Nachdem die Gewerkschaften am Mittwoch in den Verhandlungen mit der SASA die sofortige Erhöhung des Essensgutscheins abgelehnt haben, rufen sie gleichzeitig zum Streik am ersten Schultag auf – von 9 bis 12 Uhr. <BR /><BR />Die Betriebsleitung der SASA schreibt in einer Stellungnahme, man könne die Entscheidung nicht nachvollziehen. Seit 2022 hätten die Mitarbeiter immerhin ein Gehaltsplus von 28 Prozent bekommen. Der Vorschlag des Unternehmens hätte nach deren eigenen Angaben eine erste sofortige Anhebung des Essensgutscheins auf acht Euro pro Tag vorgesehen. <BR /><BR />Bereits bei den Gewerkschaftstreffen im April und Juni hatte das Unternehmen dieses Angebot vorgelegt. Am Mittwoch ebenso. Die Gewerkschaften fordern aber zehn Euro. <BR /><BR />Für den gleichen Tag ist auch ein Streik im regionalen Zugbetrieb ausgerufen – von 9 bis 17 Uhr, sowie ein staatsweiter Zugstreik Montag ab 21.18 Uhr bis Dienstag 21 Uhr. <h3> „Verhältnismäßigkeit und Verantwortung“</h3>„Das Streikrecht steht außer Frage. Aber wir müssen auch über Maß, Verhältnismäßigkeit und Verantwortung gegenüber Familien, Schülerinnen und Schülern sowie Pendlerinnen und Pendlern sprechen“, sagt Mobilitätslandesrat Daniel Alfreider zum Streikaufruf.<BR /><BR />„In den vergangenen Jahren haben wir in Südtirol viel getan, um den öffentlichen Personennahverkehr zu stabilisieren und die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Südtirol zahlt höhere Gehälter als in den nationalen Kollektivverträgen vorgesehen und bietet vielfach bessere Konditionen als andere Regionen Italiens. Auch SASA hat erhebliche Verbesserungen umgesetzt und bewusst in das Personal investiert“, betont Alfreider. <BR /><BR />Umso mehr hätte er sich von den Gewerkschaften Sensibilität und Verantwortungsbewusstsein erwartet. „Mit dem Streik trifft man gerade jene, die täglich auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind: Pendlerinnen und Pendler, Familien sowie Schülerinnen und Schüler.“<h3> Erhebliche Verbesserungen seit 2022</h3>Seit 2022 liegen die Verbesserungen bei Einkommen und Zusatzleistungen je nach Position laut SASA bei 26 bis 32 Prozent, während die Inflation im selben Zeitraum rund 14,9 Prozent betrug. „In einzelnen Bereichen liegen die Verbesserungen damit deutlich über der Inflation. Wir reden hier nicht von kleinen Gehaltsanpassungen“, unterstreicht Alfreider.<BR /><BR />„Alle Landesangestellten bekommen beispielsweise Essensgutscheine im Wert von 7 Euro. Zehn Euro zu fordern und gleichzeitig am ersten Schultag zu streiken, ist nach Rückmeldungen vieler Pendlerinnen und Pendler absolut unverantwortlich und inakzeptabel.“<h3> Beteiligung an italienweitem Streik „unverständlich“</h3>Unverständlich sei zudem, dass sich die lokalen Gewerkschaften an einem italienweiten Streik beteiligen, obwohl zahlreiche Forderungen auf nationaler Ebene in Südtirol bereits umgesetzt seien. Auch nach der Streikankündigung hätten Land und SASA alles unternommen, um die Gewerkschaften von einem Streik am ersten Schultag abzubringen – ohne Erfolg.<BR /><BR />„Wir haben viel getan und sind den Beschäftigten erneut entgegengekommen. Aber es gibt eine Grenze dessen, was noch verhältnismäßig und gegenüber allen anderen Beschäftigten in Südtirol vermittelbar ist“, sagt Alfreider. Dabei gehe es nicht darum, Berufsgruppen gegeneinander auszuspielen: „Auch andere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer kämpfen mit steigenden Kosten und zahlen Steuern, mit denen auch der öffentliche Dienst finanziert wird. Deshalb müssen wir bei jeder zusätzlichen Forderung auch fragen, ob sie gegenüber all diesen Menschen noch gerechtfertigt ist.“