Eine gestörte Eisenaufnahme, ein erhöhter Eisenbedarf sowie ein vermehrter Blutverlust können zu Eisenmangel führen. Da orale Eisenpräparate oft mehrere Monate eingenommen werden müssen und häufig schlecht vertragen werden, kommen zunehmend Infusionspräparate zum Einsatz. „Eines davon, die Eisencarboxymaltose, hat jedoch eine bedeutsame Nebenwirkung: Bei 50 bis 75 Prozent der Patienten sinkt der Phosphatspiegel im Blut deutlich ab. Dies kann zu Muskelschwäche und Knochenerkrankungen führen“, weiß der Gastroenterologe und Hepatologe Heinz Zoller. <BR /><BR />Zur Aufklärung dieses Mechanismus setzte das Team um Heinz Zoller und Sonja Wagner verschiedene Methoden zur Analyse der Knochenentwicklung ein, mit überraschenden Ergebnissen. „Die Nebenwirkungen scheinen durch die Anreicherung von Eisencarboxymaltose im Knochen bedingt zu sein, was dort zu einer verminderten Kollagenbildung führt“, beschreibt Co-Studienleiterin Sonja Wagner die Erkenntnisse. Die Symptome eines erniedrigten Phosphatspiegels im Blut sind unspezifisch und können sich als Schwäche, Erschöpfung oder verminderte Belastbarkeit äußern. Da diese Symptome auch denen eines Eisenmangels stark ähneln kann eine Hypophosphatämie und deren Folgen lange unbemerkt bleiben.<BR /><BR />Um die klinische Bedeutung der beobachteten Veränderungen besser einordnen zu können, wurden mehr als 20.000 Patienten, die mit einem Eisenpräparat behandelt worden waren, beobachtet. Die Studie ergab, dass eine intravenöse Eisentherapie mit Eisencarboxymaltose im Vergleich zu einer Therapie mit Eisenderisomaltose mit einem mehr als doppelt so hohen Risiko für Knochenbrüche verbunden ist. <BR /><BR />„Wir schließen daraus, dass mit Eisencarboxymaltose molekulare Veränderungen ausgelöst werden, die unabhängig vom Phosphatspiegel die Knochenstruktur schwächen und folglich einen niedrigen Phosphatspiegel verursachen können“, betont Studienleiter Zoller. Die Wahl des Eisenpräparats könnte damit nicht nur darüber entscheiden, wie rasch sich ein Eisenmangel behandeln lässt, sondern auch darüber, ob sich im Knochen eine Form biologischer Ermüdung entwickelt, die lange unbemerkt bleibt. Die Knochenbrüche treten typischerweise Wochen oder Monate nach der eigentlichen Eisen-Therapie auf.<BR /><BR />Auch wenn die genauen biologischen Zusammenhänge beim Menschen weiterer Aufklärung bedürfen, unterstreichen die Daten aus der Studie das deutlich erhöhte Frakturrisiko in der klinischen Praxis.