<BR />Hintergrund sind Äußerungen des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr bei der UNO-Generalversammlung. In seiner Rede vor den Vereinten Nationen am Mittwoch in New York hatte Selenskyj gesagt, sein Land habe zwei an der Seite Russlands kämpfende, nordkoreanische Soldaten an Südkorea überstellt. Er fügte hinzu, es sei „nicht einfach gewesen, sie lebend gefangen zu nehmen“.<BR /><BR />Die Offenlegung dieser Information stieß in Seoul umgehend auf Unmut. „Ich weiß nicht, warum die ukrainische Seite die Vereinbarung gebrochen und die Angelegenheit öffentlich gemacht hat, aber es ist sehr enttäuschend“, schrieb Südkoreas Staatschef Lee Jae-myung wenige Stunden später im Onlinedienst X.<BR /><BR />Selenskyjs Berater Dmytro Lytwyn reagierte auf den Vorwurf mit den Worten, die Ukraine sei „ein offenes Land“. Es wäre daher seltsam gewesen, die Soldaten heimlich zu übergeben, sagte er vor Journalisten. „Von der gesamten Geschichte – die lang und detailreich ist – haben wir nur die Tatsache selbst bekanntgegeben, dass sie in die Republik Korea geschickt wurden“, fügte er hinzu.<h3> Unterschiedliche Ansichten</h3>Es sei eine „sehr ernste Angelegenheit, dass die ukrainische Seite gegen die Vertraulichkeitsvereinbarung zwischen den beiden Ländern verstoßen und die Information einseitig öffentlich gemacht hat“, erklärte nun der südkoreanische Präsidialamtsmitarbeiter Seong.<BR /><BR />„Doch die falsche Behauptung des ukrainischen Präsidialbüros, es habe keine Vertraulichkeitsvereinbarung gegeben (...), untergräbt das Vertrauen zwischen den beiden Regierungen erheblich“, fügte er hinzu. Dies schade zudem „schwerwiegend“ den freundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Das südkoreanische Präsidialamt prüfe nun „weitere Maßnahmen, die in dieser Angelegenheit möglicherweise erforderlich sind“.<BR /><BR />Die beiden Soldaten waren im Jänner vergangenen Jahres von ukrainischen Streitkräften gefangen genommen worden, als sie in der Region Kursk auf russischer Seite kämpften. Anschließend wurden sie in der Ukraine inhaftiert und baten nach Angaben von Aktivisten darum, in Südkorea leben zu dürfen. Im Februar vergangenen Jahres besuchte der südkoreanische Abgeordnete Yu Yong-weon die beiden Nordkoreaner in der Ukraine. Laut der südkoreanischen Verfassung gelten alle Nordkoreaner zugleich als südkoreanische Bürger. Die Regierung in Seoul hat erklärt, dass dies auch für in der Ukraine gefangene Soldaten gelte.<BR /><BR />Das stalinistische, mit dem Süden verfeindete Nordkorea ist einer der wichtigsten Unterstützer Moskaus beim russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Nach Erkenntnissen südkoreanischer und westlicher Geheimdienste hatte Pjöngjang im vergangenen Jahr mehr als 10.000 Soldaten nach Russland entsandt, die vor allem in der Grenzregion Kursk eingesetzt wurden. Nordkorea bestätigte im April erstmals, Soldaten nach Russland geschickt zu haben. Nach Angaben des südkoreanischen Geheimdienstes wurden rund 2.000 von ihnen in dem Krieg getötet.