Dienstag, 20. April 2021

Studie: „Ohne Massentests wäre Pandemie viel schlimmer verlaufen“

An 3 Tagen wurde im November 2020 in ganz Südtirol getestet – und ein überwältigender Großteil der Bevölkerung nahm an dem freiwilligen Screening teil. Jetzt zeigt eine Studie der unibz: Die Massentests haben den Verlauf der Pandemie deutlich beeinflusst.

Mehr als 360.000 Südtirolerinnen und Südtiroler nahmen im November am Massenscreening teil. Jetzt zeigt sich: Die Tests beeinflussten den Verlauf der Pandemie nachhaltig.
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Mehr als 360.000 Südtirolerinnen und Südtiroler nahmen im November am Massenscreening teil. Jetzt zeigt sich: Die Tests beeinflussten den Verlauf der Pandemie nachhaltig. - Foto: © DLife/Rosario Multari
Die 3 Professoren der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften Davide Ferrari, Steven Stillman und Mirco Tonin zeigen in einer am Dienstag veröffentlichten Studie einen signifikanten Rückgang der Infektionen in den Folgewochen der Schnelltests auf.


Der Studie liegen Daten zugrunde, die sich auf das im November 2020 in Südtirol durchgeführte Experiment beziehen.

Im November vergangenen Jahres war die Bevölkerung der Autonomen Provinz Bozen eingeladen, an einem freiwilligen Massenscreening am Wochenende des 20. bis 22. Novembers teilzunehmen: In rund 300 Einrichtungen in ganz Südtirol konnten sich 362.050 Personen ab dem Alter von 5 Jahren dem Test unterziehen. Letztendlich wurden 3615 Personen positiv getestet und isoliert.

In den darauffolgenden Monaten zählte Südtirol zu den dunkelroten Regionen in Europa, also jenen Regionen mit der höchsten Infektionsrate pro 100.000 Einwohner. Dies trug dazu bei, dass viele Zweifel am tatsächlichen Nutzen des Massenscreenings äußerten.

Massentests waren äußerst wirksam im Kampf gegen die Pandemie

Nun stellt eine Untersuchung der 3 Professoren an der unibz klar, dass laut ihrer Datensätze die Pandemie ohne die Massentests weitaus schlimmer verlaufen wäre.

In dem Artikel „Wirken Covid-19 Massentests? Die Bedeutung einer Berücksichtigung der Epidemie-Dynamik (Does Covid-19 Mass Screening Work? The Importance of Accounting for the Epidemic Dynamics) bringen die Professoren anhand eines statistischen Ansatzes einiges zutage: die Studie ermöglicht Vergleiche mit italienischen Gebieten, die hinsichtlich der Dynamik der Virusübertragung und der durchgeführten Eindämmungsmaßnahmen mit Südtirol vergleichbar sind, aber kein Screening durchgeführt haben.



Daraus lässt sich erkennen, dass das Wochenende der in Südtirol durchgeführten Massentests mehr als positive Ergebnisse gebracht hat.

„Wir haben in unserer Studie einen Ansatz gewählt, der auf Modellen basiert, die zeitliche Veränderungen aufzeigt. Dabei haben wir einen Ort gewählt, an dem eine bestimmte Intervention durchgeführt wurde, und ihn mit vergleichbaren Orten verglichen, in denen im selben Zeitrahmen keine Intervention stattgefunden hat„, erklärt Prof. Davide Ferrari.

„Auf diese Weise konnten wir die Auswirkungen der Massentest-Kampagne in Südtirol bewerten, da sich in diesem Zeitraum die Vorschriften in der Provinz Bozen bezüglich Bewegungsfreiheit, Betriebs- und Schulschließungen sowie der Hygiene- und Sanitärmaßnahmen nicht vom Rest des Landes unterschieden und daher einen Rückgang der Ansteckungstendenz begründen könnten.“

Rückgang der Wachstumsrate um 39 Prozent

Nach Einschätzung der Professoren führte die Massenscreening-Kampagne in Südtirol zu einem Rückgang der Wachstumsrate um 39 Prozent an Covid-19-Infektionen verglichen mit den Zahlen, die ohne Tests zu beobachten gewesen wären.

„Wir haben festgestellt, dass wir ohne das Screening 7, 10, 29 und 40 Tage nach dem Operationsdatum einen weiteren Anstieg der Infektionsfälle um 14, 18, 30 bzw. 56 Prozent gehabt hätten“, präzisiert Prof. Steven Stillman.

„Die Effektivität von Intervention dieser Art hängt von der Beteiligung der Bevölkerung ab, weswegen es wichtig ist zu betonen, dass eine solch große Wirkung erzielt worden ist, obwohl der Test freiwillig war. Die kann als Zeichen dafür gewertet werden, dass die Bevölkerung dessen Bedeutung verstanden hat“, betont Prof. Mirco Tonin.

liz