Südtirol Online: Wie haben Sie die Nachricht von der Sperre von Südtirols, ja Italiens beliebtester Eiskunstläuferin aufgenommen? Ewald Moroder, Bürgermeister von St. Ulrich: Es ist schlimm und mir tut es sehr leid. Carolina Kostner verdient sich das absolut nicht. Sie hat von klein auf nach bestimmten Werten gelebt. Sie ist sportlich und ehrlich, ist im sozialen und humanitären Bereich engagiert. Da wird ein Riesenfehler gemacht. Genau sie war eine der sauberen Sportler und wird nun so behandelt.STOL: Wird an Carolina Kostner im Sinne des neuen „Anti-Doping-Gesetzes“ ein Exempel statuiert?Moroder: Das kann sein. Sie sollen das Gesetz auch anwenden, aber in Rom damit beginnen. Ich hoffe, dass Carolina weitergeht und beim Internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne Einspruch einlegt, was sie ja tun will. Das Urteil, das gestern (Freitag) herausgekommen ist, ist sicher falsch und nicht förderlich für den Sport.STOL: Wie ist die Stimmung in Gröden nach der Bekanntgabe des Urteils?Moroder: Die Bevölkerung von St. Ulrich steht 1000-prozentig hinter Carolina Kostner, nicht nur wenn sie Olympiamedaillen heimbringt, sondern in diesem Moment umso mehr. Das gilt für mich an erster Stelle, aber ich glaube in der Sache für die gesamte Bevölkerung sprechen zu können. Auch in den sozialen Netzwerken sieht man die Unterstützung in aller Deutlichkeit.STOL: Man steht also hinter ihr im Guten, wie im Schlechten?Moroder: Ganz genau.STOL: Welchen Stellenwert nimmt Kostner in ihrer Grödner Heimat ein?Moroder: Ich habe ein Beispiel: Zu Silvester lade ich immer die Vereine ein und jedes Mal auch einen VIP. Heuer war es Carolina Kostner. Das spricht für ihren Stellenwert.Bei der Generalversammlung der Feuerwehr am Freitagabend habe ich dann darüber berichtet und gesagt, dass wir hinter Carolina stehen. Während der Rede haben die Feuerwehrleute applaudiert. Nur so viel zur Unterstützung und Solidarität. Diese ist jetzt noch größer, als wenn sie Siege heimfährt.STOL: Ist es generell das Urteil oder die Höhe dessen (16 Monate Sperre), was Sie beanstanden?Moroder: Ich habe immer gesagt, Carolinas Vergehen war, dass sie eine Person geliebt hat, oder noch liebt, das weiß ich nicht. Doch das kann kein Verbrechen sein.STOL: Was bedeutet das Urteil für Carolinas Ruf?Moroder: Ich denke, unter den Normalbürgern und auch jenen im sportlichen Bereich hat Carolina die übergroße Mehrheit hinter sich. Es tut mir leid, denn sie hat so viel für Italien geleistet und wir nun so behandelt. Italien hat es einmal mehr geschafft, eine schlechte Figur abzugeben. ker