„Guten Morgen, wollen Sie probieren“, ruft Richard Prinoth hinter Speckhammen, Wurstketten und Käselaiben in die Menge und schneidet gleichzeitig Speck auf. Sogleich greifen einige Hände zu. „18 Monate gereift“, erklärt Prinoth, der aus Kastelruth kommt und für die Metzgerei Silbernagl aus seinem Ort „seit gewiss 10 Jahren“ auf dem Stegener Markt steht. Einheimische und Gäste schauen bei ihm vorbei und nehmen sich meistens auch etwas mit nach Hause. „Ich bin zufrieden“, sagt er auf die Frage, ob das Geschäft gut laufe. <BR /><BR />Auch ein paar Stände weiter ist am Sonntag Vormittag einiges los. Hier verkaufen Luca Serena und seine Frau Ketty aus Steinmannwald Socken und Strumpfhosen. Seit 1992 kommen sie zum größten Markt Tirols ins Pustertal – „weil es ein schöner Markt ist und so traditionell“, sagt Serena. Und freilich auch, weil die Kasse klingelt. „Wir können uns nicht beklagen“, sagt der Händler und lacht. Während die Kauffreude auf Wochenmärkten etwas nachgelassen habe, sei dies beim Stegener Markt nicht der Fall. Natürlich sei gut, dass der Markt diesmal auf ein Wochenende falle. Der Markt hat mit dem „Österreichertag“ am Samstag begonnen und geht am heutigen Montag zu Ende. 15.000 bis 20.000 Besucher werden dann an den Ständen der über 300 Wanderhändler vorbeigezogen sein.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1089900_image" /></div> <BR /><BR />Verköstigt werden sie an 12 Gastronomieständen, von denen einen die Freiwillige Feuerwehr Stegen betreibt und Gulaschsuppe, Bratwurst, Wiener Schnitzel, Kirchtagskrapfen und Strauben anbietet. „Das ist unsere einzige Einnahmequelle, und das Geschäft läuft wirklich gut“, sagt Manfred Unterpertinger, der Kommandant der Wehr. Das sei den Besuchern zu verdanken, aber auch den vielen Helfern, ohne die so etwas nicht gehen würde. <BR /><BR />„Wir sind 34 Mitglieder und jeder hilft an eineinhalb Tagen in der Schankhütte mit“, erzählt Unterpertinger. Dazu kommen noch viele Frauen und Bekannte der Wehrmänner. Bewährt habe sich auch die Schankhütte anstelle des Festzeltes, das hohe Fixkosten hatte. „Wir sind heuer zum dritten Mal mit der Schankhütte am Markt, und zum dritten Mal haben wir Glück mit dem Wetter“, freut sich der Kommandant, schnappt sich ein Tablett und macht sich an die Arbeit.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1089903_image" /></div> <BR /><BR />Auch Stefan Egger, Feuerwehrmann seit 38 Jahren, hilft immer mit. Normalerweise arbeitet er im Abfallwirtschaftszentrum in Bruneck, und auch auf dem Stegener Markt ist er für den Müll zuständig. „Ich bin an allen 3 Tagen hier und mache jeweils eine Schicht von 10 bis 15 Uhr“, erzählt er, während er Glasflaschen sortiert und den Restmüllkübel füllt. Die Einnahmen seien wichtig für die Feuerwehr und fließen in die Ausrüstung, ab und an auch in einen gemeinsamen Ausflug. „Wir haben einmal den Flughafen in München besichtigt und durften da nah ran an die Maschinen, das war schon toll“, erzählt Egger. <BR /><BR />Am Markt nicht fehlen darf Anton Mair unter der Eggen, weitum als „Keschtn Toni“ bekannt. „Der Stegener Markt gehört einfach dazu“, sagt er und erzählt von seinem Vater, der einer der ältesten Standbetreiber auf dem Markt war und von dem er den Handziehkarren übernommen hat, in dem seit mittlerweile 102 Jahren Kastanien gebraten werden.<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1089906_image" /></div> <BR /><BR /> Auch diesmal steht „Jack Sparrow“ hinter dem Wagen, ein Brasilianer namens Dico Delnildo Alexandre Lopes Da Silva, der seit 18 Jahren eigens für den Stegener Markt einreist. Zweifelsohne eine Attraktion auf dem Stand, der mittlerweile neben Kastanien auch Obst, Brot und einen Gastro-Bereich umfasst. „Standbetreiber neben mir haben aufgegeben, und ich habe den Platz übernommen und biete hier lokale Produkte an“, sagt der „Keschtn Toni“. Das Geschäft laufe gut, auch wenn heuer weniger Gedränge vor seinen Ständen herrsche, „der brutale Druck, den es sonst oft gab, ist heuer bisher ausgeblieben“, sagt Mair unter der Eggen und schaufelt für einen Kunden Kastanien in eine Tasche.