Es war ein Schock am heutigen Donnerstagmorgen: Gegen 6.30 Uhr wurde Alarm geschlagen: Einsturz am Bozner Gerichtsgebäude. Sofort eilten die Einsatzkräfte an den Unglücksplatz und mussten sehen, dass große Teile eingestürzt waren. <BR /><BR /> <video-jw video-id="UjVDf8XZ"></video-jw> <BR /><BR />Nach dem Einsturz eines Teils des Bozner Gerichtsgebäudes laufen die Sicherungsarbeiten vor Ort auf Hochtouren. Aktuell durchsuchen Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr mit Spürhunden die Trümmer auf der Suche nach eventuell verschütteten Personen. Bislang wurde glücklicherweise nur eine Person leichtverletzt.<BR /><BR /><embed id="dtext86-75625416_gallery" /><BR /><BR />Um über die Ursachen aufzuklären, wurde um 11 Uhr eine Pressekonferenz einberufen. <b>STOL berichtet LIVE aus der Pressekonferenz.</b><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1336833_image" /></div> <BR /><BR />„Vier Stöcke sind eingebrochen“, lautet das erste Fazit auf der Pressekonferenz. Die Lage am Bozner Gerichtsplatz ist aber noch unübersichtlich. Während die Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr samt Suchhunden die Trümmer durchsuchen, gerät der Schutt immer wieder in Bewegung.<BR /><BR />Bozens Bürgermeister Claudio Corrarati hat gerade eine Verfügung erlassen: „Der gesamte Gerichtsplatz wird abgeriegelt.“<BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1336857_image" /></div> <h3> „Ein Wunder, dass niemand verletzt wurde“</h3>Nach dem Teileinsturz des Bozner Gerichtsgebäudes am Donnerstagvormittag haben Land, Justiz und Stadt Bozen bei einer Pressekonferenz erste Informationen zum weiteren Vorgehen bekannt gegeben. Im Mittelpunkt stand vor allem eine Botschaft: Dass niemand ums Leben gekommen ist, grenzt nach Einschätzung der Verantwortlichen an ein Wunder.<BR /><BR />Hochbau- und Vermögenslandesrat Christian Bianchi sprach von einem „schweren Einsturz“, der sich gegen 6.24 Uhr im zentralen Teil des Gebäudes ereignet habe. Nur weil sich zu diesem Zeitpunkt die meisten Mitarbeiter noch nicht im Dienst befanden, sei eine Katastrophe verhindert worden.<BR /><BR />„Wäre der Einsturz nur eine halbe Stunde oder Stunde später passiert, würden wir heute eine völlig andere Geschichte erzählen“, sagte Bianchi. Im Gebäude befanden sich lediglich sechs Reinigungskräfte, die glücklicherweise nicht verschüttet wurden. Eine Person erlitt leichte Kratzer am Arm und wurde vorsorglich ins Krankenhaus gebracht.<BR /><BR /> Derzeit laufen mit Suchhunden weitere Kontrollen, um endgültig auszuschließen, dass sich noch jemand unter den Trümmern befindet.<h3> Ursache weiter völlig unklar</h3>Warum der mittlere Gebäudeteil eingestürzt ist, ist weiterhin offen. Fest steht lediglich, dass im betroffenen Bereich umfangreiche Arbeiten zur statischen Sanierung durchgeführt wurden. <BR /><BR />„Sachverständige werden nun untersuchen, ob und in welchem Zusammenhang diese Arbeiten mit dem Einsturz stehen. Es waren wichtige Arbeiten zur Verbesserung der Statik im Gange. Erst die Ermittlungen werden zeigen, welche Dynamik zu diesem Ereignis geführt hat“, erklärte Bianchi.<h3> Gebäude muss nun umfassend überprüft werden</h3>Noch am Donnerstagnachmittag sollen Statiker das Gebäude betreten, um dessen Stabilität zu beurteilen. Erst danach wird entschieden, ob nur der eingestürzte Gebäudeteil oder das gesamte Gerichtsgebäude unbenutzbar ist.