<BR /> Italienweit wurden 2025 über 155.000 Rekurse vor der Steuergerichtsbarkeit eingereicht. In die zweite Instanz gingen 46.781 Privatpersonen und Betriebe. Auf dem Spiel steht ein Streitwert von 22 Milliarden Euro, den der Fiskus für sich beansprucht. Digitalisierung, elektronische Zahlungen und KI sorgen dafür, dass er Steuersündern leichter auf die Spur kommt.<BR /><BR />Wer wissen will, wie es in Südtirol aussieht, erhält nach drei Wochen konstanten Anklopfens bei den Steuerbehörden endlich Auskunft – und zwar vom Finanzministerium in Rom. Demnach wurden 2025 in Südtirol 253 Steuerrekurse eingereicht. Antragsteller waren zu fast gleichen Anteilen Privatpersonen (107) und Gesellschaften (91). In 291 Fällen und damit 86,5 Prozent dreht es sich um staatliche Steuern, bei den Privatpersonen um die Einkommenssteuer (IRPEF). Hier geht es oft um Fehler bei der Steuererklärung, wie Abzüge und Absetzbeträge. Bei den Gesellschaften liegt die Gesellschaftssteuer (IRES) vorn. Etliche Konzerne haben in Südtirol eine Tochtergesellschaft und der Fiskus prüft unter anderem, ob es verdeckte Gewinnverschiebungen gab. <BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1278162_image" /></div> <BR /><BR />Auffällig gering sind mit 13,5 Prozent die Eingaben gegen Lokalsteuern wie GIS oder Müllgebühren. Wenn, dann zieht man wegen der Kfz-Steuer vors Steuergericht, wobei hierzulande viele Mietwagenfirmen aus anderen Regionen ihren Sitz haben. In der zweiten Instanz sind nur noch Staatssteuern der Gegenstand; Hauptgrund ist die Mehrwertsteuer (IVA). Insgesamt weist Südtirol (328 Fälle) trotz höheren Steueraufkommens deutlich weniger Streitfälle auf als das Trentino (523). „Südtirol weist staatsweit die geringste Steuerhinterziehung auf“, sagt Karl Florian, Vorsitzender der Südtiroler Steuerberater. Im Allgemeinen werde die Steuergesetzgebung befolgt. Die Zusammenarbeit mit den Behörden laufe gut. Vieles lasse sich im Vorfeld klären bzw. außergerichtlich steuerbegünstigt abfinden. „Laut Statistik gewinnt in über 70 Prozent der Streitfälle der Fiskus, weshalb es ratsam ist, wenig chancenreiche Steuerverfahren gar nicht einzureichen“, sagt Florian. Schlussendlich begleichen die Südtiroler Steuerschulden auch aus Vergehen beinahe zu 100 Prozent, während in anderen Regionen der Staat oft auf seinen Forderungen sitzen bleibt. „Wer nicht zahlen will oder kann, der strengt oft Steuergerichtsverfahren an und spielt damit auf Zeit“, so Florian.<BR /><BR />Der Tiroler streitet nicht gern, doch das kann sich ändern. Florian sieht eine Streitwelle auf die Steuergerichtsbarkeit zukommen: Die Datenabgleiche zum Gebäude- und Energiebonus mit großen Guthaben, die an Banken abgetreten und mit Handwerkern verrechnet werden konnten, sind angelaufen. „Hinter den Boni stand ein riesiger Formalismus, der auch bei formellen Fehlern die Aberkennung des Steuerguthabens zur Folge hat“, so Florian.