Im Jänner 1933 übernahmen die Nationalsozialisten in Deutschland die Macht – Adolf Hitler wurde zum Reichskanzler ernannt. Damit endete die parlamentarische Demokratie.<BR /><BR />Dieser Eindruck, sich wieder im Jahr 1933 zu befinden, betreffe nicht nur Europa, „sondern auch die USA, Kanada und Australien. Warum wird dort eine Synagoge angezündet? Warum fürchten sich französische Juden, ihre Kinder in die öffentliche Schule zu schicken? Es ist das Erbe des Bösen von damals, das wir heute erleben“, betonte Federico Steinhaus vor Schulklassen des Oberschulzentrums Gandhi und Maturanten der Landeshotelfachschule Kaiserhof. Er, Steinhaus, habe das Gefühl, dass die vergangenen 80 Jahre nichts gebracht hätten. Er setze auf die Jugend. „Es liegt an euch, die Welt zu verändern, nicht mehr an uns“, appellierte Steinhaus.<BR /><BR />Bedrückende Stille auch, als Oberschüler der 3SAB und der 4LC des Gandhi-Schulzentrums sowie der Klasse 5B der Hotelfachschule Kaiserhof – begleitet von den Lehrpersonen Maria Romeo, Tommy Milanello und Claudio Calabrese – die Namen jener Meraner Schüler jüdischer Religion verlasen, die wegen der italienischen Rassengesetze Ende der 1930-er Jahre das Klassische Lyzeum „Carducci“ in Meran verlassen mussten.<BR /><BR />„Es ist unabdingbar, dass wir täglich für Toleranz, Freiheit und Demokratie eintreten, jeder für sich und für andere“, meinte Bürgermeister Dario Dal Medico. Es gelte darüber nachzudenken, „welche Konsequenzen Hass hat. Gerade derzeit ist die Stimmung nicht von Menschlichkeit geprägt, sondern von Trennung, Ausschluss und Hass. Dass so viele Schüler da sind, gibt mir sehr viel Freude und Hoffnung auf eine bessere Zukunft“, so Vizebürgermeisterin Katharina Zeller. <BR /><BR />Bereits vorher haben Dal Medico und Zeller am Areal der Ex-Bosin-Kaserne, eine „Außenstelle“ des Bozner Durchgangslagers, einen Kranz niedergelegt. Weihnachten 1944 war es dort den internierten Frauen Ernesta Sonego und Albertina Brogliati gelungen, über die Mauer zu klettern und zu fliehen.