Samstag, 03. Dezember 2016

Studentin in Freiburg getötet: Tatverdächtiger ist 17

Im Fall der getöteten Studentin in Freiburg ist ein 17-jähriger Verdächtiger in Untersuchungshaft genommen worden. Der Vorwurf laute auf Vergewaltigung und Mord, hat Staatsanwalt Dieter Inhofer am Samstag in Freiburg gesagt. Es handelt sich demnach um einen minderjährigen unbegleiteten Flüchtling, der 2015 aus Afghanistan eingereist war und bei einer Familie lebte. Am Freitagmittag wurde er festgenommen.

Die Polizei hat im Verlauf der Ermittlungen etwa 1400 Menschen vernommen und rund 1600 Hinweise geprüft.
Die Polizei hat im Verlauf der Ermittlungen etwa 1400 Menschen vernommen und rund 1600 Hinweise geprüft. - Foto: © APA/DPA

Auf seine Spur führte nach Polizeiangaben ein 18,5 Zentimenter langes schwarzes Haar mit changierender Blondierung in einem Dornengebüsch. Der Verdächtige habe eine sehr markante Frisur. Auch ein schwarzer Schal im Flussbett der Dreisam spielte eine Rolle bei der Aufklärung des Sexual- und Gewaltverbrechens.

Sonderkommission eingesetzt

Die junge Frau war vergewaltigt worden, ihre Leiche wurde am 16. Oktober im Fluss gefunden. Ihr weißes Damenrad lag einige Meter entfernt von der Leiche im Gebüsch. Die Todesursache war Ertrinken, sagte der Leiter der Sonderkommission, David Mon aus 40 Ermittlern eingesetzt. Ein Gebüsch nahe dem Tatort wurde gerodet und zur Spurensicherung mitgenommen. Die Ermittler untersuchten allein drei Säcke voller Dornengebüsch. Später fanden Ermittler im Gestrüpp ein auffälliges Haar.

Videoaufzeichnungen führen zu Verdächtigem

DNA sei zudem nicht nur an der Leiche, sondern auch an Brems- und Schalthebel eines herrenlosen Fahrrads in Tatortnähe gefunden worden. Auch Kameraaufnahmen werteten die Ermittler aus.
Die Frau war mit ihrem Fahrrad um 2.40 Uhr nachts auf dem Heimweg von einer Uni-Party, als sie Opfer des Verbrechens wurde. Der Verdächtige fuhr laut Polizei um 1.57 Uhr mit der Linie 1 im Stadtzentrum los und erreichte um 2.10 Uhr die Endhaltestelle vor dem Stadion in der Nähe des Tatorts. Die Tat geschah demnach gegen 3 Uhr morgens.

50 Minuten von der Tat hatte sich ein junger Mann mit einem schwarzen Schal rund einen Kilometer vom Tatort aufgehalten. Dies ergab die Auswertung von Videoaufzeichnungen der Freiburger Verkehrs-AG. Die Ermittler hätten einen Verdächtigen mit markanter schwarzer Haarfrisur, einem sogenannten Undercut, in einer Videoauswertung von der Kameraüberwachung entdeckt. Am Freitag sei der Verdächtige identifiziert worden.

1400 Menschen vernommen

Die Polizei hatte im Verlauf der Ermittlungen etwa 1400 Menschen vernommen und rund 1600 Hinweise geprüft, darunter die auf das herrenlose Fahrrad in der Nähe.
Der Fall einer Anfang November ermordeten Joggerin in Endingen bei Freiburg ist noch ungelöst. „Wir haben bislang keine Verbindung zum Tötungsdelikt in Endingen“, sagte Inhofer auf der Pressekonferenz. Man habe aber auch noch nicht alle Spuren ausgewertet. Die Sonderkommission „Erle“ befragt in dem Endinger Fall Zeugen und wertet DNA-Spuren aus.

Die 27 Jahre alte Frau war Anfang November von einem Unbekannten vergewaltigt und ermordet worden. Sie war an einem Sonntagnachmittag alleine zum Joggen aufgebrochen und nicht zurückgekehrt.

dpa

stol