In Genua gingen am Mittwoch Ilva-Mitarbeiter auf die Straße, um gegen die Schließung zu protestieren. Dabei kam es zu chaotischen Zuständen in der Innenstadt, berichteten italienische Medien.Eine Delegation von Ilva-Mitarbeitern reiste nach Rom, um vor dem Regierungssitz zu protestieren, in dem am Donnerstag ein Treffen zwischen Regierung Monti, Ilva-Management und Gewerkschaften geplant ist.Mitarbeiter des geschlossenen Stahlwerks drangen in Taranto in das Hauptquartier ein und belagerten die Büros. Sie protestierten damit gegen die Schließung ihrer Fabrik, die seit Monaten wegen gesundheitsschädlicher Emissionen im Visier der Justizbehörden steht.Werk soll aus Protest geschlossen werdenZu einer dramatischen Wende kam es am Montag, nachdem die Staatsanwaltschaft von Taranto mehrere Haftbefehle gegen Ilva-Manager erlassen hatte.Aus Protest gegen den Hausarrest für Ilva-Vizepräsident Fabio Riva und die Ermittlungen gegen den Direktor des Ilva-Werks in Taranto Adolfo Buffo, beschloss der Konzern, das Stahlwerk in Taranto zu schließen.Schon im Juli hatte ein Gericht große Teile der Produktionsanlagen – Kohle- und Erzhalden, mehrere Hochöfen und die Kokerei – beschlagnahmt.Ilva habe die Menschen in der Stadt systematisch mit zu viel Dioxin, Feinstaub, Kohlenmonoxid und weiteren Schadstoffen vergiftet und die Krebsrate rasant hochgetrieben, lautet der durch zahlreiche Gutachten untermauerte Vorwurf der Staatsanwaltschaft.Arbeiter können nicht zur Arbeit: Tausende Jobs stehen auf dem SpielAm Dienstag kündigten die Ermittler an, dass sie in Zusammenhang mit dem Ilva-Konzern Ermittlungen gegen weitere fünf Personen aufgenommen haben, darunter gegen den Bürgermeister von Taranto, Ippazio Stefano.Arbeitnehmer, die den Dienst antreten wollten, konnten nicht in das Werk. Daraufhin brachen heftige Proteste aus, die sich bald auch auf andere Städte ausdehnten.„Die Lage ist für die öffentliche Sicherheit besorgniserregend, weil in Taranto Tausende Jobs bei Ilva und in der Zulieferindustrie auf dem Spiel stehen“, warnte Italiens Innenministerin Annamaria Cancellieri.Regierung Monti soll helfenUmweltminister Corrado Clini versprach den Einsatz der Regierung Monti, um eine Lösung zu finden. Die Regierung hatte bereits per Dekret über 300 Mio. Euro für die Sanierung des von Ilva verseuchten Geländes zur Verfügung gestellt.Der Ilva-Konzern zählt zu den zehn stärksten Stahlgruppen der Welt. Das 1905 gegründete Unternehmen betreibt in Italien und im Ausland 36 Produktionsstätten und beschäftigt 21.711 Personen. 2011 meldete das Unternehmen der Familie Riva einen Umsatz von 10 Mrd. Euro.apa