Dienstag, 12. Juli 2016

Suche nach Schuldigen nach Zugsunglück mit 23 Toten in Apulien

Bei einem der schwersten Bahnunglücke in Italien der vergangenen Jahrzehnte sind am Dienstag in der Nähe der Stadt Andria bei Bari in der süditalienischen Region Apulien mindestens 23 Personen ums Leben gekommen, 50 weitere wurden verletzt. Die Suche nach Schuldigen ist im vollen Gang. Die Staatsanwaltschaft in der Stadt Trani ermittelt wegen mehrfacher fahrlässiger Tötung gegen Unbekannt.

Mindestens 20 Menschen kamen bei Zugunglück ums Leben. - Foto: LaPresse
Mindestens 20 Menschen kamen bei Zugunglück ums Leben. - Foto: LaPresse

Zwei Regionalzüge mit jeweils vier Waggons stießen am Dienstag gegen 11.30 Uhr auf einer eingleisigen Strecke unweit einer Kurve zwischen den Orten Corato und Andria frontal zusammen. Die demolierten und ineinander verkeilten Waggons wurden mit Hilfe eines Krans getrennt. „Es ist ein Desaster, als ob ein Flugzeug abgestürzt wäre“, so der Bürgermeister von Corato, Massimo Mazzilli.

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Foto: APA/afp

Premierminister Matteo Renzi versprach am Abend bei einem Besuch am Unglücksort eine vollständige Aufklärung. Verkehrsminister Graziano Delrio werde dem Parlament schon am Mittwoch über das Zugsunglück berichten. Präsident Sergio Mattarella sprach in einer ersten Reaktion von einer „unannehmbaren Katastrophe“ und forderte eine rasche Aufklärung der Unglücksursache.

Ermittelt wird, ob es sich um menschliches Versagen handelt. Aber auch ein technisches Problem wird nicht ausgeschlossen. Aufschluss soll die Blackbox der Züge geben. Ein geplanter Ausbau der Strecke auf zwei Gleise war erst kürzlich wegen Finanzierungsproblemen verschoben worden. Die Zeitung „La Stampa“ (Internetausgabe) berichtete, dass der seit Jahren geplante Ausbau ursprünglich schon im Jahr 2015 hätte abgeschlossen sein sollen.

Beide Züge waren mit etwa 100 km/h unterwegs

Unklar war, wie viele Menschen in den Regionalzügen waren, die von einem privaten Unternehmen betrieben wurden. Nach Angaben des Betreibers Ferrotramviaria waren die Züge mit etwa 100 Stundenkilometern unterwegs, als sie an einer Kurve zusammenprallten. Die Helfer arbeiteten bis in die Nacht, um Opfer aus den Trümmern zu bergen.

Dutzende Rettungsteams versuchten, in die Waggons zu gelangen, um die Verletzten zu bergen. Unter anderem wurde ein Kind aus den Trümmern geholt. Die Rettungsmannschaften entdeckten die Leichen einer Mutter und ihrer jungen Tochter. Zu den Toten zählt einer der Lokführer. Zum Schicksal des zweiten Lokführers gab es vorläufig keine Informationen.

Das Unglück hatte Entsetzen, Wut, aber auch eine Welle der Solidarität in Italien ausgelöst. Auch Papst Franziskus sprach den Angehörigen sein Beileid aus. Einem Blutspendeaufruf folgten innerhalb kürzester Zeit zahlreiche Bewohner der Region Apulien, vor den Blutspendezentralen bildeten sich lange Schlangen von Spendewilligen. „Alle wollen Blutspenden“, schrieb das Krankenhaus Bari unter einem auf Facebook veröffentlichten Foto von wartenden Spendern.

„Wir sind ein Dritte-Welt-Land“

In sozialen Netzwerken wurde zum Teil vernichtende Kritik an den Behörden geübt. „Wir sind ein Dritte-Welt-Land“, schrieb ein Nutzer laut „Stampa“. Andere kritisierten, dass Milliardenbeträge für den Bau von Hochgeschwindigkeitsstrecken ausgegeben würden, für den zweigleisigen Ausbau der süditalienischen Pendlerstrecke kein Geld vorhanden gewesen sei.

apa/dpa

stol