Wie das Vogelzwitschern am Morgen unterbricht das Tippen auf der Tastatur die Stille im Raum. Konzentriert schaut Manuel Scotellaro (35) in die Bildschirme. Insgesamt 4 stehen an seinem Arbeitsplatz. Seine Finger gleiten über die Tasten. Eine E-Mail der Brennerautobahn hat ihn gerade über einen Stau in Bozen informiert. Routiniert trägt Scotellaro die Neuigkeit in die Felder des Programms am ersten Bildschirm ein, der Stau zieht sich auf der Brennerautobahn von Bozen Süd bis Bozen Nord. Er überprüft die Information nochmals auf der offiziellen Seite der Autobahn. 2, 3 Klicks später und schon steht die Meldung auf der Webseite der Verkehrsmeldezentrale. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1041486_image" /></div> <BR />Hier, in diesem Büro in der Drususallee, werden Zivilschutzmeldungen vorbereitet und über Radio und Fernsehen verbreitet, hier werden Fahrplanauskünfte zu den öffentlichen Verkehrsmitteln gegeben, hier werden Verkehrsinformationen gesammelt. „Wir erhalten sie von unseren Staureportern, aus der Bevölkerung, von Polizeiorgangen oder der Notrufzentrale“, erzählt der Koordinator der Verkehrsmeldezentrale, Markus Rauch. Die Infos würden dann ins System eingegeben werden, im Internet veröffentlicht, sowie als Meldung fürs Radio produziert werden. „Die Audiodatei erhalten 17 Radiosender. Sie entscheiden dann autonom, wann, ob und wie sie die Meldung bringen.“ Pro Tag entstehen durchschnittlich 12 bis 14 solcher Verkehrsmeldungen.<h3> Bei Zivilschutzmeldungen kommt die Unterbrechung </h3>Das Studio ist ein kleiner Raum im Büro. Manuel Scotellaros Kollegin Sylke Andres steht dort am Mikrofon. „Eine aktuelle Meldung aaa“ verhaspelt sie sich. „Das ist das Gute, man kann die Aufnahme immer wieder neu machen“, sagt sie und lacht. Beim zweiten Anlauf klappt's dann auf Anhieb. Andres informiert die Hörer über die Baustelle auf der Brennerautobahn in Bozen. Die Aufnahme wird gleich an die Radiosender weitergeschickt, dann wird das gleiche nochmal auf Italienisch wiederholt. „Nur bei Zivilschutzmeldungen kann ich Radiosendungen unterbrechen“, erklärt sie. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1041489_image" /></div> Seit dem Jahr 2000 arbeitet Andres in der Verkehrsmeldezentrale, Scotellaro seit 2008. „Verkehrsberichte sind mein täglich Brot“, sagt er. In all den Jahren hat er viel erlebt, „Standardtage“ kenne er nicht. Mit Kamerasystemen könne man inzwischen auf viele Tunnels im Land zugreifen, das habe es vor 16 Jahren noch nicht gegeben. Meistens sei am Vormittag mehr los. „Besonders in Erinnerung geblieben ist mir das Alpini-Treffen im Jahr 2012. Die ganze Stadt war für den Verkehr gesperrt worden. Es gab keine Autos mehr, nur noch Alpini-Soldaten“, erzählt er. Die Verkehrsmeldezentrale ist bei solchen Großereignissen immer organisatorisch involviert, in Sitzungen werden die Rahmenbedingungen für solche Events geschaffen. <h3> Wo sich sogar Urlauber beraten lassen </h3>An diesem Vormittag ist es recht ruhig in der Verkehrsmeldezentrale. „Das kann sich von einem Moment auf den anderen ändern“, weiß Scotellaro. Es komme ganz auf die Verkehrssituation an. Die Hauptaufgabe der Verkehrsredakteure ist, telefonisch Auskunft zu geben. Wenn auf den Straßen viel los sei, könne es Momente geben, in denen nicht alle Anrufe sofort entgegengenommen werden können. Dann heißt es warten oder später nochmal probieren. „Wir tun, was wir können. Mehr geht nicht.“<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1041492_image" /></div> <BR />Von Pendlern bis zu Urlaubern, sie alle wollen informiert werden. Oft lassen sie sich von den Mitarbeitern der Verkehrsmeldezentrale beraten. „Bei Feiertagen wie Pfingsten rufen Leute an und lassen sich von mir eine Empfehlung geben“, berichtet Scotellaro. An solchen Tagen würde er jedem raten, die Hauptverkehrszeiten zu meiden.<h3> Wenn Hunderte von Anrufe eintrudeln</h3>12 Stunden dauert seine Schicht. Aber nicht nur für den privaten Verkehr auf 2 oder 4 Rädern ist die Verkehrsmeldezentrale zuständig. Sie hält auch Südtirols Öffi-Fahrer auf dem Laufenden. Das zeigt sich auch beim Lokalaugenschein: Andres dreht sich zu ihrem Kollegen um. „Der Zugstreik in 3 Tagen ist widerrufen worden“, teilt sie mit. „Zum Glück“, erwidert Scotellaro, denn in letzter Zeit habe es beinahe wöchentlich einen Streik gegeben. „Wir bekommen dann teilweise Hunderte von Anrufe.“ Dabei würde die Verkehrsmeldezentrale gar keine Echtzeitinformationen ausgeben. „Wir halten uns strikt an die Streikmitteilung.“ Wenn also jemand um 10 Uhr vormittags anrufe, weil sein Zug nicht komme, könne man ihm z.B. nur darauf hinweisen, dass der Mindestdienst ab 18 Uhr garantiert sei. