Strauss-Kahn sei „offensichtlich nicht in der Lage“, den IWF zu lenken, sagte US-Finanzminister Timothy Geithner in New York. Einen Nachfolgekandidaten haben die USA bisher nicht ins Spiel gebracht. Die französische Finanzministerin Christine Lagarde gilt für Beobachter momentan als heiße Kandidatin. Deutschland will in der Debatte um die IWF-Führung keinen Druck machen und die Personalfrage dem IWF selbst überlassen.Die USA fordern dagegen eine Übergangslösung für den wichtigen Posten: „Es ist wichtig, dass der Verwaltungsrat formell jemanden für eine Übergangszeit einsetzt, der als geschäftsführender Direktor agieren kann“, zitierte das „Wall Street Journal“ Timothy Geithner.Er zeigte sich zuversichtlich, dass der IWF trotz der gegenwärtigen Herausforderung seine Rolle in der Finanzwelt spielen werde: „Da passiert gerade eine Menge in der Welt, und da möchte man, dass der Währungsfonds hilfreich ist“, betonte er. „Ich bin aber überzeugt, dass er dazu in der Lage sein wird.“ Der IWF hatte zuvor Strauss-Kahns Stellvertreter John Lipsky mit der Führung der einstweiligen Geschäfte beauftragt.Strauss-Kahn ist wegen sechs Straftaten angeklagt, für die er mehr als 70 Jahre Haft bekommen kann. Er soll am Samstag ein Zimmermädchen in einem New Yorker Hotel überfallen und sexuell bedrängt haben. Derzeit sitzt er auf einer Gefängnisinsel in New York ein.Die Forderung von US-Finanzminister Timothy Geithner nach einer Übergangslösung für die IWF-Führung wird von der Bundesregierung derzeit nicht mitgetragen. Der IWF werde einen Weg finden, um jederzeit seine Handlungsfähigkeit zu sichern, sagte Vize-Regierungssprecher Christoph Steegmans am Mittwoch in Berlin. Die Debatte müsse intern beim IWF geführt werden. Es bestehe keine Notwendigkeit, von außen einzuwirken.Steegmans bekräftigte die Position Deutschlands, dass bei einem Wechsel an der IWF-Spitze erneut ein Europäer zum Zuge kommen sollte. Angesichts der Debatte um die Rettung angeschlagener Euro-Länder wäre es „sehr sinnvoll“, wenn der IWF-Chef mit den Besonderheiten Europas und den „hiesigen Umständen“ bestens vertraut sei. Stark wachsende Schwellenländer pochen inzwischen ebenfalls auf den IWF-Vorsitz. In Europa gebe es eine Fülle von hoch qualifizierten Kandidaten. Ob Deutschland einen eigenen Kandidaten ins Rennen schicken würde, ließ er offen. „Die Frage einer Nachfolge beim IWF stellt sich heute noch nicht.“ Auch für Strauss-Kahn gelte die Unschuldsvermutung.Die Nachfolgedebatte ist dennoch längst in vollem Gang: Zu den Namen, die für den IWF-Chefposten genannt werden, gehören Frankreichs Finanzministerin Christine Lagarde und der britische Ex-Premier Gordon Brown. Als mögliche deutsche Kandidaten im Gespräch sind Thomas Mirow, der Chef der in London ansässigen Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, sowie der frühere Bundesfinanzminister Peer Steinbrück und Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann.apa/dapa