Donnerstag, 09. Dezember 2021

Schneefälle: Zivilschutzstatus zurückgestuft

Ganze Südtirol erwachte heute in Weiß. Zwischen 10 und 25 Zentimeter Schnee ist in allen Landesteilen gefallen – wie vorhergesagt. Selbst in Bozen und Meran sind 15 Zentimeter gefallen. Der Zivilschutzstatus wurde nach der Lagebesprechung am Donnerstagmittag im Hinblick auf Wetterereignisse zurückgestuft. Die Lawinengefahr ist indes hoch – vor allem oberhalb der Waldgrenze.

In den höheren Tälern sind rund 30 Zentimeter Neuschnee gefallen.
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In den höheren Tälern sind rund 30 Zentimeter Neuschnee gefallen. - Foto: © sor
Die Bilanz der Schneefälle von Landesmeteorologe Dieter Peterlin: Südtirolweit sind 10 bis 25 Zentimeter feinster Pulverschnee gefallen, am meisten vom Obervinschgau übers Ultental bis ins Unterland sowie in Ridnaun. An einzelnen Orten lag der Höchstwert bei 30 Zentimetern. Und selbst in Bozen und Meran gab es gut 15 Zentimeter. In der zweiten Nachthälfte klangen die Schneefälle langsam ab. Es setzt Nordföhn ein, der Wind kann in den nächsten Tagen mit 50 bis 70 Stundenkilometern relativ stark werden.

Am Vormittag fielen noch die letzten Schneeflocken am Alpenhauptkamm und im oberen Pustertal.



Straßendienst mit 220 Fahrzeugen im Einsatz

Alle 480 Mitarbeiter des Landesstraßendienstes waren mit 220 Fahrzeugen im Einsatz, bereits am gestrigen Vormittag hatten sie mit den präventiven Salzstreuungen begonnen. Die Bevölkerung war angehalten worden, aufmerksam zu sein, Fahrten auf die notwendigen zu beschränken und die Fahrzeuge mit Winterausrüstung auszustatten.

Landauf, landab hatten auch die Freiwilligen Feuerwehrleute ihre Fahrzeuge einsatztauglich gemacht – Schneeketten wurden allerorts montiert.




Die Schneepflüge und Räumfahrzeuge waren überall unterwegs, die Mitarbeiter des Straßendienstes mussten aber auch ausrücken, um havarierten Lkw-Fahrern oder hilflosen Busfahrern dabei behilflich zu sein, die Schneeketten zu montieren.Glücklicherweise liefen die ergiebigen Schneefälle glimpflich ab.

Schneebedeckte und rutschige Fahrbahnen, gesperrte Pässe

Auf den Straßen im ganzen Land gab es natürlich die üblichen Schwierigkeiten bei Schnee: Es war rutschig und schneebedeckt, so mancher Autofahrer kam ins Schlittern, einige Fahrzeuge blieben hängen oder der Verkehrsfluss wurde blockiert, weil die Lenker auch auf der Fahrbahn Schneeketten montierten. Der Straßendienst und die Freiwilligen Feuerwehren rückten bis in den späten Mittwochabend zu zahlreichen Einsätzen aus, um Fahrzeuge zu bergen oder die Straßen von abgebrochenen Ästen zu befreien. In der Nacht auf Donnerstag waren es für die Berufsfeuerwehr weitere 5 Einsätze, für die Freiwilligen Feuerwehren weitere 20.

Das Verkehrsaufkommen auf der Brennerautobahn fiel gestern geringer aus als erwartet, berichtet die Landesverkehrsmeldezentrale. Da die Schwerfahrzeuge gestern pausieren mussten, sind sie derzeit zahlreicher unterwegs.


Auf Berg- und Passstraßen sind auch jetzt noch Verkehrsbehinderungen möglich. Die Verkehrsteilnehmer werden auf schneebedeckte und rutschige Fahrbahnen hingewiesen und aufgefordert, überall vorsichtig und nur mit Winterausrüstung zu fahren. Das Penser Joch und das Grödner Joch sind aus Sicherheitsgründen gesperrt, der Valparolapass konnte nach den Aufräumarbeiten wieder geöffnet werden. Für den Jaufenpass gilt die Nachtsperre von 18 bis 8 Uhr. Wintersperre gilt für Stilfser Joch, Timmelsjoch, Würzjoch (vom Gadertal aus erreichbar) und Staller Sattel.

Wenige Verzögerungen auf den Bahnstrecken

Auf der Brennerbahnlinie gab es gestern Abend einige Verzögerungen und einzelne wenige Ausfälle, ebenso heute früh. Auf der Meraner Linie ist ein Zug ausgefallen. Trotz der ergiebigen Schneefälle gab es relativ wenig Probleme im Bahnverkehr.


Hohe Lawinengefahr

Die Lawinengefahr wurde oberhalb der Waldgrenze für praktisch ganz Südtirol mit Stufe 4 „groß“ angegeben.

Wann kommt der nächste Schnee? Laut Peterlin schneit es in den kommenden Tagen nur noch am Alpenhauptkamm etwas, abseits davon bleibt es nun für längere Zeit trocken, weit und breit ist kein neuer Schnee mehr in Sicht.

Zivilschutzstatus zurückgestuft

Wegen der Warnstufe Orange im Warnlagebericht des Landeswarnzentrums in der Agentur für Bevölkerungsschutz waren vorgestern (Dienstag, 7. Dezember) die Bevölkerung und die Reisenden zu erhöhter Achtsamkeit und Vorsicht aufgefordert worden. Bei der gestrigen Bewertungskonferenz blieb der Zivilschutzstatus Aufmerksamkeit-Alfa wegen Schneefall im Tal aufrecht, die Lage wurde ständig im Blick behalten. Nun hat sich die Situation stabilisiert, deshalb wurde heute (9. Dezember) der Status im Hinblick auf Wetterereignisse wieder zurückgestuft.

Selbstschutz und Eigenverantwortung

„Wer informiert ist, kann sich vorbereiten und angemessen mit dem Gefährdungspotential umgehen“, unterstreicht der Direktor der Agentur für Bevölkerungsschutz Klaus Unterweger. Durch Bewusstseinsbildung wird dieses Handlungsprinzip der Widerstandsfähigkeit der Bevölkerung gefördert: „Vor allem in der Vorbeugung zur Verhinderung von Katastrophen und beim Selbstschutz ist eine gut geschulte Haltung von grundlegender Bedeutung. Es ist wichtig, die Bevölkerung über eventuell eintretende Extremereignisse aufzuklären und sie dazu zu motivieren, selbst Verantwortung für Eigenschutz zu übernehmen.“

d/vs/lpa