Freitag, 16. September 2016

Stahlwerke verlieren radioaktiven Stabstrahler - Keine unmittelbare Gefahr

Wie erst jetzt bekannt wurde, haben haben die Bozner Stahlwerke Valbruna bereits am Montagabend der Berufsfeuerwehr Bozen, der Landesagentur für Umwelt, der Sanitätsbehörde und dem Regierungskommissariat einen außergewöhnlichen Verlust mitgeteilt: Im Zuge von Renovierungsarbeiten sei ein radioaktiv betriebener Stabstrahler verloren gegangen.

Die Bozner Stahlwerke haben eine radioaktive Sonde verloren.
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Die Bozner Stahlwerke haben eine radioaktive Sonde verloren.

Der radioaktiv betriebene Stabstrahler, einer von vieren, war im Zuge der Instandsetzungsarbeiten verloren gegangen, die in der vergangenen Woche in den Stahlwerken durchgeführt worden sind, teilte das Unternehmen mit.

Stabstrahler messen Füllungsgrad des Hochofens

Mit Hilfe dieser Stabstrahler – man kann auch von Sonden sprechen – wird, während des Produktionsprozesses, der Füllungsgrad des Hochofens laufend gemessen und kontrolliert. Das Heikle an der Sache, die Stabstrahler werden radioaktiv betrieben.

Als radioaktives Material in diesen Strahlern dient das Isotop Kobalt 60. Kobalt kommt als Spurenelement in vielen Böden vor, ist aber insgesamt ein sehr seltenes chemisches Element.

Der radioaktive Draht der Sonde weist einen Durchmesser von circa 1 Zentimeter auf und ist an die 20 bis 30 Zentimeter lang. Er befindet sich in einem Bleicontainer, dessen Durchmesser 10 Zentimeter beträgt und der 40 Zentimeter lang ist. Nach Schätzungen des Unternehmens geht von der Sonde eine Restbelastung von 15 MBq (MegaBecquerel) aus - eine Einheit zur Messung radioaktiver Substanzen - laut Landespresseamt kein allzu hoher Wert.

Risiko nicht unterschätzen

Dennoch bestehe, so die Landesagentur für Umwelt, bei unsachgemäßem Umgang mit dem Gerät und in unmittelbarer Nähe ein Risiko, das nicht unterschätzt werden dürfe. Das unterstrich der Direktor der Landesagentur, Flavio Ruffini, auch gegenüber STOL. Er betonte jedoch auch, dass keine radioaktiven Substanzen in die Luft gelangen könnten - dennoch: "Man sollte die Sonde nicht berühren oder gar darauf schlafen", so Ruffini.

Bisher haben die Messungen im Land keine erhöhten oder außergewöhnlichen Strahlenbelastungen festgestellt, bestätigte am Freitag das Landeslabor für physikalische Chemie der Landespresseagentur. Auch erste Analysen der Einsatzgruppe für nuklearen, biologischen und chemischen Schutz des Landes ergaben, dass keine unmittelbare Gefahr für Menschen und Umwelt besteht.

Stahlproduktion eingestellt

Das Unternehmen hatte auf Anweisung des internen Strahlenschutzsachverständigen die Stahlproduktion umgehend eingestellt.

Die in den Stahlwerken befindlichen großen Metallmengen, die bei der Stahlproduktion benötigt werden, müssen nun allesamt durch einen Detektor auf radioaktive Strahlung gemessen werden.

Auch der gesamte im Hochofen in den Tagen nach der Renovierung produzierte Stahl wurde bereits einer genauen Kontrolle unterzogen, da die Möglichkeit bestand, dass der Strahler mit den abgebauten Stahlteilen zu neuem Stahl verschmolzen worden sein könnte.

Diese Möglichkeit wurde durch die durchgeführten hochsensiblen Messungen ausgeschlossen, schreibt die Landespresseagentur.

Die Landesagentur für Umwelt und die Landesagentur für Bevölkerungsschutz stehen mit dem Unternehmen in Kontakt. 

stol/lpa

stol