Donnerstag, 19. August 2021

Südtirol: 25 Prozent weniger Hochzeiten im Corona-Jahr 2020

In Südtirol ist die Zahl der Eheschließungen im Corona-Jahr 2020, das pandemiebedingt von Einschränkungen und Schließungen geprägt war, auf einen historischen Tiefstand gesunken. 1687 Paare gingen den Bund der Ehe ein, das sind 24,7 Prozent weniger als 2019 (2241), erklärt das Landesinstitut für Statistik ASTAT in einer Aussendung.

Die Eheschließungen erreichten in Südtirol pandemiebedingt einen historischen Tiefstand.
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Die Eheschließungen erreichten in Südtirol pandemiebedingt einen historischen Tiefstand. - Foto: © shutterstock
Im Jahr des Coronavirus 2020 heirateten 1687 Paare - 24,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Heiratsrate liegt in Südtirol bei 3,2 Ehen pro 1000 Einwohner. Der Anteil der standesamtlichen Eheschließungen (81,4 Prozent) bleibt hoch. Im Jahr 2020 gibt es auch 13 Lebenspartnerschaften zwischen Menschen des gleichen Geschlechts, schreibt das ASTAT.


Die Eheschließungsrate ist von 4,2 (2019) auf 3,2 Hochzeiten je 1000 Einwohner gesunken. Das ist die niedrigste Rate der Nachkriegszeit. Ein Vergleich der Raten mit den Regionen Italiens zeigt dennoch, dass Südtirol mit 3,2 Prozent an 1. Stelle liegt - deutlich über dem gesamtstaatlichen Durchschnitt von 1,6 Prozent. Besonders negativ hat sich die Pandemie in einigen süditalienischen Regionen ausgewirkt. In Sizilien ist die Eheschließungsrate von 3,9 Prozent auf 2,0 Prozent zurückgegangen. In der Basilikata, in Kampanien, Kalabrien und Apulien hat sich die Eheschließungsrate sogar mehr als halbiert.




Im Vergleich mit den Nachbarregionen Tirol und Trentino liegt Südtirol im Mittelfeld. 2020 betrug in Tirol die Eheschließungsrate 4,7 Prozent, im Trentino lediglich 1,7 Prozent (Quelle: ISTAT, Statistik Austria).




Seit dem Jahr 2002 ist die gesamtstaatliche Eheschließungsrate von 4,7 Prozent auf 1,6 Prozent im Jahr 2020 gesunken. Obwohl Südtirol die höchste Eheschließungsrate Italiens aufweist, liegt diese dennoch deutlich unter jener Österreichs, der Schweiz und Deutschlands. (Quelle: ISTAT, ASTAT, Statistik Austria, BFSSchweiz und Destatis).




Überdurchschnittlich viele Trauungen im Februar


Überdurchschnittlich häufig gaben sich die Brautleute im Monat Februar das Jawort. Noch vor der Pandemie und den damit verbundenen Einschränkungen haben im Februar 142 Paare geheiratet, 57,8 Prozent mehr als im Februar 2019 (90 Paare) und fast doppelt so viele wie im Zehnjahresdurchschnitt 2010-2019 (72). Dazu haben auch die besonderen Hochzeitsdaten (aufgrund ihrer besonderen Zahlenkombination beziehungsweise Schaltjahr), die sich in diesem Monat ergeben haben, beigetragen (wie beispielsweise der 20.02.2020, der 22.02.2020 oder der 29.02.2020).



Die Auswirkungen der Pandemie waren bereits ab März deutlich sichtbar. In den Monaten März und April gingen die Hochzeiten gegenüber demselben Zeitraum 2019 um 70 Prozent zurück. In den folgenden Monaten erhöhte sich die Zahl der Eheschließungen zwar, reichte aber bei weitem nicht mehr an das Niveau des Vorjahres heran. Nur die Monate August und Oktober verzeichneten jeweils ein Plus von 24,8 Prozent und 13,5 Prozent.



Anteil der standesamtlichen Trauungen bleibt hoch

Wegen der Corona-Pandemie hat es im vergangenen Jahr für Hochzeitsfeiern drastische Einschränkungen gegeben. Gotteshäuser und Standesämter blieben teilweise geschlossen oder waren nur reduziert geöffnet. 2020 entscheiden sich in Südtirol nur 314 Paare (18,6 Prozent) für eine kirchliche Trauung, rund halb so viele wie im Vorjahr (600). Im Monat März fanden keine kirchlichen Trauungen statt. Insgesamt ist der prozentuelle Anteil der standesamtlichen Trauungen von 73,2 Prozent im Jahr 2019 auf 81,4 Prozent im Jahr 2020 angestiegen.

