Der 46-jährige Gabriele, Schlüsselfigur des sogenannten Vatileaks-Skandals, hat laut den vatikanischen Richtern als Einzeltäter gehandelt, doch eine von Benedikt eingesetzte dreiköpfige Kommission von Kardinälen hat ihre Ermittlungen in dem Fall noch nicht abgeschlossen. Der Prozess hat zahlreiche Fragen aufgeworfen, die vor allem mögliche Hintermänner Gabrieles betreffen.Der ehemalige Butler hatte angegeben, in seinem Handeln vom „Heiligen Geist“ angeregt worden zu sein und die „Wahrheit“ über Vorgänge in der Kurie ans Licht bringen zu wollen. In einem Gutachten wurde Gabriele als psychologisch weitgehend stabil, aber als sehr beeinflussbar beschrieben. Gabriele nannte während des Prozesses sieben Personen, die ihn „beeinflusst“ haben sollen, unter anderen die beiden Kurienkardinäle Angelo Comastri und Paolo Sardi, einen italienischen Bischof sowie eine ehemalige Haushälterin und Übersetzerin Benedikts. Den Beziehungen zwischen diesen Personen und Gabriele dürfte der Vatikan jetzt nachgehen wollen.Für Aufsehen sorgte bei dem Prozess auch, wie viel Material Gabriele gesammelt hatte. Die Beamten der Vatikangendarmerie hatten 82 Kartons mit Papieren aus seiner Wohnung im Vatikan beschlagnahmt, darunter auch etwa Tausend vertrauliche Dokumente. Gabriele hatte erklärt, nur in den Jahren 2010 und 2011 Papiere gesammelt zu haben, doch die Ermittlungen ergaben, dass er schon seit Beginn seiner Tätigkeit als päpstlicher Kammerdiener im Jahr 2006 begonnen hatte, Schriftstücke des Papstes zu entwenden, unter anderem die Resultate von Blutanalysen des Heiligen Vaters, wie italienische Medien berichteten.Gabriele hatte angegeben, „vom Instinkt geleitet“ die Dokumente ausgesucht und kopiert zu habe. Dieses Aussagen seien jedoch nicht glaubwürdig, meinten Vatikan-Insider. Mehr Licht ins Dunkel der verworrenen Causa könnte das Verfahren gegen den wegen Begünstigung angeklagten Informatiker Claudio Sciarpelletti werfen, das nach dem Ende der Bischofssynode am 28. Oktober fortgesetzt werden soll. Bei Sciarpelletti, dem Beihilfe vorgeworfen wird, war ein Umschlag mit Papieren gefunden worden, die aber nicht vertraulich waren. Vor einer Woche hatte das vatikanische Gericht beschlossen, Gabrieles Verfahren von jenem Sciarpellettis getrennt zu führen.Gabriele im HausarrestGabriele kehrte nach dem Prozess zu seinem Alltag unter Hausarrest zurück. Am Sonntag wurde er von einem Gendarmen zur Messe begleitet. Das vatikanische Gericht muss noch über die Haftbedingungen entscheiden. Gabriele würde die Strafe vermutlich in einem italienischen Gefängnis absitzen, da es im Vatikan keine Strafanstalten gibt. Sehr wahrscheinlich wird ihn der Papst jedoch begnadigen.Für die Begnadigung Gabrieles plädiert unterdessen der italienische Journalist Gianluigi Nuzzi, dem der Ex-Kammerdiener vertrauliche Dokumente des Papstes zugespielt haben soll. Diese wurden in Nuzzis Bestseller „Sua santita“ (Seine Heiligkeit) veröffentlicht. „Gabriele hat kein diplomatisches oder militärisches Geheimnis wie im Fall Wikileaks verraten“, erklärte Nuzzi in einem Artikel, der in mehreren europäischen Tageszeitungen am Montag veröffentlicht wurde. Mit seiner Geste habe der Ex-Kammerdiener „verborgene Wahrheiten des Vatikans ans Licht gebracht, die der Kirche selber schaden“, schrieb der Journalist. „Wenn der Papst Gabriele begnadigt, beweist die Kirche damit, dass sie keine obskure und konservative Einrichtung ist“, so der Journalist.apa