sei. Die fünf Verdächtigen wurden auf Anordnung der Mailänder Staatsanwaltschaft festgenommen. Gegen sie wird unter anderem wegen Veruntreuung, Urkundenfälschung und rechtswidriger Festnahmen ermittelt. Die Gruppe soll von einer Polizeikommissarin angeführt worden sein. Mailands Stadtpolizeichef Gianluca Mirabelli erklärte, für ein solches Verhalten gebe es „keinerlei Rechtfertigung“.<BR /><BR />Ins Rollen kamen die Ermittlungen nach der Anzeige eines mutmaßlichen Drogendealers, der am 16. Juli festgenommen worden war. Innerhalb von nur zwei Wochen rekonstruierten Ermittler der Mailänder Staatsanwaltschaft und der internen Ermittlungsabteilung den Ablauf des Einsatzes. Nach Auffassung des Ermittlungsrichters erfolgte Festnahme „unter Missachtung grundlegender Regeln der Berufsethik“ und ohne die gesetzlich erforderlichen Voraussetzungen. <h3> Manipuliertes Protokolle bei unbefugtem Zugriffe</h3>Die Beamten sollen eine ihnen bekannte ägyptische Frau als Lockvogel eingesetzt haben. Sie sollte einen Drogenhändler zum Verkauf von rund einem halben Kilogramm Haschisch bewegen. Der Deal fand jedoch in Corsico statt - außerhalb des Zuständigkeitsbereichs der Mailänder Stadtpolizei. Anstatt die örtlich zuständigen Kollegen einzuschalten, soll die Gruppe den Einsatz mit zivilen Fahrzeugen selbst durchgeführt haben. Eines der Fahrzeuge wurde nach Angaben der Ermittler sogar von der Lockfrau gesteuert, obwohl sie nicht der Polizei angehörte.<BR /><BR />Anschließend sollen die Beamten den Einsatz durch manipulierte Protokolle legitimiert haben. Darin war von einer Sicherstellung der Drogen im Fahrzeug des Verdächtigen, einer Flucht und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte die Rede. Nach Auffassung der Ermittler entsprach diese Darstellung jedoch nicht den tatsächlichen Ereignissen. Gegen die Kommissarin wird deshalb zusätzlich wegen Verleumdung ermittelt. Außerdem sollen 1.450 Euro Bargeld verschwunden sein.<h3> Möglicherweise kein Einzelfall</h3>Laut Ermittlungsrichter handelt es sich möglicherweise nicht um einen Einzelfall. Die Justiz prüft mindestens zwei weitere ähnlich gelagerte Einsätze. Wegen der Gefahr weiterer Straftaten und einer möglichen Beeinflussung von Beweisen ordnete das Gericht Untersuchungshaft an. Die fünf Beschuldigten sollen am Samstag erstmals von einem Ermittlungsrichter vernommen werden.<BR /><BR />Polizeichef Mirabelli betonte, die schnelle Aufklärung des Falls zeige, dass die Stadtpolizei entschlossen gegen eigenes Fehlverhalten vorgehe. Die Ermittlungen führten Kollegen der Beschuldigten.