<b>Von Klara Hürlimann</b><BR /><BR /><BR />1200 Kilometer durch ganz Österreich laufen, im Schlepptau einen etwa 45 Kilo schweren Sportkinderwagen: Rainer Juriatti hat Großes vor. „Aktionismus ist besser als Stillstehen“, so seine Überzeugung. Und wie bei den meisten Projekten des 59-Jährigen steckt dahinter das Engagement für Sternenkinder. Das sind Kinder, die vor, während oder kurz nach der Geburt sterben.<BR /><BR />Fünf sogenannte stille Geburten mussten Rainer Juriatti und seine Frau Vera selbst verkraften. Eine davon am 26. April 1995. Genau 29 Jahre später bricht der gebürtige Vorarlberger von seiner Wahlheimat Graz zu 40 Etappen durch alle Bundesländer auf. Zwischen 7. und 15. Mai führt seine Route auch durch Tirol.<BR /><BR />Durchschnittlich 34 Kilometer pro Tag will Juriatti zurücklegen, bevor er am 8. Juni zum Grazathlon wieder zuhause ankommt. Ein Pensum, für das er seit Monaten täglich trainiert: „Einen Marathon zu laufen ist gar nicht so schwer, die Kunst ist, es jeden Tag zu tun.“ Um das zu meistern, darf kein Muskelkater dazwischenfunken.<h3> „Das hat mich motiviert, niemals aufzugeben“</h3>Dass das Projekt überhaupt möglich ist, ist nicht selbstverständlich. Vor zehn Jahren wurde Rainer Juriatti von einem Auto angefahren. „Damals hieß es, es werde schwierig werden, jemals wieder einen Halbmarathon zu laufen. Das hat mich motiviert, niemals aufzugeben“. Als zusätzliche Herausforderung kommen 10.000 Höhenmeter hinzu, unter anderem führt der Lauf über das Arlbergmassiv.<BR /><BR />„Außerdem musste ich meinen Laufstil komplett umstellen – auf kürzere Schritte, damit der Wagen ruhig bleibt.“ Im Wagen bringt Juriatti sein gesamtes Gepäck, Ersatzreifen und sogar eine Solarzelle unter – „so bin ich quasi autark“.<BR /><BR />Mit Einsamkeit und Schmerz rechnet der Schriftsteller und Schauspieler im Laufe der Route nicht nur, sie sind sogar Teil seiner Botschaft: als Gefühle, die auch Sternenkind-Eltern erleben. Der Kinderwagen, den er hinter sich herzieht steht symbolisch dafür. „Er wird immer leer bleiben.“<BR />Diese Botschaft will der 59-Jährige nicht via Medien oder Internet verbreiten, sondern lokal „ins Gemeindeamt, in jedes Dorf“ bringen. Während Pausen und Übernachtungsstationen werden darum Flyer verteilt, kleine Sterne für einen Spendenbetrag verkauft und Vorträge gehalten.<h3> Mehr als 30 Veranstaltungen stehen auf dem Programm</h3>Apropos Übernachtung: „Jemand von der Rettung hat mir geholfen und in manchen Orten Notbetten organisiert. An anderen Stationen spenden Bürgermeister oder Hoteliers eine Nacht im Hotel“, erzählt der Sternenkind-Aktivist.<BR /><BR />Im Laufe der 40 Tage (abzüglich Ruhetage) stehen insgesamt mehr als 30 Veranstaltungen quer durch Österreich am Programm – in Tirol etwa in Zams, Telfs, Wörgl und St. Johann. Alle Details dazu sind auf Juriattis Webseite nachzulesen.<BR /><BR />Das Ziel hinter jedem Programmpunkt: ins Gespräch kommen – und wohl auch das eine oder andere Mal anecken. Schon im Training hat Rainer Juriatti gemischte Reaktionen auf den Anblick seines Wagens bekommen: von Interesse und spontanen Spenden bis hin zu blöden Sprüchen. Abschrecken lässt sich der 59-Jährige davon nicht. Desinteresse bis Ablehnung haben er und seine Frau Vera auch von politischer Seite schon oft erlebt: „Wir sind 30 Jahre lang viele Millimeter gegangen, die mittlerweile spürbar sind.“ Positiv hebt Juriatti allerdings Tirol hervor: Die Landesregierung unterstützt den Lauf mit einem Euro pro Kilometer und rundet auf 1500 Euro auf, Bischof Hermann Glettler hat einen ebenso hohen Betrag zugesagt.<h3> „Von der Sternenkindhilfe werden wir nie müde“</h3>Von Landesseite werde er ansonsten nur vom Burgenland unterstützt, so Juriatti. Bei Gemeinden, die auf Kontaktversuche des 59-Jährigen nicht reagieren, will er einen Zettel mit einem kurzen Text für den Grund seines Laufs hinterlassen. „Das ist quasi der Klimakleber in mir“, schmunzelt Juriatti.<BR /><BR />Die gesammelten Spenden kommen dem Verein „Mein Sternenkind“ zugute, mit dem das Ehepaar Juriatti etwa bereits eine interaktive Österreichkarte mit Anlaufstellen für betroffene Eltern sowie einen Gedenk-Sternenhimmel umsetzen konnte. Bei der Frage, was nach dem 1200-Kilometer-Großprojekt ansteht, lautet zwar die erste Antwort „nicht mehr laufen“, dann kommt Juriatti aber rasch auf die nächsten Projekte und Ziele zu sprechen: „Von der Sternenkindhilfe werden wir nie müde.“<BR />