Die Stolpersteine sind ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig. Mit kleinen Gedenktafeln wird an das Schicksal der Menschen erinnert, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurden.<BR /><BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1145673_image" /></div> <BR /><div class="img-embed"><embed id="1145676_image" /></div> <BR /><BR />In Hohenberg bei Lilienfeld im Bezirk St. Pölten wurde eine Gedenktafel für 5 Südtiroler, darunter die 2 Tierser, und eine unbekannte Frau errichtet. Die Nazis hatten sie ermordet. Die Inschrift auf der Erinnerungstafel lautet: Am 21. April 1945 wurden in Hohenberg auf Anordnung der NSDAP-Kreisleitung in einer nächtlichen Aktion 6 Menschen durch den Lilienfelder Amtsarzt in Anwesenheit von SS und Ortsansässigen getötet. Die Mordopfer galten als behindert. <BR /><BR />Die Anbringung der Gedenktafel in Hohenberg wurde vor allem von Elisabeth Malleier, der Großenkelin eines Südtiroler Mordopfers, betrieben. Sie hat sich intensiv mit ihrer Familiengeschichte auseinandergesetzt und 2016 das Buch „Rabenmutterland“ als Ergebnis ihrer Forschungen veröffentlicht. <BR /><BR />2018 hatte Isidor Trompedeller im Tierser Rathausboten einen Artikel mit Informationen veröffentlicht. Andreas Resch, aufgewachsen auf beim Kölbl, war bekannt; an Christian Knolseisen kann sich in Tiers niemand mehr erinnern. Beide waren in ihren späteren Jahren im Tierser Versorgungsheim (Altersheim) und wurden im Zuge der Option am 2. August 1940 nach Deutschland „abgesiedelt“. 1943 wurden sie von Deutschland in ein Umsiedlerlager nach Niederösterreich gebracht und dort 1945 getötet. <h3> Behinderte einfach ohne Betreuung zurückgelassen</h3>Der Südtiroler Historiker Stefan Lechner beschreibt die Absiedlung der alten, kranken pflegebedürftigen und behinderten Südtiroler in der Zeit von 1939 bis 1945 wie folgt: „Als die Rote Armee Anfang April 1945 den Kreis Lilienfeld erreichte, ließ die Wehrmacht aus verteidigungstechnischen Überlegungen das Umsiedlerlager in Salzerbad räumen. Aus unbekannten Gründen wurden aber 5 oder 6 Südtiroler ohne Betreuung zurückgelassen. <BR /><BR />Im Heim konnten sie nicht mehr bleiben, und so wurden sie in einem Gasthaus in Kleinzell einquartiert. Der lokale NS-Ortsgruppenleiter beschwerte sich allerdings beim Kreisleiter von Lilienfeld Ludwig Uhl, dass die Geisteskranken der Gemeinde zur Last fielen und man nicht wisse, was man mit ihnen anfangen solle. Uhl ließ daraufhin den Lilienfelder Amtsarzt Hans Krainer zu sich kommen und ordnete die Beseitigung der Leute an.“ <BR /><BR />Dieser weigerte sich zunächst, den Mordauftrag durchzuführen. Er sei aber am 21. April gegen Mitternacht von schwer bewaffneten SS-Leuten und 3 Volkssturmmännern sowie dem Ortsgruppenleiter gezwungen worden, die Tat auszuführen. <BR /><BR />Lechner schreibt: „Gemeinsam mit dem NSDAP-Ortsgruppenleiter von Hohenberg und einigen anderen Männern des Volkssturms begab sich Krainer in das Zimmer, in dem sich die Leute aufhielten. Unter dem Vorwand einer Schutzimpfung injizierte er ihnen tatsächlich eine tödliche Dosis Morphium.“ <h3>Starben unter Krämpfen </h3>Als der Totengräber am Tag danach 6 Leichen abholen sollte, waren 2 der 6 Personen noch am Leben. Sie starben erst am Tag nach der Morphiumspritze unter Krämpfen und Erbrechen.<BR /><BR />Um eine Kohlenmonoxid- und Fleischvergiftung vorzutäuschen, wurden am Ofen Manipulationen vorgenommen und auf dem Tisch geöffnete Konservendosen präpariert.<BR /><BR />Laut einem Zeugen prahlte Ortsgruppenleiter Franz Jaschke nach der Tat: „Jetzt habe ich eine schwere Arbeit gehabt. Wir haben die Trottel durch Injektionen hinüberbefördert unter Vorspiegelung von Impfungen, wodurch die Idioten keinen Widerstand leisteten.“