Samstag, 22. Oktober 2016

Studenten-Massaker in Mexiko: Rätsel bald gelöst?

Mehr als zwei Jahre nach der Verschleppung und mutmaßlichen Tötung von 43 Studenten in Mexiko könnte eines der schwersten Verbrechen der vergangenen Jahre aufgeklärt werden.

Kann nun das Massaker an 43 Studenten in Mexiko endlich aufgeklärt werden?
Kann nun das Massaker an 43 Studenten in Mexiko endlich aufgeklärt werden? - Foto: © APA

Den Sicherheitskräften ging am Freitag einer der Hauptverdächtigen in dem noch immer mit vielen Ungereimtheiten behafteten Fall ins Netz: Bundespolizisten verhafteten den früheren Polizeichef der Stadt Iguala.

Polizeichef ist Schlüsselfigur

Felipe Flores sei am Freitagmorgen (Ortszeit) gefasst worden, als er gerade ein Haus in Iguala verließ, sagte der Nationale Sicherheitsbeauftragte Renato Sales. Offenbar habe Flores seine Frau besucht. Er habe sich widerstandslos festnehmen lassen. Dem Zugriff war eine gemeinsame Fahndung von Polizei, Streitkräften und dem Geheimdienst vorausgegangen.

Der Polizeichef gilt als Schlüsselfigur in dem Kriminalfall, der das Land seit mehr als zwei Jahren beschäftigt. Die Generalstaatsanwaltschaft hatte ein Kopfgeld von 2,5 Millionen Pesos (133.000 Euro) auf ihn ausgesetzt.

Generalstaatsanwältin Arely Gomez begrüßte die Festnahme von Flores. Seine Aussage sei von fundamentaler Bedeutung für die Aufklärung des Falls, sagte sie.

Fehlendes Puzzleteil

Auch die Angehörigen der Opfer hofften auf neue Bewegung in den Ermittlungen. „Für uns ist es das fehlende Puzzleteil“, sagte der Sprecher der Opferfamilien, Felipe de la Cruz, der Deutschen Presse-Agentur. „Wenn die Generalstaatsanwaltschaft ihre Arbeit richtig macht, könnte die Festnahme dieser Person dabei helfen aufzuklären, warum die jungen Leute angegriffen wurden.“

Örtliche Polizisten hatten im September 2014 in Iguala im Bundesstaat Guerrero die jungen Männer aus dem linken Lehrerseminar Ayotzinapa verschleppt und sie der kriminellen Organisation Guerreros Unidos übergeben. Bandenmitglieder räumten ein, die Studenten getötet und ihre Leichen verbrannt zu haben.

Die Ermittler wollten damals schnell Erfolge vorweisen. Es gab zahlreiche Festnahmen, geständige Täter wurden präsentiert. Alle verschleppten Studenten seien tot, sagte der damalige Generalstaatsanwalt Murillo Karam. „Das ist die historische Wahrheit.“

apa/dpa

stol