Wenn ein Mensch an Demenz erkrankt, betrifft das meist nicht nur ihn, sondern sein ganzes Umfeld. Für Angehörige beginnt oft ein Alltag voller Fragen, Belastungen und Unsicherheiten. Eine zentrale Anlaufstelle, die genau hier unterstützt, fehlt in Südtirol bislang. Das „Haus Inge“ in Margreid soll diese Lücke schließen – als erstes Kompetenzzentrum für Demenz im Land. „Wir wollen mit dieser Einrichtung verschiedene Dienstleistungen unter einem Dach vereinen, die darauf abzielen, pflegende Angehörige zu entlasten“, erklärt Stiftungspräsident Norbert Bertignoll. <BR /><BR />Das Konzept sieht 4 Schwerpunkte vor. Dazu gehören eine Kurzzeit-Betreuung mit 40 stationären Betten und eine Tagesstätte mit 20 Plätzen – „gedacht als Unterstützung für Familien, die Betreuung und Alltag miteinander vereinbaren müssen“, ergänzt Bertignoll.<BR /><BR />Darüber hinaus übernimmt das „Haus Inge“ auch beratende und bildende Aufgaben: Geplant ist eine umfassende Beratungsstelle für Familien, die mit den Herausforderungen der Demenzpflege konfrontiert sind. Gleichzeitig sollen gezielte Aus- und Weiterbildungen für Pflegekräfte, Angehörige und Ehrenamtliche angeboten werden.<h3> „Entlastung auch für die Heime im ganzen Land“</h3>„Das Haus Inge in Margreid ist ein Leuchtturmprojekt, welches vorzeigen soll, wie ein Kompetenzzentrum für Demenz funktionieren kann“, sagt Soziallandesrätin Rosmarie Pamer. Solche Zentren entlasten nicht nur die Angehörigen, sondern auch die Seniorenwohnheime. „Man nimmt den Druck von den stationären Plätzen“, betont Pamer. Ziel sei es daher, weitere Einrichtungen dieser Art zu schaffen.<BR /><BR />Der Landessozialplan sieht insgesamt vier Kompetenzzentren für Demenz in Südtirol vor – verteilt auf Ost und West. „Einige Standorte sind bereits im Gespräch, entschieden ist aber noch nichts“, so die Landesrätin. Um eine einheitliche Qualität sicherzustellen, sollen künftig klare Richtlinien festgelegt werden. „Wir wollen Leitplanken setzen, aber zugleich Spielraum für die konkrete Ausgestaltung lassen“, erklärt Pamer. <BR /><BR /> Die Bauarbeiten beginnen voraussichtlich im Mai. Die Kosten für das „Haus Inge“ belaufen sich auf rund 17 Millionen Euro. Das Amt für Senioren und Sozialsprengel des Landes unterstützt das Projekt mit rund 7,1 Millionen Euro. <BR /><BR />Auch die Stiftung Südtiroler Sparkasse finanziert das Projekt maßgeblich mit – nicht zuletzt, weil die ursprüngliche Idee für ein Demenzkompetenzzentrum auf die verstorbene Stiftungsrätin Ingeborg Bauer-Polo zurückgeht, wie Stiftungspräsident Stefan Pan erklärt. „Sie hat damit einen Aspekt der alternden Gesellschaft schon früh erkannt.“<BR /><BR />Im Gedenken an Bauer Polos Initiative wurde 2016 gemeinsam mit der Gemeinde Margreid, der Südtiroler Alzheimergesellschaft (ASAA) und der Stiftung Südtiroler Sparkasse die Stiftung „Haus Inge“ ins Leben gerufen, „wobei beschlossen wurde, dass dieselbe Stiftung das Bauvorhaben umsetzen und in Folge das Kompetenzzentrum führen sollte“, erinnert Pan. <h3> „Für Margreid ein großer Mehrwert“</h3>„Das Projekt ist nicht nur im Landes-, sondern vor allem auch im Gemeindeinteresse“, betont Margreids Bürgermeister Andreas Bonell. „Die Einrichtung schafft Arbeitsplätze und belebt das Dorf.“ Wichtig sei ihm zudem, dass das Haus Inge nicht isoliert, sondern „in die Dorfgemeinschaft integriert wird“.