Montag, 11. April 2022

Studie: Lungenveränderungen auch noch ein Jahr nach Covid-Erkrankung

Männlich, über 60 Jahre alt, kritischer Covid-19 Verlauf mit Beatmung: Das sind die Faktoren, die das Risiko signifikant erhöhen, auch ein Jahr nach Entlassung aus dem Krankenhaus noch sichtbare Veränderungen des Lungengewebes aufzuweisen. Zu diesem Ergebnis kommen Radiologen aus dem Bundesland Tirol anhand von CT-Untersuchungen, die im Rahmen der Langzeitstudie CovILD durchgeführt wurden.

Ein Team der Medizinischen Universität Innsbruck hat anhaltende Lungenveränderungen im Zuge einer Coronainfektion untersucht. - Foto: © Shutterstock / shutterstock

Seit 2020 untersucht ein interdisziplinäres Team aus den Bereichen Pneumologie (Initiatoren), Infektiologie, Neurologie und Radiologie an der Medizinischen Universität Innsbruck in der prospektiven, multizentrischen Studie CovILD mögliche Folgeschäden nach einer schwer verlaufenen SARS-CoV-2 Infektion.

Eine aktuelle, kürzlich im angesehenen Fachjournal Radiology veröffentlichte Ein-Jahres-Folgestudie des Teams um den Radiologen Gerlig Widmann liefert nun neue Erkenntnisse zum Verlauf von Lungenveränderungen in der Computertomographie (CT) nach Covid-19.

„In unserer viergeteilten Kohorte* betreffend den Schweregrad des initialen Verlaufes waren bei mehr als der Hälfte der Teilnehmer auch noch 12 Monate nach Krankenhausentlassung subtile Veränderungen im CT nachweisbar. Auch wenn eine Mehrheit dieses Anteils zumindest schwer erkrankt war, sind wir von diesem Ergebnis doch ein wenig überrascht. Der über 60-jährige männliche Patient mit kritischem Krankheitsverlauf trägt unseren Untersuchungen zufolge jedenfalls das größte Risiko, auch ein Jahr nach Covid-19 noch Lungenveränderungen im CT zu zeigen“, erklärt Radiologin und Erstautorin Anna Luger.

Studie zeigt 3 Szenarien auf

Insgesamt wurden 4 CT-Verlaufskontrollen der Lunge durchgeführt, von anfangs 142 Probanden konnten nach einem Jahr noch 91 Teilnehmer in die Studie eingeschlossen werden.

Im Detail zeigten 34 Prozent der Teilnehmer oberflächennahe netzartige Verdichtungen der Lunge, geringe Milchglastrübungen oder beides, bei 20 Prozent der Teilnehmer waren ausgedehnte Milchglastrübungen, oberflächennahe netzartige Verdichtungen, Bronchialerweiterungen und mikrozystische Veränderungen feststellbar, die eventuell auf Vernarbungsprozesse hindeuten.

„Aus radiologischer Sicht lässt sich noch nicht abschätzen, wie sich diese strukturellen Lungenveränderungen zeitlich weiter verhalten“, so der Leiter der Radiologie in der interdisziplinären Studiengruppe, Gerlig Widmann.

3 Szenarien seien jedoch vorstellbar: Die Veränderungen bilden sich langsam vollständig zurück, die Veränderungen halten an und es entwickeln sich stabile Vernarbungen, oder das Lungengewebe wird zunehmend fibrotisch (Bindegewebsvermehrung) und es kommt begleitend zu kontinuierlich zunehmenden klinischen Symptomen. „In jedem Fall“, so Widmann, „werden wir den Verlauf gemeinsam mit unseren klinischen Partnern weiter wissenschaftlich begleiten“.

Aus Langzeitstudien zur Sars-Pandemie im Jahr 2003 mit Sars-CoV-1 ist bekannt, dass im CT auch noch 15 Jahre nach Erkrankung Veränderungen des Lungengewebes festzustellen sind. Angesichts der gesundheitspolitischen Relevanz einer Post-Covid-Erkrankung zeigen die bisherigen Daten aus Innsbruck mit der ersten systematisch wissenschaftlich untersuchten Covid-19 Kohorte in Österreich, dass eine langfristige klinische und radiologische Nachsorge von Patienten mit anhaltenden Lungenveränderungen im CT notwendig ist, um mehr über den klinischen Verlauf und potentielle Folgeerscheinungen herauszufinden.

*) Gruppe 1: milder Verlauf mit ambulanter Behandlung (21 Prozent), Gruppe 2: moderater Verlauf mit stationärer Behandlung ohne Sauerstoffgabe (25 Prozent), Gruppe 3: schwerer Verlauf mit stationärer Behandlung und Sauerstoffgabe (25 Prozent), Gruppe 4: kritischer Verlauf mit intensivmedizinischer Behandlung und Beatmung (29 Prozent).

stol

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