<b>Welche Studienangebote gibt es an der PTH Brixen?</b><BR /><BR />P. Martin M. Lintner: Wir bieten zwei fünfjährige theologische Studienrichtungen an: Fachtheologie und Religionspädagogik. Sie sind sozusagen unser „Kerngeschäft“. Zwei weitere Studienangebote sind der Bachelor in Philosophie, den wir gemeinsam mit der Universität Innsbruck anbieten, und der Universitätsstudiengang Angewandte Ethik, ein Kooperationsprojekt mit der Universität Innsbruck und der Freien Universität Bozen. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1359399_image" /></div> <BR /><b>Stimmt es, dass die Studierendenzahlen deutlich zurückgegangen sind?</b><BR /><BR />P. Martin M. Lintner: In den letzten 15 Jahren sind die Studierendenzahlen um circa die Hälfte zurückgegangen. Im vergangenen Studienjahr hatten wir 67 ordentliche Studierende, 30 in der Fachtheologie, 25 in der Religionspädagogik und zwölf, die im Bachelor Philosophie inskribiert waren. Als außerordentliche Studierende zählten die 18 Personen, die den Universitätsstudiengang Angewandte Ethik absolviert haben. <BR />Welcher Studiengang ist besonders vom Rückgang betroffen? Beide theologischen Studienrichtungen. Fachtheologie wird zwar nicht ausschließlich, aber vorwiegend von Priesteramtskandidaten studiert. Aus Südtirol haben wir seit vielen Jahren kaum Seminaristen. Das Seminarprojekt, dass Priesteramtskandidaten aus Tansania und Indien bei uns das Theologiestudium absolvieren, ist deshalb auch für uns als PTH wichtig. Auch jene, die sich für die Krankenhausseelsorge vorbereiten, studieren Fachtheologie. Zudem kommen noch Studierende aus Österreich oder Deutschland, die in Brixen ein Auslandsjahr machen, meistens Fachtheologen, im kommenden Jahr ein Student aus Erfurt. <BR /><BR /><embed id="dtext86-76336108_quote" /><BR /><BR /><b>Und wie ist die Lage derzeit im Studiengang Religionspädagogik?</b><BR /><BR />P. Martin M. Lintner: Bei der Religionspädagogik zeigt sich ebenso der allgemeine Trend, der etwa an der Bildungswissenschaftlichen Fakultät in Brixen beobachtbar ist: Die Zahl der Vollzeitstudierenden, die sich auf den Lehrberuf vorbereiten, ist rückläufig. Eine besondere Situation stellt unsere italienischsprachige Außenstelle für Religionspädagogik in Bozen dar. Vor 15 Jahren gab es dort noch 23 Studierende. Aufgrund der mangelnden Nachfrage wurde bereits vor vier Jahren beschlossen, das Studienangebot dort zu beenden. Im kommenden akademischen Jahr werden also die letzten Studierenden in Bozen abschließen. Für Studierende italienischer Muttersprache aus Südtirol sind wir jetzt eine Kooperation mit dem Höheren Institut für theologische Bildung in Trient eingegangen.<BR /><BR /><b>Was könnten mögliche Gründe dafür sein?</b><BR /><BR />P. Martin M. Lintner: Sie sind vielfältig. Sie reichen von geburtenschwächeren Jahrgängen Anfang der 2000er-Jahre bis zu einem veränderten Studierverhalten. Viele steigen bereits in einen Beruf ein und studieren „nebenher“. Manche kommen in der Praxis zum Religionsunterricht, besonders in der Grundschule, und qualifizieren sich nachträglich durch das Studium. Das Interesse ist gegeben, etwa bei Personen im Alter von 35–45 Jahren, die kein Vollstudium mehr machen wollen. Im Herbst beginnt ein einmaliges Studienangebot für den Religionsunterricht in der Grundschule, das wir gemeinsam mit dem Schulamt ausgearbeitet haben und an dem knapp 30 Personen teilnehmen. Zudem ist die Gesellschaft insgesamt säkularer und die Kirche hat bei Jugendlichen nicht unbedingt den besten Ruf als mögliche künftige Arbeitgeberin. Wobei – das möchte ich betonen – gerade der Religionsunterricht beste Aussichten auf einen sicheren Arbeitsplatz bietet.<BR /><BR /><embed id="dtext86-76336109_quote" /><BR /><BR /><b>Steht auch eine Schließung der Hochschule im Raum?</b><BR /><BR />P. Martin M. Lintner: Nein, so schlecht stehen wir nicht da. Abgesehen davon halte ich für Südtirol die Möglichkeit wichtig, in der eigenen Heimat Theologie zu studieren. Zudem leistet die Hochschule mit dem Institut für theologische Bildung, dessen deutsche Sektion die Brixner Theologischen Kurse und dessen italienische Sektion das Istituto di Studi Religiosi in Bozen sind, mit dem Institut „De Pace Fidei“ sowie vielen weiteren Angeboten einen wichtigen Beitrag im Bereich Weiterbildung und Impulse im Kontext gesellschaftlicher Herausforderungen. <BR /><BR /><div class="img-embed"><embed id="1359402_image" /></div> <BR /><b>Wie wollen Sie dieser großen Herausforderung entgegenwirken und sich dem Trend widersetzen?</b><BR /><BR />P. Martin M. Lintner: Dem allgemeinen Trend können wir uns kaum widersetzen. Von unseren Maßnahmen möchte ich drei nennen: Erstens durch das Angebot des Studiums der Religionspädagogik in Teilzeit möchten wir die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Studium erleichtern, ohne Abstriche bei Umfang und Qualität des Studiums zu machen, weil wir an die vom Heiligen Stuhl vorgegebenen Standards gebunden sind. Zweitens gemeinsam mit theologischen Ausbildungsorten in Tirol und Vorarlberg, die vor denselben Herausforderungen stehen, haben wir die Social-Media-Kampagne www.rethink-religion.org gestartet, um junge Menschen über Fakten und die Bedeutung des Religionsunterrichts zu informieren – natürlich mit der Hoffnung, einige für das Studium zu gewinnen. Drittens seit heuer qualifiziert auch der Abschluss des dreijährigen ersten Studienabschnitts zum Unterricht in der Grundschule. Das ist für jene interessant, denen ein fünfjähriges Studium zu lang ist.<h3> Studieren an der PTH Brixen</h3>Die Inskriptionsfristen für das kommende akademische Jahr 2026/27 laufen noch.<BR /><BR />Bis Ende Oktober sind Einschreibungen für das Studium der Fachtheologie, Religionspädagogik und das Bachelor-Studium Philosophie möglich. Auch Anmeldungen für die Brixner Theologischen Kurse, die in diesem Jahr ihr 50. Jubiläum begehen, werden bis Anfang Oktober entgegengenommen. Ein vielfältiges Programm an Kursen, Seminaren und Autorenlesungen wird im neuen akademischen Jahr auch wieder vom Istituto di Studi Religiosi Bozen angeboten.<BR /><BR />Weitere Infos:<BR />www.hochschulebrixen.it