Montag, 05. Oktober 2020

Start der Impf-Saison holprig

Heute startet die Impfsaison, aber mit Hoppalas. „Bis zum gestrigen Sonntag war ich noch ohne Impfstoff. Und so lange ich keinen Impfstoff in der Praxis habe, vergebe ich keine Termine. Sofern ich am Montag den Impfstoff bekomme, kann ich frühestens am Dienstag mit dem Impfen beginnen“, sagt der Lananer Amts- und Hausarzt Dr. Domenico Bossio. Dabei sei heuer laut Dr. Bossio „die Nachfrage, sich impfen zu lassen, viel höher als in anderen Jahren“.

Der Start der Grippe-Impfung hält einige Schwierigkeiten bereit.
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Der Start der Grippe-Impfung hält einige Schwierigkeiten bereit. - Foto: © dpa-tmn / Robert Günther
Das bestätigt auch Dr. Eugen Sleiter, Amts- und Hausarzt in Dorf Tirol. „Die Patienten fragen viel mehr nach der Grippeimpfung als in den Jahren zuvor“, sagt Dr. Sleiter. Im Gegensatz zu seinem Lananer Kollegen hat er bereits 100 der 350 bestellten Impfdosen erhalten. „Aber wir bekommen sie tröpfchenweise. Um meine 350 Impfdosen zu bekommen, muss ich 4 Mal in die Spitalsapotheke nach Meran fahren, um sie mir zu holen. Gerade heuer wäre es eine schöne Geste und ein Akt der Wertschätzung gewesen, wenn man die Hausärzte direkt beliefern würde“, sagt Dr. Sleiter.

Dabei liegt von der Südtiroler Apothekervereinigung Federfarma bereits ein Vorschlag für den Sanitätsbetrieb genau in dieser Sache vor. „Wie in anderen Regionen auch haben wir dem Sanitätsbetrieb vorgeschlagen, dass wir die Impfstoffe für die Hausärzte lagern. Zumal nicht alle einen Kühlschrank mit kontrollierter Temperatur haben. Damit wären die Impfstoffe vor Ort. Die Hausärzte wären dafür und wir auch, aber noch ist unser Vorschlag ein Vorschlag und noch nicht fix“, sagt Matteo Bonvicini, Vorsitzender des Verbandes der Apothekeninhaber.

Aber es gibt noch ein Problem. Die Apotheken im Land sind heuer bis jetzt ohne Impfdosen geblieben. „Es wurde der Kreis der Risikogruppen erweitert. Demnach können sich heuer neben Gesundheits- und Altersheimpersonal, Sicherheitskräften, Risikopatienten wie chronisch Kranke alle ab 60 Jahre und alle Kinder bis 6 Jahre gegen Grippe impfen lassen. Und die Sanitätsbetriebe haben italienweit alle Impfdosen aufgekauft. Laut letzten Informationen versucht man nun im Ausland, noch Grippe-Impfdosen aufzukaufen“, sagt der Meraner Apotheker Luca Collareta.

„Ja, alle Apotheken Südtirols sind heuer erstmals ohne Impfstoff geblieben. Die Bürger fragen jeden Tag mehrmals nach, aber wir haben überhaupt keine Informationen – weder vom Sanitätsbetrieb noch vom Assessorat oder vom Gesundheitsministerium“, sagt Matteo Bonvicini.

Dass sich also Nicht-Risiko-Patienten gegen Grippe impfen lassen können, „ist ein großes Problem, weil es in den Apotheken keinen Impfstoff zu kaufen gibt“, sagt Dr. Sleiter. „Wo sollen die Impfwilligen den Impfstoff herkriegen?“, meint auch Dr. Bossio. Sowohl Dr. Sleiter als auch Matteo Bonvicini raten dazu, sich an die Landesvormerkstelle zu wenden. Einige hätten so einen Termin bekommen, so Bonvicini.

lu