Dienstag, 22. September 2020

Studienförderung: Landesregierung beschließt Notfallstipendium

Studierende, die sich coronabedingt in einer wirtschaftlichen Notlage befinden, können um eine Studienbeihilfe ansuchen, auch wenn sie ihre wirtschaftliche Situation 2019 nicht dazu berechtigt.

Die Gewährung von Corona-Notfallstipendien hat die Landesregierung am heutigen 22. September beschlossen.
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Die Gewährung von Corona-Notfallstipendien hat die Landesregierung am heutigen 22. September beschlossen. - Foto: © lpa/Unsplash
Die Südtiroler Landesregierung hat am heutigen Dienstag die Einführung eines einmaligen Corona-Notfallstipendiums von 1500 oder 2000 Euro beschlossen. Dieses kann von Studierenden beantragt werden, die sich in einer coronabedingten wirtschaftlichen Notlage befinden, auch wenn sie im akademischen Jahr 2020/21 angesichts ihrer Einkommens- und Vermögenslage von 2019 eigentlich kein Anrecht auf eine Studienförderung hätten.

Vorausgesetzt wird, dass die Studiendauer und der Studienerfolg mit den Vorgaben der Verordnung und der Wettbewerbsauschreibung für die ordentlichen Studienbeihilfen im Einklang sind. Über Eigenerklärung müssen die Studierenden außerdem nachweisen, dass Einkommen und Vermögen (ausgedrückt als Faktor der wirtschaftlichen Lage FWL zwischen 4 und 5) der Kernfamilie im laufenden Jahr 2020 im Vergleich zum Vorjahr infolge des Covid-19-Notstandes mindestens 20 Prozent beziehungsweise 40 Prozent zurückgegangen sind.

Außerordentliches Notfallstipendium von 1500 oder 2000 Euro

„Mit dieser Unterstützungsmaßnahme wollen wir sicherstellen, dass auch jene Studierenden ihr Studium weiterführen können, die im akademischen Jahr 2020/2021 keine Beihilfe erhalten könnten, weil ihr Einkommen und Vermögen von 2019 zu hoch sind, die sich aber in einer schweren wirtschaftlichen Notlage befinden“, betont der zuständige Landesrat.

Die außerordentliche Studienbeihilfe für ein ordentliches Studium und einem FWL von 4,1 bis 5 beläuft sich auf 1500 Euro, sofern der der Einkommens- und Vermögensrückgang mindestens 20 Prozent ausmacht. Haben Einkommen und Vermögen (FWL) der Kernfamilie 2020 gegenüber 2019 um mindestens 40 Prozent abgenommen, so sind es 2000 Euro.

Bei der Berechnung des der FWL-Schwelle gibt es zusätzlich 0,5 Punkte für jedes Mitglied der Kernfamilie (einschließlich des Antragstellers), das an mindestens 150 Tagen aus schulischen und Studiengründen außerhalb der Familie untergebracht ist. Eine 50-prozentige Kürzung ist hingegen vorgesehen, wenn die Wohnsitzgemeinde der Studierenden weniger als 10 Kilometer vom Universitätsstandort entfernt ist. Für Studierende, die pendeln, wird das Ausmaß der Studienbeihilfe um 30 Prozent gekürzt.

Stipendien für das akademische Jahr 2019/20 angehoben

Mit einem zweiten Beschluss hat die Landesregierung heute zudem eine 10-prozentige Ergänzung der ordentlichen Studienbeihilfe für das Jahr 2019/20 vorgesehen. Auch in diesem Fall muss eine coronabedingte Minderung des Einkommens und Vermögens der Kernfamilie um mindestens 20 Prozent vorliegen, die der Studierende mittels Eigenerklärung bestätigt.

„Auch diese Maßnahme soll sicherstellen, dass die 2019/20 unterstützten Studierenden ihr Studium im Bildungsjahr 2020/21 weiterführen können“, erklärt der Landesrat für Bildungsförderung. „Ansuchen um ordentliche Studienförderung für das neue akademische Jahr sind dann ab 28. September möglich“, kündigt Abteilungsdirektorin Rolanda Tschugguel an.

Alle Ansuchen beziehungsweise die Selbsterklärungen werden hinsichtlich des Wahrheitsgehaltes über den Rückgang des FWL durch das Landesamt für Hochschulfürsorge überprüft.

Sämtliche Informationen zu den außerordentlichen Beiträgen finden sich auf den Webseiten des Landes zu Bildung und Sprache unter dem Thema Bildungsförderung unter Fördermaßnahmen für Studierende. Dort stehen auch die Gesuchsformulare zur Verfügung.

Hochschülerschaft sh.asus: Investition in die Zukunft des Landes

„Endlich gelangt auch dieser Aspekt in der Strategie des Landes zur Bewältigung der Coronakrise zum Abschluss: Für Studierende sind diese Hilfen äußerst relevant. Viele haben sich in den letzten Monaten an uns gewandt mit der ernsten Sorge, ihr Studium aus finanziellen Gründen abbrechen zu müssen - immerhin haben viele Südtiroler Familien unter den wirtschaftlichen Folgen von COVID-19 gelitten.“, unterstreicht sh.asus-Vorsitzender Matthias von Wenzl.

Die Südtiroler HochschülerInnenschaft habe immer betont, dass es nicht ausreiche, die bestehenden Stipendien bzw. Studienbeihilfen an die neue Situation anzupassen. Vielmehr sei es nötig gewesen, eine breite, zusätzliche Förderung vorzusehen, um das Recht auf Hochschulbildung nicht zur hohlen Phrase verkommen zu lassen. Sämtliche Stütz-Maßnahmen für Studierende müsse man als Investition in die Zukunft des Landes begreifen, denn, so die sh.asus, „eine verschärfte ökonomische Situation darf nicht die Entwicklung und Entfaltung von jungen Talenten verhindern. Von diesem sowie generell von einer akademisch geschulten jungen Generation wird unser Land nämlich auf allen Ebenen profitieren.“ Es sei wichtig gewesen, dass gegenüber der Politik klarzustellen.

lpa