<BR /><BR />Parallel dazu wird geprüft, wie das Gebäude vor weiteren Schäden geschützt werden kann. Wegen möglicher Gewitter denke der Zivilschutz darüber nach, den beschädigten Bereich mit Planen abzudecken. Besonderes Augenmerk gelte auch den historischen Archiven und wichtigen Gerichtsakten, die sich im Gebäude befinden, so der Landesrat.<h3> Gerichtsbetrieb soll möglichst rasch weiterlaufen</h3>Der Generalstaatsanwalt Corrado Mistri sprach ebenfalls von einer nur knapp verhinderten Tragödie. „Wir sind einer regelrechten Katastrophe entgangen. Bereits eine halbe Stunde später hätten sämtliche Verhandlungen im Gerichtsgebäude begonnen“, sagte Mistri.<h3> „Teil der Gerichtsakten dürfte unter den Trümmern liegen“</h3>Die Präsidentin des Landesgerichts Bozen Francesca Bortolotti dankte allen Einsatzkräften und sagte auf der Pressekonferenz, oberste Priorität habe nun die Sicherheit des Gebäudes. Gleichzeitig werde bereits nach Ausweichräumen für dringende Gerichtsverhandlungen gesucht.<BR /><BR /> Auch das Justizministerium sei eingebunden und unterstütze die Behörden bei IT- und Telematiklösungen, um notfalls kurzfristig auch Remote-Arbeit zu ermöglichen.<BR /><BR />Ein Teil der Gerichtsakten dürfte unter den Trümmern liegen. Das Ministerium arbeite bereits an Lösungen, um die Verfahren dennoch fortführen zu können.<BR /><BR />Nach derzeitigen Erkenntnissen sind vier Stockwerke des mittleren Gebäudeteils betroffen. Eingestürzt sind unter anderem die Schwurgerichtssäle, Verhandlungssäle im dritten Stock sowie Kanzleien der ersten und zweiten Zivilsektion.<BR /><BR />Rund 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten normalerweise im Gerichtsgebäude.<h3> „Gottseidank keine Todesopfer“</h3>Auch Bozens Bürgermeister Claudio Corrarati zeigte sich tief erschüttert. Das Gerichtsgebäude sei ein bedeutendes Wahrzeichen der Stadt und habe für viele Bürger einen hohen Stellenwert.<BR /><BR />„Jetzt geht es darum, das Gebäude abzusichern und möglichst rasch Lösungen für den weiteren Betrieb der Justiz zu finden“, betonte Corrarati.<BR />Bianchi kündigte an, die Öffentlichkeit laufend über die weiteren Entwicklungen zu informieren. Die eigentliche Ursachenforschung und die Klärung möglicher Verantwortlichkeiten werde erst nach Abschluss der technischen Untersuchungen beginnen.<BR /><BR />„Heute zählt vor allem eines: Dass wir keine Todesopfer zu beklagen haben und alles daransetzen, den Gerichtsbetrieb so schnell wie möglich wieder sicherzustellen“, sagte der Landesrat.<h3> „Der Schock sitzt bei mir und meinen Kollegen noch tief“</h3>Einer der Reinigungskräfte, der sich zum Zeitpunkt des Einsturzes im Gebäude befand, schilderte die dramatischen Sekunden. <BR /><BR />Der aus Ghana stammende Mann arbeitete im zweiten Stock des Gerichtsgebäudes, als der mittlere Gebäudeteil plötzlich einstürzte. „Man hat nichts gehört – es ist einfach sofort heruntergekommen“, sagte er. <BR /><BR />Ein Kollege habe ihn alarmiert, woraufhin alle umgehend das Gebäude verlassen hätten. „Es ging alles ganz direkt und ohne Vorwarnung“, berichtete der Mitarbeiter. Der Schock sitze bei ihm und seinen Kollegen noch tief.<BR /><BR /><b> <a href="https://www.stol.it/tag/Gerichtsgeb%C3%A4ude" target="_blank" class="external-link-new-window" title="">Alle Berichte, Hintergründe, Fotos und Videos zum Einsturz des Gerichtsgebäudes in Bozen finden Sie hier. </a></b>