Im Schnitt werden in ganz Italien mehr als die Hälfte (52,6 Prozent) der Ehen vor dem Standesbeamten geschlossen. Während in Nord- und Mittelitalien die standesamtlichen Hochzeiten fast 2 Drittel aller Eheschließungen ausmachen, bevorzugen heiratswillige Paare in den süditalienischen Regionen traditionsgemäß den kirchlichen Ritus.




In den Städten Bozen und Meran haben nur 9 Prozent beziehungsweise 7 Prozent der Hochzeitspaare die Eheschließung vor dem Traualtar zelebriert. Die klare Mehrheit der Paare ließ sich standesamtlich trauen.

Den höchsten Anteil kirchlicher Eheschließungen verzeichneten im Jahr 2020 die Bezirksgemeinschaften Salten-Schlern (29,0 Prozent) und Pustertal (25,3 Prozent). Stärker traditionell geprägt bleibt das Heiratsverhalten in den ladinischen Gemeinden, wo sich 45,1 Prozent kirchlich trauen ließen.




Der Rückgang der kirchlichen Trauungen lässt sich durch die fortschreitende Säkularisierung, die Zunahme der Zweitehen und interkonfessionellen Hochzeiten, aber auch durch die neuen, gesetzlich geregelten Formen des Zusammenlebens und den Wandel der Einstellung zu Ehe und Familie erklären. Im Jahr 2020 hat sich die Pandemie zusätzlich negativ auf die kirchlichen Trauungen ausgewirkt.

Fast 50 Prozent der erwachsenen Südtiroler sind verheiratet

In Südtirol lebt fast die Hälfte der volljährigen Personen in einer Ehe (48,2 Prozent). Nach Alter aufgeschlüsselt ergeben sich geschlechtsspezifische Unterschiede. In der Altersgruppe zwischen 18 und 39 Jahren sind Frauen häufiger verheiratet als Männer: 25,7 Prozent gegenüber 16,6 Prozent. In der Altersgruppe von 40 bis 64 Jahren leben 60,4 Prozent der Männer und 62,5 Prozent der Frauen mit ihrem jeweiligen Ehepartner zusammen. Hier gibt es kaum einen Unterschied. Anders ist das bei Personen im höheren Alter. Ab dem 65. Lebensjahr leben 74,7 Prozent der Männer in einer Ehe, bei Frauen trifft dies nur mehr auf 47,1 Prozent zu. Hauptgrund dafür ist die höhere Lebenserwartung der Frauen mit einem entsprechend größeren Verwittwungsrisiko.

Immer mehr Kinder werden außerehelich geboren. Bei 45,5 Prozent der im Jahr 2020 geborenen Kinder hatten die Eltern keinen Trauschein. 30 Jahre zuvor war das nur bei 19,0 Prozent der Fall.




Mehr als die Hälfte der Paare entscheidet sich für die Gütertrennung: 2020 sind es 58,2 Prozent der Frischvermählten, während bis zum Jahr 1998 die Gütergemeinschaft die gängige Praxis war. Im italienweiten Vergleich (2019) weist Südtirol mit 43,9 Prozent den höchsten Anteil an Eheschließungen mit gemeinsamen Güterstand auf, gefolgt von Sardinien (37,0 Prozent), dem Trentino (36,3 Prozent), Venetien (35,4 Prozent) und Umbrien (34,0 Prozent).

Vergleich (2019) weist Südtirol mit 43,9 Prozent den höchsten Anteil an Eheschließungen mit gemeinsamen Güterstand auf, gefolgt von Sardinien (37 Prozent), dem Trentino (36,3 Prozent), Venetien (35,4 Prozent) und Umbrien (34 Prozent).



Zweitehen auf dem Vormarsch

Die Zahl der Hochzeiten zwischen Personen, die zum ersten Mal heiraten, ist in den letzten fünfzehn Jahren von 1591 im Jahr 2005 auf 1330 im Jahr 2020 zurückgegangen. Der prozentuelle Anteil der Erstehen
fiel von 86,5 Prozent auf 78,8 Prozent.



Die Anzahl der Zweitehen hat dagegen deutlich zugenommen: Während 2005 lediglich 13,5 Prozent aller Trauungen von Paaren geschlossen wurden, bei denen mindestens ein Partner bereits vorher verheiratet war, so liegt ihr Anteil im Bezugsjahr bei 21,2 Prozent. Im Vergleich
zu 2019 sind die Zweitehen jedoch um 3,2 Prozentpunkte zurückgegangen.



Es sind überwiegend Geschiedene, die ein weiteres Mal heiraten: Bei 35,6 Prozent der Zweitehen ist der Mann geschieden und die Frau ledig und in 31,1 Prozent der Fälle ist es umgekehrt, während bei 26,6 Prozent der Wiederverheirateten beide Partner schon eine Scheidung hinter sich haben. Die Quote der Verwitweten, die sich noch einmal trauten, ist viel niedriger und liegt bei 6,7 Prozent.