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1041495_image" /></div> <BR />Ein Klingeln zerreißt die Ruhe im Raum. Mit den Worten „Verkehrsmeldezentrale Info Mobilità“ nimmt Scotellaro den Anruf entgegen. „Stimmt das, dass das Sellajoch in den nächsten Tagen gesperrt ist?“, will die Frau am anderen Ende der Leitung wissen. Die Augen von Scotellaro bewegen sich über die Bildschirme wie ein Boomerang. Mit der Maus scrollt er über die Internetseite der Verkehrsmeldezentrale. <h3> Zwischen Kundin und Straßendienst-Arbeiter </h3>Eine Meldung weist bereits auf eine örtliche Umleitung hin, aber Scotellaro will auf Nummer sicher gehen. „Ich frage nochmal beim Straßendienst nach“, erklärt er. „Bleiben sie einen Moment in der Linie.“ Im Computer sucht er die Nummer des Grödner Straßendienstes, telefoniert gleich darauf mit dem Vorarbeiter. Dann hängt er auf, kehrt zurück zur Anruferin und informiert sie. Schlussendlich wendet er sich an seine Kollegin Andres: „Das Sellajoch ist morgen komplett gesperrt, das müssen wir aktualisieren.“ So tauschen sich die Kollegen miteinander aus, halten sich auf dem Laufenden. Doch damit ist die Arbeit noch nicht getan. Von den 2 Telefonaten müssen noch Protokolle angefertigt werden. So lautet die Vorschrift. Und wie geht's überhaupt die nächsten Tage weiter? „Der Vorarbeiter hat gesagt, kann sein, dass es auf Trienter Seite des Sellajoches Sperren gibt“, erklärt Scotellaro Andres. „Da werde ich nachfragen“, sagt's und scrollt schon wieder durch den Computer, auf der Suche nach der nächsten Nummer. Die Kunden immer up to date zu halten, das ist Teil des Jobs.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1041498_image" /></div> <h3> <b><BR />7 Fragen an den Koordinator der Verkehrsmeldezentrale, Markus Rauch:</b></h3><b>Zu Beginn des Jahres hat die Meldung für Aufsehen gesorgt, dass die Verkehrsmeldezentrale sonntags keinen Dienst mehr anbieten kann...</b><BR />Markus Rauch: Seit dem 21. April können wir den Dienst wieder an 7 Tagen die Woche gewährleisten. Wir hatten einen Personalengpass: Von 7 Mitarbeitern sind am Ende des Vorjahres nur noch 4 übrig geblieben – aufgrund von Kündigungen und Mutterschaft. Mit dieser Besetzung konnte der Sonntagsdienst nicht aufrechterhalten werden. <BR /><BR /><embed id="dtext86-65220509_quote" /><BR /><BR /><b>Warum der Sonntag?</b><BR />Rauch: Am Sonntag gibt's weniger Telefonate und keinen starken Berufsverkehr. Neben Verkehrsmeldungen geben wir Auskünfte über die öffentlichen Verkehrsmittel. Die Menschen, die uns kontaktieren, sind oft Autofahrer und Schüler, die mit Bus und Zug unterwegs sind. <BR /><BR /><b>Die Verkehrsmeldezentrale ist aber nicht 24 Stunden besetzt?</b><BR />Rauch: Nein, in den Nachtstunden sind wir nicht erreichbar. Ausgenommen sind Extremsituationen, wie z.B. starker Schneefall. Auch beim Sturm Vaia waren wir mehrere Tage lang rund um die Uhr im Einsatz. <BR /><BR /><embed id="dtext86-65220753_quote" /><BR /><BR /><b>Welche Voraussetzungen muss man haben, um in der Verkehrsmeldezentrale anzuheuern?</b><BR />Rauch: Man muss die 3-jährige Oberschule im kaufmännischen Sektor absolviert haben oder eine 3-jährige allgemeinbildende Oberschule und den Computerführerschein. Außerdem braucht man den Zweisprachigkeitsnachweis A2. <BR /><BR /><b>Wird bereits KI (Künstliche Intelligenz, Anm.d.Red.) eingesetzt?</b><BR />Rauch: Noch nicht, auch wenn dazu schon erste Überlegungen stattfinden. Wir möchten mithilfe der KI Audiodateien am Computer produzieren. Das würde uns unabhängiger machen. Derzeit machen wir die Aufnahmen noch im Studio.<BR /><BR /><embed id="dtext86-65220757_quote" /><BR /><BR /><b>Mit ihrem Dienst wird die Sicherheit auf Südtirols Straßen erhöht...</b><BR />Rauch: Mit unseren Radarmeldungen weisen wir die Autofahrer darauf hin, nach Vorschrift und sicherer zu fahren. Behinderungen auf der Straße, etwa Steine oder einer verlorenen Lkw-Lieferung, geben wir im Radio bekannt. Wir produzieren stündlich eine Radiomeldung, bei wichtigen Ereignissen erstellen wir sie bis zu 4 Mal pro Stunde.<BR /><BR /><b>Was wünschen Sie sich für die Zukunft?</b><BR />Rauch: Dass wir mit dem Mitarbeiterstand konstant bleiben, um den Dienst weiterhin garantieren zu können. Ich glaube, dass wir auch in 10 Jahren noch existieren werden, sei es durch die Zivilschutzmeldung ebenso wie als Verkehrsinfo. Digitale Medien und KI werden uns nicht ersetzen können. Bei Google Maps z.B. sieht man heute schon einen Stau, man kennt den Grund allerdings nicht, ebenso wie die Dauer der Behinderung.