Freitag, 14. September 2018

Strahlenunfall an Uni Innsbruck – Prozess gegen 2 Mitarbeiter

Nach einem Strahlenunfall an der Innsbrucker Universität im Jahr 2013 haben sich am Freitag 2 Mitarbeiter vor dem Landesgericht verantworten müssen. Ihnen wurde vorgeworfen, bei der Verpackung und Verschickung des radioaktiven Stoffes „Actinoid Americium“ fahrlässig gehandelt zu haben. Der Richter stellte gleich zu Prozessbeginn die Möglichkeit einer Diversion in den Raum.

Den Ärzten wurde vorgeworfen, bei der Verpackung und Verschickung des radioaktiven Stoffes fahrlässig gehandelt haben soll.
Den Ärzten wurde vorgeworfen, bei der Verpackung und Verschickung des radioaktiven Stoffes fahrlässig gehandelt haben soll. - Foto: © shutterstock

Auf die Frage des Richters, ob sich der 71-jährige Erstangeklagte schuldig oder nicht schuldig bekenne, meinte dieser: „Das überlasse ich dem Gericht zu entscheiden.“ Der Beschuldigte schilderte zu Verhandlungsbeginn den Prozess des Verpackens des radioaktiven Materials. Der Stoff sei in einem Transportfass, einer Bleiabschirmung und 2 Glasröhrchen verpackt gewesen. Er habe alle Behälter unter ständiger Messung der Radioaktivität, bis auf das innerste Glasröhrchen, geöffnet. „Bei dem innersten Röhrchen habe ich den Schraubverschluss aus Plastik lediglich leicht geöffnet, um zu sehen, ob er noch aufgeht“, schilderte der 71-Jährige.

Danach habe er den Stoff in der Bleiabschirmung und dem Transportfass wieder vorschriftsmäßig verpackt und ordnungsgemäß beschriftet. „Ich dachte nicht daran, dass Radioaktivität austreten könnte. Die Verschraubung war meiner Ansicht nach dicht“, beteuerte der Angeklagte. Er räumte vor Gericht jedoch ein, dass es möglich sein könnte, dass aufgrund der langen Lagerung eine geringe Menge des Stoffes durch die Plastikverschraubung ausgetreten war.

Austreten des Americiums nicht zu vermeiden 

Der Beschuldigte gab an, dass ein Austreten des Americiums bei dem Verpackungsvorgang nicht zu vermeiden gewesen wäre. Laut einem Gutachten hätte man ein Austreten jedoch sehr wohl verhindern können, hielt der Richter dem Uni-Mitarbeiter vor. „Ich habe keinen Fehler gemacht“, beteuerte der 71-Jährige auf Nachfrage des Richters. Die Zweitangeklagte habe ihn bei dem Verpackungsvorgang unterstützt.

Wie sich danach herausstellte, waren die beiden Angeklagten bei dem Verpackungsvorgang einer erhöhten Strahlendosis ausgesetzt gewesen. In der Nuclear Engineering Seibersdorf GmbH (NES) im Bezirk Baden, an die der Behälter zur Entsorgung geschickt worden war, war es daraufhin wegen eines nicht korrekt etikettierten Behälters von der Universität Innsbruck zu einem Strahlenunfall gekommen. In Seibersdorf waren ebenfalls 2 Mitarbeiter einer erhöhten Strahlung ausgesetzt worden. Den Beschuldigten drohen Freiheitsstrafen von bis zu 2 Jahren.

apa

stol