Männer tendieren bis ins hohe Alter, nach dem Tod der Partnerin oder einer Scheidung, wieder zu heiraten, während Frauen eine Zweitehe vorwiegend zwischen 45 und 59 Jahren eingehen.

Es wird immer später geheiratet

Die Ehe wird schon lange nicht mehr zwangsläufig als Voraussetzung für eine Familiengründung angesehen. Das ist wahrscheinlich auch der Hauptgrund, weshalb viele Paare den entscheidenden Schritt hinauszögern. Der Trend zur immer späteren Hochzeit dürfte zudem
auf die gestiegene Ausbildungszeit zurückzuführen sein, aber auch, dass immer mehr Paare zuerst unverheiratet zusammenleben.

Das durchschnittliche Alter des Bräutigams bei der Erstheirat liegt im Jahr 2020 bei 38,2 und jenes der Braut bei 35,1 Jahren. Zwanzig Jahre zuvor waren beide Brautleute etwa 6 Jahre jünger. Der mittlere Altersunterschied zwischen Braut und Bräutigam von rund 3 Jahren bleibt hingegen konstant.

Auf gesamtstaatlicher Ebene gehen Braut und Bräutigam das Wagnis der Ehe im Schnitt mehr als 2 Jahre früher ein, und zwar mit 32,8 bzw. 35,9 Jahren (2019).

Im Bundesland Tirol liegt das Durchschnittsalter bei der Erstheirat des Bräutigams bei 33,8 Jahren und jenes der Braut bei 31,4 Jahren.



Hochzeiten zwischen In- und Ausländern bei 13,1 Prozent

Im Bezugsjahr wurden 221 Ehen eingegangen, bei denen entweder der Bräutigam oder die Braut einer ausländischen Nation angehört. Das entspricht einem Anteil von 13,1 Prozent an den gesamten Eheschließungen. Dabei haben mehr als doppelt so viele Männer als
Frauen einen ausländischen Partner geehelicht (154 gegenüber 67). Größtenteils handelt es sich bei den Eingeheirateten um Bürger aus Europa, vor allem aus dem deutschen Kulturraum. Die Frauen stammen vermehrt auch aus osteuropäischen Staaten.



Nichteheliche Lebensgemeinschaft und eingetragene Lebenspartnerschaft

Mit Gesetz vom 20. Mai 2016, Nr. 76 (sog. „Legge Cirinnà“), in Kraft seit 5. Juni 2016, werden nun erstmals auch in Italien die eingetragene Lebenspartnerschaft (zwischen 2 Menschen gleichen Geschlechts) sowie die nichteheliche Lebensgemeinschaft (sowohl zwischen gleichgeschlechtlichen als auch verschiedengeschlechtlichen Partnern) geregelt. Vor Einführung dieses Gesetzes gehörte Italien noch zu den wenigen europäischen Staaten, die solche Paarbeziehungen nicht offiziell anerkannten.

Eine nichteheliche Lebensgemeinschaft kann zwischen volljährigen, unverheirateten Personen, die nicht durch Verwandtschaft, Verschwägerung, Adoption, Ehe oder eingetragene Lebenspartnerschaft verbunden sind, eingegangen werden. Voraussetzung ist der gemeinsame Wohnsitz, der mit der meldeamtlichen Erklärung begründet wird. Die Lebenspartner haben einige eheähnliche Rechte und Pflichten.

Vermögensrechtliche Regelungen wie Güterstand, Unterhalt, Erbrecht usw. können in einer Lebensgemeinschaft jedoch nur durch einen von einem Rechtsanwalt oder Notar beglaubigten Lebensgemeinschaftsvertrag geregelt werden. Der schriftlich abgefasste Vertrag muss innerhalb von zehn Tagen der Wohnsitzgemeinde des Paares zwecks Eintragung im Meldeamt übermittelt werden.

Die eingetragene Lebenspartnerschaft zwischen Personen desselben Geschlechts ist in vielerlei Hinsicht einer Ehe gleichgestellt. Die eingetragene Lebenspartnerschaft wird mittels Erklärung vor dem Standesbeamten und in Anwesenheit von 2 Zeugen begründet. Die Vermögenssituation ist, wie bei der Ehe, bereits gesetzlich geregelt. Die Lebenspartnerschaft endet mit dem Tod eines Partners oder kann einseitig oder einvernehmlich aufgelöst werden. Nach Ablauf von drei Monaten ab dem Datum der Willensbekundung der Auflösung vor dem Standesbeamten kann der entsprechende Antrag auf Auflösung eingereicht werden.

Im Jahr 2020 wurden 13 gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften standesamtlich eingetragen (5 männliche und 8 weibliche Paare).










stol