Achtung Gamsblindheit! Das heißt es aus Jäger- und Alpenvereinskreisen im gesamten Alpenraum seit einigen Jahren allwinterlich. Heuer einmal mehr, vor allem aus den Gebieten am Alpenhauptkamm. <BR /><BR />Wo zuletzt in der Weihnachtszeit etwa in den Stubaier Alpen – also unweit der Südtiroler Landesgrenze – Wintersportler, Tourengeher sowie auch <?Uni SchriftWeite="94ru"> Schneeschuh- und Winterwanderer<?_Uni> um verstärkte Rücksicht auf die Tierwelt in höheren Lagen gebeten wurden. Und das sowohl von offizieller Seite wie auch via Social Media von „Berg-Influencern“, wie man es heute nennt.<BR /><BR /><h3> Wellenartig & gebietsvariabel</h3>Grundsätzlich gilt: Die sog. „Gamsblindheit“ – eigentlich die hochansteckende, bakterielle Augenkrankheit „Infektiöse Keratokonjunktivitis / IKK“ <I>(siehe Artikel untern, Stichwort „Gamsblindheit“)</I> – grassiert nicht erst jetzt. Vielmehr tritt sie auch hierzulande immer wieder in unterschiedlichen Landesteilen und mit unterschiedlicher Intensität auf, wird aber durch die klimatischen Veränderungen in den heimischen Bergen „begünstigt“. <BR /><BR />So formuliert es dann auch Josef Wieser, Wildbiologe im Südtiroler Jagdverband: „Der Klimawandel spielt zweifellos eine Rolle. Die langen und warmen Sommer schwächen kälteangepasste Tiere wie Gämsen oder Steinwild, das ebenso daran erkranken kann. Gleichzeitig begünstigen längere Wärmeperioden die Entwicklungszyklen vieler Fliegenarten, die ihrerseits im engen Verdacht stehen, die Bakterien zu übertragen, welche die Gamsblindheit auslösen. Damit steigt die Zahl der infizierten und erkrankten Tiere, die vor allem im Winter dringend Ruhe und Erholung bräuchten.“<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="987727_image" /></div> <BR /><BR />Was wiederum – so der Experte – in manchen Gebieten, etwa durch verstärktes Winterwandern oder Tourengehen beeinträchtigt werden kann. „Die Freizeitnutzung der Berge ist mehr geworden. Das stresst erkrankte Tiere zusätzlich. Denn es braucht nur wenig, um sie aufzuschrecken. Selbst wenn man leise unterwegs ist. Sobald sie Witterung aufnehmen oder Geräusche hören, löst dies ihren Fluchtreflex aus. Weil sie aber aufgrund der Erkrankung fast nichts sehen, steigt die Gefahr eines Absturzes. Störungen führen besonders in dieser sensiblen Zeit zu erhöhtem Energieverbrauch, was die Tiere zusätzlich schwächt und die Hei<?TrVer> lungswahrscheinlichkeit reduziert“, erläutert Wieser weiter. Und er erinnert hier an die Sensibilisierungskampagnen des AVS bezüglich der „Lenkungsmaßnahmen der Wintersportler“ <I>(siehe Artikel unten, So vermeiden Sie, Gams, Steinbock & Co im Winter „aufzuschrecken“)</I> sowie des Südtiroler Jagdverbandes.<BR /><BR />Veterinärmedizinische Tatsache jedenfalls ist: Die ersten Stadien der Gamsblindheit überstehen infizierte Tiere bei genügend Ruhe mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit, zudem sind sie danach immunisiert. Das vierte, irreversible Stadium hat hingegen eine endgültige Erblindung zur Folge. <BR /><BR /><h3> Schweiz zeigt Lösungen vor</h3>Fallzahlen dazu aber hat Wieser nicht, ebenso offen bleibt die Antwort auf die Frage nach hierzulande besonders betroffenen Gebieten. Vielmehr trete die Gamsblindheit – so der Wildbiologe – in Südtirol immer wieder und in verschiedenen Gebieten auf. Vor einiger Zeit habe es etwa mehrere Meldungen aus dem Vinschgau gegeben, wobei sowohl Stein- als auch Gamswild betroffen waren. