Mittwoch, 13. Juli 2016

Südtirol: Erstmals mehr Scheidungen als Trennungen

Eine von drei Ehen in Südtirol scheitert, durchschnittlich hält sie fast 17 Jahre. Damit liegen die Südtiroler im Trend: Was aus der aktuellen Studie des Landesinstiuts für Statistik (Astat) zu den Ehetrennungen und -scheidungen besonders ins Auge sticht ist der Fakt, dass es 2015 erstmals mehr Scheidungen als Trennungen gegeben hat.

17 Jahre: So lang hält eine Südtiroler Ehe im Durchschnitt.
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17 Jahre: So lang hält eine Südtiroler Ehe im Durchschnitt. - Foto: © shutterstock

Dank des neuen Gesetzesdekret 123 vom 12. September 2014 ist das Scheiden nun leichter den je: Wer sich einvernehmlich scheiden lässt und keine zu Lasten lebende Kinder hat, kann sich nun ruck, zuck in sechs Monaten in der Gemeinde scheiden lassen. Vor allem auf diese Neuerung ist für das Astat der Anstieg an Scheidungen zurückzuführen. Die Scheidungsrate liegt nun auf 15,2 Prozent, die Trennungsrate ist auf 12,2 Prozent gefallen. Sie ist damit erheblich zurückgegangen: 2007 lag diese noch bei 17 Prozent.

Kirchlich getraut hält länger

Die Südtiroler, die sich standesamtlich getraut haben, haben sich 2015 deutlich öfters getrennt als jene, die es bis vor den Altar einer Kirche geschafft haben. Die standesamtlich Getrauten liegen in den Kategorien "weniger als fünf Jahre", "zwischen fünf und neun Jahren" und "zwischen zehn und 14 Jahren" bis zum Ehe-Aus vorne. Aber auch lange Ehen sind nicht gefeit: In der Kategorie über "25 Jahre verheiratet" gab es 2015 101 Trennungen, weit mehr als in jeder anderen Kategorie.

Bildung ist Garant für langes Eheleben

In 48,8 Prozent der Trennungen haben beide Partner nur einen Mittelschulabschluss. Bei 20 Prozent der Trennungen haben beide einen Maturaabschluss. In nur vier Prozent der Fälle hatten beide einen Universitätstitel. Wenn die Frau einen höheren Bildungsgrad erreicht hat, ist dies häufiger ein Problem (14,7 Prozent) als wenn der Mann in der Beziehung einen höheren Studientitel hat - in nur 9,5 Prozent der Fälle. Einen Fortschritt gibt es für die Frauen jedoch trotzdem: In 81,1 Prozent der Trennungen sind beide Partner mittlerweile finanziell unabhängig.

Sorgerecht mittlerweile gleichgestellt

In 30 Prozent der Scheidungen sind laut Astat Kinder betroffen. Wer nur ein Kind hat (17,3 Prozent), wird öfters geschieden, als jene die drei Kinder haben (nur 2,6 Prozent). Das Sorgerecht wird inzwischen in beinahe allen Fällen beiden Eltern zugesprochen, wobei die Kinder trotzdem öfters bei der Mutter leben.

stol/wh

stol