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="987730_image" /></div> <BR /><BR />Beispiele aus der Schweiz zeigten auch Möglichkeiten auf, welche Maßnahmen man beim erhöhten Auftreten der Gamsblindheit umsetzen könne. Dort habe man ei<?TrVer> nen „Hotspot“ großräumig isoliert, weder Bejagung noch sonstige Störungen waren zugelassen, wie Wieser weiß: „Es durften ausschließlich stark befallene Tiere aus Gründen der Vermeidung von Tierleid entnommen werden. Die Idee hinter diesem System: Die Natur regelt so etwas selbst. Denn Tiere, welche die Infektion überstehen und sich erholen, sind in der Folge deutlich weniger anfällig für diese Krankheit.“<BR /><BR />Auch kommt beim Thema Gamsblindheit ein weiterer Faktor dazu, der bei der Übertragung eine Rolle spielt – nämlich die räumliche Nä<?TrVer> he von Wild- und Nutztieren in <?Uni SchriftWeite="95ru"> den Almgebieten. „Vor allem Schafe<?_Uni> können ebenfalls Träger dieser Bakterien sein. Durch den direkten Kontakt zwischen Haus- und Wildtieren sowie durch den indirekten Kontakt über die erwähnten Fliegen, ist eine Krankheitsübertragung möglich“, erläutert Wieser abschließend. <BR /><BR /><BR /><BR /><h3> So vermeiden Sie, Gams, Steinbock & Co im Winter „aufzuschrecken“</h3>An die seit einigen Jahren vom Alpenverein Südtirol (AVS) initiierte Sensibilisierungskampagne* für ein „wildtierkonformes Verhalten der Wintersportler“ erinnert Klaus Bliem, Leiter im AVS-Referat Natur & Umwelt: „Hier arbeiten wir eng mit dem Südtiroler Jagdverband und den Naturparken zusammen und appellieren nicht nur an die Mitglieder, die grundlegenden Regeln zu beachten.“ Hier kurz zusammengefasst:<BR /><BR /><b>- Waldgebiete sollten auf den ausgeschilderten Wegen und schnellstmöglichen Routen durchquert werden.</b> Die Waldgrenze und die schneefreien Gebiete darüber, wie Kuppen oder Grate, sind sensible Bereiche. Daher gibt es dort lokal jeweils eigens freigeschnittene Waldschneisen für Aufstiegs- und Abfahrtsmöglichkeiten.<BR /><BR /><b>- Wildtiere sollten nur aus der Ferne betrachtet werden.</b> Auf sie zuzugehen ist also tabu. Dies löst ihren Fluchtreflex aus.<BR /><BR /><b>-Ausgetretene Wege oder viel begangene Routen (Tourengeher/Schneeschuhwanderer) sind zu bevorzugen.</b><BR />Denn Wildtiere ziehen sich immer dorthin zurück, wo es am ruhigsten ist. Tipp: Bei einigen stark frequentierten Ausgangspunkten oder Parkplätzen gibt es sogar ausgewiesene Routen.<BR /><BR /><b><i>*siehe auch Folder „Freiheit mit Rücksicht“, erhältlich <BR />direkt beim AVS oder online unter www.alpenverein.it</i></b><BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="987733_image" /></div> <BR /><h3> Stichwort „Gamsblindheit“</h3>Bei der „Infektiösen Keratokonjunktivitis / IKK“ unterscheidet man – je nach Befall der Augen (der Jäger spricht von „Lichtern“) – vier Stadien. Diese definieren sich über die Symptome leichte Rötung, Tränenfluss, Lichtscheuheit und zeitweiliges Erblinden (Stadien 1 bis 3) bis hin zum irreversiblen Auslaufen des Auges (Stadium 4). Finden die Tiere genügend Ruhe, steigen die Überlebenschancen und auch die Herdenimmunität. Aber auch 30 Prozent Ausfall des Tierbestandes wurden schon verzeichnet.